Roland Dürre
Mittwoch, der 3. Oktober 2012

Noch frische Nachrichten, die mir haften geblieben sind …

Trotz Informationsüberflutung aus den Medien (Papier und Internet), über Social Media (Twitter, Facebook, Google+) und Rundfunk und Fernsehen sind mir ein paar „News“ der letzten Tage im Gedächtnis geblieben. Obwohl die auch wichtiger sind als die News, die ich wieder vergessen habe. Aber irgendwie haben sie bei mir etwas angekratzt. Deswegen gebe ich meinen Senf dazu …

Unsere Kanzlerin und Gorleben
(Zeit und SZ)

Da gab es mal wieder einen Untersuchungsausschuss. Der hat sogar unsere Kanzlerin befragt. Weil sie damals die verantwortliche Ministerin war. Zu der katastrophalen Situation in Gorleben. Die nur noch nicht so richtig wahrgenommen wird. Natürlich kam dabei nicht viel heraus.

Denn keiner konnte damals wissen, dass das nicht gut gehen würde. Obwohl es allen Menschen mit ein wenig Ahnung von Naturwissenschaft und halbwegs gesundem Menschenverstand klar war und ist, dass die Kombination Atommüll und Salzstock nicht funktioniert. Jetzt haben wir die Bescherung. Eine Rückholung des Abfalls ist unbezahlbar und wahrscheinlich gar nicht mehr machbar. Irgend wann gibt es dann halt den radioaktiven Alarm und das Trinkwasser der Region ist futsch.

Unsere Kanzlerin hat allerdings einen situativen Verlust ihrer Perfektion eingeräumt (oder so ähnlich). Anstelle einfach zuzugeben, dass sie da als Umweltministerin was falsch gemacht hat. Was ja jedem mal passieren kann.

Klage gegen Kirchensteuer
(Spiegel)

Habe mich gewundert, dass so ein absurdes Justiztheater überhaupt eine Nachricht wert ist. Da kommt ein Oberschlauer auf die Idee, er müsse keinen Vereinsbeitritt bezahlen, weil besagter Verein so eine Art Allgemeingut wäre. Weil es die Kirche Jesus Christus wäre. Ein komischer Gedanke. So wie wenn ich in einer Kleinstadt beim einzigen Schachverein im Klubturnier mitspielen will, ohne Mitglied zu werden. Weil Schach ja allgemeines Gut ist.

Auf eine solche Idee kann wirklich nur einer kommen, der gleichzeitig Jurist und Christ ist. Dabei verlangt die Kirche ja gar keinen Eintritt zu ihren Veranstaltungen wie den Gottesdiensten.

Da fällt mir ein, dass es da vielleicht (be-)klagenswürdigers gäbe. Z.B. dass immer noch viele Funktionäre und Würdenträger der Kirche vom Staat bezahlt werden, dass die Kirchen besondere Befreiungen von allgemeinen Steuern genießen, dass es immer noch Wiedergutmachung für Enteignungen der Kirche durch den Staat gibt, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahrtausend stattgefunden haben und manches mehr dieser Art. Aber das interessiert anscheinend niemanden.

Beleidigte Religionsgemeinschaften
(Welt und 20min)

Zu diesem Thema gab es viele Nachrichten. Vom absurden Zahlenstreit (über die Folgen von Beschneidungen) bis zu unlogischen Gesetzesvorschlägen. Religionsgemeinschaften scheinen ihre Extrawürste zu brauchen und sollen diese bekommen. Die einen, um die Verstümmelung von Säuglingen zu legalisieren. Andere, damit ihre „Gefühle“ geschützt werden. Und unsere Kanzlerin erwägt ein nicht besonders beeindruckendes Video zu verbieten, weil es die öffentliche Sicherheit gefährden könnte.

