Roland Dürre
Sonntag, der 1. Januar 2012

Ein gutes 2012

Brot an Stelle der Böller?

Heissa, war das wieder ein Geknalle heute Nacht. Das neue Jahr wurde mit mehr Raketen als je zuvor begrüßt. So war zumindest mein Eindruck. Und die Straßen scheinen heute morgen noch verwüsteter als sonst zum 1. Januar.

Würde mich nicht wundern, wenn es tatsächlich so wäre. Im letzten Aldi-Prospekt wurden auf genau einem Dutzend (12!) Seiten Böller und Feuerwerksartikel aller Art angepriesen.

Vom großen „China -Knall-Sortiment Hanan mit ca, 50 Einzelteilen, 6-fach sortiert, davon 10 besonders laute Reibknopfknaller“ zu geschenkten 1,99 € bis hin zu „Manchester – der Feuerwerks-Innovation des Jahres mit noch Effekt-Power als herkömmliches Verbund-Feuerwerk durch effektstarke und großkalibrige XXL500 Batterien„.

Das Spitzenmodell kostet schlappe 59,99 €. Genauso viel wie umgerechnet der Kindle in USA (79 $). Dafür bekommt man dann ein „System-Feuerwerk mit 144 Schuss und eine Feuerwerkskombination mit bis zu 500 Gramm Effektmenge“  (man beachte die geschickte Formulierung ‚bis zu‘). Alles Originaltexte aus dem Aldi-Prospekt! Und man muss nur 1x anzünden und bekommt dafür eine Brenndauer von ca. 90 Sek. und eine Effekthöhe von ca. 40 m.

Sechzig EURO, das war mal richtig viel Geld. Ist es wohl für viele Leute immer noch. Aber im Aldi-Prospekt finden wir zwischen 1,99 € und 59,99 € Angebote in allen Preiskategorien für jeden Geldbeutel! So konnte jeder seine verbliebenen Groschen zum Jahresende fürs Feuerwerk zum Discounter tragen.

Ja, so geht das. Die Wirtschaft braucht Wachstum und muss ihre Zahlen schaffen. Da muss man den Markt kreativ angehen. Zum richtigen Zeitpunkt zuschlagen, Über-Ich-Zwänge nutzen und den Menschen innovativ das Geld aus der Tasche ziehen. Da kann man etwas lernen …

Aber ist das unsere Zukunft?

Da denke ich dann ein bisschen wehmütig an meine Kindheit zurück. Da hat man Silvester noch mit „y“ geschrieben und das Feuerwerk bestand aus einer Packung Wunderkerzen.

Die Kerzen am Christbaum wurden an Sylvester angezündet und das elektrische Licht ausgeschaltet. Dann wurden Wunderkerzen gezündet. Wir Kinder waren glücklich, wenn wir das Funken sprühende Stäbchen in der Hand halten durften.

Ab und zu gab es Löcher im Tischtuch. Da war die Mutter böse. Wenn einem von uns ein Funke ins Auge sprang wurde sie sorgenvoll. Das war aber nicht so schlimm, Hornhaut heilt ja schnell.

Wir wir dann Lausbuben wurden (oft frage ich mich, ob wir das wirklich jemals waren) waren die Knallkörper wichtige Instrumente für vormännliche Mutproben. Den berühmten Kuba-Knaller (ein Würfel der aussah wie ein mit Schnüren umwickelter Ballen) wurde auf der flachen Hand gezündet.

Allerdings nicht ohne diese mit ein paar Schichten von Handschuhen zu schützen. Und wenn der gute Handschuh ein Loch hatte, war die Mutter auch wieder böse. Und wir waren froh, dass die Hand heil geblieben war.

Wie wir selber erwachsen wurden und kleine Kinder hatten, haben wir wieder an Silvester Feuerwerk gemacht.

Das war damals nicht so einfach wie heute. Die teuren Raketen mussten in Flaschen gesteckt werden. Wenn das Anzünden misslang, unternahm ich abenteuerliche Rettungsversuche für die defekte Rakete. Misslang die Rettung gab es enttäuschte Kinderaugen.

Die Finger waren klamm an Silvester, das Feuerwerk wurde insgeheim verflucht. Machte aber nichts, Hauptsache die Kinder hatten ihre Freude. Das war schön.

Heute ist das viel einfacher geworden. Mit „Manchester“ muss der Silvester-Held nur noch ein mal anzünden. Und dann geht es ab. Er muss nur noch den Bierbauch aus der Schusslinie bringen.

Da ist doch etwas aus dem Ruder gelaufen. Feuerwerk an sich ist ja schön. Aber brauchen wir diese individuellen Massenorgien zum neuen Jahr wirklich. Als Zeichen, dass wir eine Weltstadt sind? Muss diese gigantische Umweltverschmutzung sein? Macht das Zündeln tatsächlich so viel Spaß oder gibt es nur ein noch einen Mitmachzwang? Könnte man nicht gemeinsam ein schönes Feuerwerk veranstalten, es genießen und damit zufrieden sein?

Da gab es doch auch mal so etwas wie „Brot an Stelle von Böllern“. Aber im Zeitalter des Biosprits spielt das keine Rolle mehr. Wie heißt es so zynisch:

„E10 – Essen auf Rädern“

Trotz dieser kritischen Anmerkungen und mancher Zukunftssorgen schaue ich voller Optimismus in die Zukunft, das meine ich ganz ernst und ehrlich!

Ich wünsche Euch allen ein gelingendes und gesundes neues Jahr 2012! Mit viel gegenseitigen Respekt, Würde und Liebe!

RMD

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