Roland Dürre
Dienstag, der 23. Februar 2010

Ein Hoch auf die Preisbindung

Sale, sale sale!

So leuchtet es mir überall entgegen. Ich fühle mich betrogen. Nicht nur, wenn ich etwas zum normalen Preis einkaufe.

Besonders im Internet gibt es alles ganz billig. Viel billiger als im Kaufhaus oder Fachgeschäft. Und immer findet man einen Händler, der noch ein wenig billiger ist. Wenn man gekauft hat, gibt es eine Woche später das selbe Gerät irgendwo noch günstiger.

Die ganz neuen Modelle darf man sowieso nicht kaufen. Schon nach vier Wochen kosten sie nur noch die Hälfte.

Auch in Twitter gibt es Rabattgutscheine für Drucker, Laptops und Rechner. Man bekommt einen Code, dann kann man ein bestimmtes Gerät um 100 oder mehr USD günstiger kaufen. Das nennt man dann „Corporate Twitter“, die geschäftliche Nutzung von Twitter. So versuchen die großen Konzerne ihre Ladenhüter los zu werden und die Quartalszahlen zu erfüllen.

Früher gab es Listenpreise mit fairer Marge. Und eine Preisbindung.

Bis eines Tages der Versandhandel z.B. bei den Modelleisenbahnen die ansonsten stabilen Preise wesentlich (um die 20 %) unterbot. Die Ware war klar spezifiziert (z.B. im Märklin Katalog), der Kunde wusste genau was er wollte.

Der Versandladen erzielte trotz des Rabatts und entsprechend niedriger Marge einen höheren Profit. Das Spielwarengeschäft in der Innenstadt konnte da nicht mithalten. Die schönen Schaufenster zum Träumen und die freundlichen und kompetenten Verkäufern verursachten viel höhere Kosten als der Versandschuppen mit der Kleinanzeige im Modelleisenbahner-Magazin hatte.

Wenn dann der Hersteller den Versandhandel nicht mehr beliefern wollte, dann wurde er aus wettbewerbsrechtlichen Gründen verklagt. Und später wurde die Preisbindung ganz abgeschafft.

Es kam der empfohlene Verkaufs(mond-)preis. Und heute sitzen wir im Dilemma und wissen nie, ob wir bei unserem Schnäppchenkauf vielleicht doch übers Ohr gehauen worden sind.

Und in den Innenstädten verschwinden die Fachgeschäfte und die Kaufhäuser machen pleite. Da lobe ich mir doch die gute alte Preisbindung. Zumindest meine ich, dass alles zwei Seiten hat.

RMD

P.S.
Bei meinem Shopping vor dem Theaterbesuch am Samstag hat mir der sündteure Anzug von Regent um die 1.800,- EURO (aber mit 50 % Rabatt) nicht so ganz gepasst. Dann habe ich doch einen Anzug in der selben Größe von Dressler zu regulären 548,- Euro erstanden. Glück oder Pech?

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