Schlechte Luft im Airbus 380
(dw)

So was kommt dann auch groß in die Medien. Warum eigentlich? Die Lufthansa kämpft nicht nur gegen Teile ihrer Belegschaft (und UFO) sondern auch gegen schlechte Luft. Dabei ist es doch nur logisch, dass es in einem so großen Flugzeug stinkt. So eine 380 ist halt ein neues und kompliziertes System, das noch nicht so ganz ausgereift ist und so seine Schwächen hat (haben muss). Da kann man sich Schlimmeres als schlechte Luft vorstellen. Klingt nach einem Fehler, der jedoch zu finden und beheben sein sollte.

Stresstest bei den europäischen Kernkraftwerken
(Focus)
Der „Stresstest“ für Kernkraftwerke (man beachte die martialische Wortwahl) ist abgeschlossen. Der Bericht liegt vor und deckt skandalöse Sicherheitsrisiken bei mehr oder weniger allen europäischen Kernkraftwerken auf. Der AKW-Stresstest erzählt aber nur die halbe Wahrheit, wichtige Kriterien sind vergessen worden.
Ist aber eh egal. Denn um nur die gefundenen Mängel zu beheben müsste laut  Bericht die (wieder mal) unvorstellbare Zahl von 10 und 25 Milliarden Euro investiert werden. Das Geld ist aber gar nicht da, bzw. niemand ist bereit, es für die Sicherheit auszugeben. Und die EU kann auch in so einem wichtigen Punkt nichts durchsetzen. Also wird da nichts passieren. Sichere Atomkraft gibt es halt nicht. Punkt und aus. Man kann nur hoffen, dass nichts passiert. Das haben die Japaner ja auch so gemacht. Und Pech gehabt.

Dafür macht die EU halt weiter lustig ein paar neue Vorschriften und Gesetze. An denen sich aber kein vernünftiger Europäer hält. Und spaltet Europa so nebenher durch aufgezwungene Spaßnahmen, damit Banken mit Beträgen „gerettet“ werden, neben denen besagte 10 – 25 Milliarden lächerlich sind.

Die Banken brauchen auch wieder mehr Geld und der Rettungsschirm wird größer.
(SZ)

Natürlich reicht das Geld für die Banken in Spanien nicht aus und das stolze Land muss früher oder später unter diesen komischen Rettungsschirm.

NSU und der Verfassungsschutz
(Handelsblatt)

Was ich hierzu immer wieder höre und lese, macht mich sprachlos. „Staatsdiener“ und Politiker lügen, dass sich die Balken biegen. Es ist fast zu vermuten, dass V-Männer im Staatsdienst nicht nur Täter sondern sogar Anstifter waren. Wo die Drahtzieher wirklich sitzen, scheint man gar nicht zu wissen wollen.

Dafür wird die Telekommunikation der Bürger mitgeschnitten und die Vorratsdatenhaltung schreitet klammheimlich voran.

IRAN sperrt Gmail
(ARD)

Da muss ich wieder an den Datenschutz denken. Und frage mich, wo vor ich mehr Angst habe. Wenn Unternehmen, meine Daten nutzen, um mir etwas verkaufen zu wollen (hihi) oder wenn der Staat mir meine Kommunikationsmittel weg nimmt? Oder – noch schlimmer – mich beliebig ausspionieren darf. Weil die Administration im Lande genau das darf, wovor man sich bei Facebook&Co schützen will.

So fürchten wir den Datenmissbrauch „in der Cloud“ wie der Teufel das Weihwasser. Und treiben den Teufel mit dem Belzebub aus, denn vor dem Staat und seinen Staatsschutzorganisationen gibt es halt keinen Datenschutz. Allein schon wegen den vielen Terroristen. Aber vielleicht war die kurzfristige Sperrung von Gmail durch den Iran ja auch nur eine Maßnahme im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus.

