Roland Dürre
Dienstag, der 5. Oktober 2010

Ein Mond für die Beladenen …

Es ist wieder Theaterzeit! So habe ich gestern meine private Theatersaison eröffnet. Und ging ins Residenztheater zu München.

Das Stück hieß
Ein Mond für die Beladenen
von Eugene O’Neill.

Ich hatte mich so richtig gefreut. Umso größer die Enttäuschung.

🙂 Das ist ja ganz normal bei einer überhöhten Erwartungshaltung.

Das Theater war nur zu zweidrittel gefüllt. Da kam schon ein wenig Sorge auf. Gab es eigentlich früher im Residenz nie.

Und in der Tat war es ein Stück mit Längen.

Zuerst gab es für gut eineinhalb Stunden schwerfälliges Bauerntheater im „elaborated code“. Die Figuren und die Sprache waren alles andere als authentisch, der Humor gekünstelt, gestützt mit viel albernen Klamauk. Nachdem die komplizierte Ausgangsposition schwerfällig erklärt war, waren sie nach fast zwei Stunden da: ein paar schöne Momente. Hier wurde die Chance für ein gelungenes Ende zweimal verpasst und in einer trägen halben Stunde quasi im Nachspann der Sinn des Stückes erklärt.

Nervig war auch der Einsatz des „Audio“-Mediums. Die beim Wechsel zwischen den Szenen eingesetzten country/blues-Lieder mochten noch Sinn machen. Wenn aber ein zentraler Monolog – wie ein Mord in einem schlechten Tatort – im Hintergrund vertont wird, dann wundere ich mich schon. Das macht es weder dem Schauspieler noch dem Zuschauer einfacher, und dass so ein etwaiger „emotionaler Mehrwert“ geschaffen wird, bezweifle ich sehr.

Selbst die absolut bravouröse Leistung aller Schauspieler konnte die langweilige Kompliziertheit des Stückes nicht wettmachen, genauso wie die abstrakt-einfache Bühne mit schönen Bildern.

Die Vorstellungsdauer war im Programmheft angekündigt mit zweieinviertel Stunden – keine Pause. Gedauert hat es dann zweieinhalb. Solche Ungenauigkeiten verstehe ich nicht. Sie ärgern mich, erschweren sie doch die Planung, z.B. wenn man mit einem bestimmten Zug heimfahren will.

Das „ohne Pause“ verstehe ich jetzt. Zwar hätte eine Pause dem Stück nicht geschadet. Wenn man aber bei so einem Stück eine Pause macht, dann ist die Gefahr groß, dass viele Zuschauer zur zweiten Hälfte des Stückes nicht mehr antreten. Und das will man doch nicht.

Also Vorsicht:
Wenn das Resi halb leer ist und das Stück mehr als zwei Stunden ohne Pause dauert, dann besser umkehren!

RMD

P.S.
Am nächsten Dienstag versuche ich es im Metropol mit THE BLACK RIDER. Und dann werde ich mich auch wieder ein wenig mehr auf die Kammerspiele stürzen. Hier hört man ja wieder Gutes.

P.S.1
Das Bild wurde aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden. Es ist ein Photo aus dem Jahre 2003, aufgenommen von Andreas Praefcke.

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