Roland Dürre
Sonntag, der 5. Juni 2011

EHEC und crowdsourcing

Gerne hätte ich mal den Fragebogen gesehen, der den EHEC-Patienten ausgehändigt bzw. der von den Personen, die diese befragt haben, benutzt wurde.

Wenn man die Ergebnisse betrachtet, scheint er ja nicht sonderlich effizient sondern mehr als dilettantisch gewesen zu sein. So schwer kann es doch nicht sein, bei so vielen Opfern Gemeinsamkeiten einzugrenzen und die eine oder andere Teilmengen mit gemeinsamen Eigenschaften zu finden.

Ich finde, dass das Vorgehen unserer politischen Administration (nicht nur) bei EHEC mehr als verantwortungslos ist!

Warum versucht man nicht bei solch wichtigen Themen auch ergänzend moderne Methoden wie „crowdsourcing“ anzuwenden? Gemeinsam hätten wir schon längst eine vernünftige Methode generiert und den Ausgangspunkt der Infektion gefunden. Wichtig genug wäre es ja, die Quelle(n) von so gefährlichen Erregern möglichst zeitnah zu ermitteln.

Aber nein, da wird rumgestopselt, willkürlich verdächtigt, beliebig vermutet, spekuliert und Schaden generiert, aber nichts gemacht. Kein Krisenstab, kein think tank, sondern Obrigkeitsdenken an Stelle einer offenen Informationspolitik. Dem Bürger wird misstraut, dem kann man die Wahrheit ja nicht sagen.

Das alles erinnert mich an die konfuse Zentralwirtschaft einer Kaste, die sich für Elite hält, nur weil sie es in der Parteienlandschaft nach oben geschafft hat. Die aber in Wirklichkeit dümmer als das Volk ist. Irgendwie geht es in Deutschland rückwärts, nicht nur bei EHEC. Aber leider nicht in die Bonner BRD sondern in die Ostberliner DDR.

RMD

P.S.
Gestern habe ich wieder einen Menschen kennen gelernt, der in München seine Wohnung gerade aufgelöst hat und in die Schweiz emigriert.

5 Kommentare zu “EHEC und crowdsourcing”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 5. Juni 2011)

    Sorry Roland, I don’t agree about how easy it is to find out from 2000 seriously ill people exactly what they consumed a week earlier. And what has crowd-sourcing to do with it? One can easily collect thousands of opinions about what is to blame. But how do you sort out the couple of clever ideas?
    Your opinions about our top politicians are also dubious. I have just read that workers, (Arbeitnehmer), in € crisis countries work longer hours and at least as many years as in Germany. That means that Germany’s advantage comes from the civil servants, politicians and bosses. I suppose you will say „ours are terrible, the others are even worse“. (There is also the possibility, that the climate in the south causes people to work less hard, during the hours they are on the job).

  2. rd (Sonntag, der 5. Juni 2011)

    Lieber Chris,

    lass uns den Fragebogen anschauen und dann weiterdiskutieren. Nach meinen Informationen war das wirklich kläglich und wäre mit „crowdsourcing“ innerhalb von 24 Stunden mehr als wesentlich verbessert worden. Aber das alles ist Theorie, es wird ja alles verheimlicht. Warum? Ich weiß es wirklich nicht.

    Bei Crowdsourcing weiß man nie, welche Ergebnisse erzielt werden. Dieses Problem scheint mir sehr geeignet: Verbesserung des Fragebogens, Analyse der angeblich ja von Normalverteilung abweichenden Muster der Erkrankungen bzw. Erkrankten.

    Auch über mögliche Übertragungswege könnte man nach denken – wer der Erkrankten hatte den Kontakt mit anderen Erkrankten?

    Zum „Deutschen Vorteil“:

    Der Schluss ist sehr gewagt, dass es uns in Deutschland besser geht, weil wir die besseren Beamten, Politiker und Bosse haben.

    Zum ersten Mal wäre zu prüfen, ob es uns in Deutschland wirklich besser geht. Bei den Staatsschulden stehen wir sichern nicht besser da.

    Falls es uns tatsächlich besser geht – und so hat man ja den Augenschein, dann könnten die Ursachen unterschiedlich sein. Ich bringe ein paar positive Beispiele:

    – Ein besseres Bildungssystem in Schule und Universität aber auch Berufsausbildung.
    – Einen starken Mittelstand.
    – Hoher Anteil an der Wertschöpfung durch mittelständische Unternehmen.
    – Moderne Produktionsanlagen – auch als Folge der Totalzerstörung im zweiten Weltkrieg.
    – Ein gemäßigtes Klima.
    – Eine gute öffentliche Infrastrukur dank gut funktionierende staatliche Betriebe bei Bahn, Energie, Post und Telekommunikation.
    – Ein starkes System von Banken und Sparkassen und eine eigene, verantwortlich gesteuerte Wärhung.
    – Eine traditionell starke Ingenieurskultur.
    – Starke Marken, die in der Regel in den 50iger und 60iger Jahren geschaffen worden.
    – Eine Gesellschaft ohne extreme Armut und extremen Reichtum mit einer breiten Mittelschicht

    Bei diesen Beispielen fällt auf, dass aufgrund auch politischen Versagens vieles verloren gegangen ist bzw. aktuell weiter zerstört wird.

    Es könnte aber auch negative Gründe für unsere bevorzugte Situation geben:
    – Ausbeutung der dritten Welt in besonders starkem Maß.
    – Gnadenloses Profitieren vom globalen Lohngefälle – schon in Nearshore-Bereich wie Rumänien verdient ein Arbeiter nur noch ein paar 100 € im Monat, im Offshore-Bereich sind dann die Arbeitskosten vernachlässigbar.
    – Rücksichtslose Vernichtung der Ressource Natur trotz entgegen gesetzter Lippenbekenntnisse.
    – Ausbeutung auf Handelsbasis der EU-Länder durch den EURO.

    Das so etwas nicht ewig gut gehen kann, klingt wahrscheinlich.

    Aber warum haben wir dann so viel Schulden?

  3. Chris Wood (Montag, der 6. Juni 2011)

    Your list of Germany’s advantages seems reasonable, and largely fits my short list of politicians, civil servants and bosses. (Any self-employed man is his own boss, unless married). To your list, one can add relatively little corruption. When I came to Germany, I liked the apparent relatively high degree of equality. This works well and makes happy. Scandinavia is supposed to be even better, but I like our climate.
    But I have read that e.g. Britain and France are educating youngsters better now.

    Oh yes, I forgot to write anything about Germany’s debts. Global markets do not have a special love for Germany, so I doubt whether our position is as bad as you suppose. They trust Germany to stay solvent. Can it be that the German state’s assets fully justify the debts? I would find it hard to list all the assets, but the roads are good. what else is there?

  4. hans-peter kuhn (Mittwoch, der 8. Juni 2011)

    Dein Schweiz-Emigrant ist doch tatsächlich nichts anderes als ein Steuerflüchtling. Kann mir übrigens kaum vorstellen, dass dortige Volksabstimmungen garantiert die von Dir gewünschten Ergebnisse bringen.

  5. rd (Mittwoch, der 8. Juni 2011)

    Hi – der Schweizemigrant hatte ein anderes Problem: In München (!) einen Job zu finden (er war schon ein wenig älter). In der Schweiz fand er ihn.

    Bei den Volksabstimmungen bin ich mir sicher, dass da mehr als 80 % in meinem Sinn ausgehen würden. Bei unserer Regierung ist die Quote eher unter 50 % gefallen.

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