Roland Dürre
Freitag, der 18. Februar 2011

Doktorarbeiten

Ein wenig wundere ich mich, dass unsere Politikkaste für sich nicht ein besonderes Schutzrecht einführt: Nämlich dass die Doktorarbeiten von staatlichen Amts- und Würdenträgern nicht veröffentlicht werden dürfen.

🙂 Oder zumindest beim Veröffentlichen vorher verpixelt werden müssen.

Dafür fallen mir eine Reihe von Argumenten ein:

Der Datenschutz
(damit die politische Konkurrenz das eigene Wissen nicht für ihre politischen Ziele nutzen kann) und

der Schutz der Persönlichkeit
(des Politikers, der in so einer Doktorarbeit doch auch viel intimes Wissen preis gibt, das Schlüsse auf seine Persönlichkeit zu lässt).

Außerdem könnte ja der „elobarated code“, wie er bei den von Politikern meistens generierten Doktorarbeiten in Fächern wie Politologie oder Sozialwissenschaften angewandt wird vom einfachen und an den „restricted code“ einer Bildzeitung gewöhnten Bürger missverstanden werden und so zu einer irrtümlichen Wahlentscheidung und damit zu einer Verfälschung des Wählerwillens führen.

Und noch schlimmer: Das Vertrauen der Bürger zur politischen Führung könnte erlöschen, wenn zum Beispiel in der Physik-oder BWL-Doktorarbeit eines wichtigen Regierungsmitglieds nichts Neues oder vielleicht sogar etwas Falsches stehen würde.

Meine Meinung ist aber doch noch differenzierter:

Das ist nicht nur ein Problem der Politik!

Da fällt es halt besonders auf. Ich finde, dass wir allgemein eine Inflation von Doktorarbeiten haben. Die Zahlen würden mich da wirklich mal interessieren.

Besonders schlimm ist das bei den in späteren Lebensabschnitten geschriebenen Doktorarbeiten. Die sind inflationär. Und wie viel Gefälligkeit oder auch kommerzieller Ausgleich dabei eine Rolle spielt, kann ich in jedem Einzelfall nur vermuten.

So stehen auch bei mir im Bücherregal ein paar Doktorarbeiten von Spätberufenen, bei denen ich den wissenschaftlichen Wert überhaupt nicht erkennen kann. Wortmassen über viele Seiten, zusammengeschustert, aufgeplustert und überflüssig. Die stammen überwiegend aus den Sozial-, Polit-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften. Aber auch eine Doktorarbeit zur Psychologie habe ich auf einem meiner Rechner, die wirklich nur lächerlich ist und bestenfalls die Neigungen eines sexuell-sadistischen Voyeurs befriedigen.

Nur interessiert sich für diese „Arbeiten“ niemand, weil deren Autoren „unwichtige“ Menschen sind, die nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Das ganze ist so gesehen gar kein Problem von Politikern sondern eher der Universitäten, und der Art wie heute der Doktortitel in vielen Fällen generiert wird. Die Politiker sind eher die dummen Opfer, weil sie erwischt werden, die anderen dürfen ihren Doktor unbehelligt tragen.

Das für diese Art des Doktormachens notwendige Zusammenschustern von Texten geht ohne Kopieren nicht, oft auch weil die Doktoren in Spe voll im beruflichen Leben stehen und auch sonst auf vielen Hochzeiten tanzen. Wo soll dann die Zeit für die Doktorarbeit herkommen (es sein denn, man delegiert die Arbeit)? Kopieren wird zur natürlichen „Notwehr“ und so  zum Kavaliersdelikt.

Man will halt den Doktor, hat an der Uni auch Verbündete, die einem zum Doktor verhelfen wollen, aber keine Zeit (und meistens auch keine Qualifikation).

Das das ganze dem Ansehen des Doktortitels nicht gut tut, scheint klar zu sein. Wie oft höre ich die Frage: Wieviel hat der den für seinen Doktor bezahlt (oder gespendet)?

Wahrscheinlich bekommen wir bald „australische“ Verhältnisse. Bei der gemeinsamen Einreise in Australien wurde mein Freund (ein hochqualifizierter Akademiker) im „immigration office“ vom australischen Einreisebeamten hemdsärmlig aber freundlich belehrt, dass der Doktor in seinem Pass nichts wert sei. Diese Unsitte hätte man im modernen Australien schon seit längerem abgeschafft.

RMD

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