BND-Gebäude wird um 100 Millionen teurer
(Welt)

Auch das ist nichts Erwähnenswertes. Außer, dass das größte Gebäude, das der Bund jemals in Auftrag gab, für den BND ist. Dass es die (noch) größte Fehlkalkulation ist, wundert dagegen nicht. Große Projekte werden halt immer viel teurer als geplant. Gilt für Philharmonien (Hamburg), Flughäfen (Berlin-Brandenburg), Bahnhöfe (S21) und halt auch für Gebäude, mit denen „Bundesnachrichten gedienstet“ und die Verfassung geschützt werden soll.

Hat im Allgemeinen wohl zwei Ursachen. Zum einen die Kosten bei der Planung bewusst niedrig gehalten und geschönt werden, um die Projekte politisch durchsetzen zu können. Zum anderen, weil man zwar weiß, dass die Anzahl der Fehler nicht linear zum Grad der Komplexität steigt. Das kann man wahrscheinlich sogar rechnen. Nur weiß halt keiner vorher, welche Fehler passieren und wie viel diese kosten werden.

Und zum Schluss ist noch mal unsere Kanzlerin dran – diesmal mit einem Plädoyer fürs e-Auto.
(Bild)

Das ist besonders lustig. Bis 2020 soll es bei uns eine Million Batterieautos geben. Das werden dann zwar eher Pedelecs sein. Aber keine Autos im heutigen Sinne.

Da stehen physikalische Gesetze (Energiedichte etc.) im Wege. Will man mit e-Mobilen gegen Fahrzeuge, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe angetrieben  werden, konkurrieren, dann müsste man zuerst mal den Individualverkehr geeignet für E-Mobilität machen.

Leichte und langsame E-Mobilität kann nur hoffähig werden, wenn man den Verkehr anpasst. Ihn sanfter macht und entschleunigt. So wäre die beste Förderung von e-Mobilität ein klares Tempolimit, wie z.B. in den Städten 30 km/h, auch dem Land vielleicht 50 km/h und auf den Autobahnen 90 km/h. Da würde aber der Götze Auto de-emotionalisiert. Aber das ist ja für die meisten deutschen Michel und ihre Chefin Merkel unvorstellbar …

Wirtschaft und Sport

Den Wirtschaftsteil kann ich mir besonders gut merken. Da ist die Geschichte ganz einfach: Geld gibt es im Überfluss, die Banken ersaufen fast schon darin. Die Benzinpreise steigen (finde ich gut), Immobilien werden teurer (kann ich nicht bewerten) und die Aktien bewegen sich nach oben (ist mir egal). Inflation haben wir zwar offiziell so gut wie keine, nur die Preise wissen das nicht und alles wird laufend teurer.

Und noch was aus der Wirtschaft (FTD): dpad und Neckermann (nach Quelle) sind jetzt auch endgültig insolvent. dpad war ehemals DPA, die neben API wohl renommierteste Presseagentur der Welt. Irgendwann mal hat sie mit dem „deutschen Depeschendienst“ fusioniert.

Alles Insolvenzen, die nach meiner Bewertung mehr oder weniger zwangsläufig waren. Und für die es natürlich auch keinen Rettungsschirm gab, im Gegensatz zu den Finanzinstituten, die sich mehrheitlich doch auch überlebt haben.

In Europa geht es überall abwärts, nur in Deutschland aufwärts. Das kann nicht gut sein und macht mich misstrauisch.

Und beim Sport ist es noch einfacher: Der FC Bayern gewinnt immer. Nur nicht in Weißrussland.

Jetzt ist der Artikel, den ich zu unserem Jubeltag schreiben wollte, viel länger geworden als beabsichtigt. Dabei wollte ich nur darauf hinweisen, dass nicht alles Gold ist, was im gelobten Schwarz-Rot-Goldenem Land so glänzt. Nationalrausch hilft uns nicht weiter. Wir müssen uns hinsetzen und unsere Hausaufgaben für ein in Freiheit einiges Europa machen. So würde ich den 3. Oktober als Feiertag ganz schnell abschaffen und dafür einen gemeinsamen europäischen Feiertag gründen. Und jetzt radele ich in die Waldwirtschaft und feier den 3. Oktober bei Jazz-Musik bei einem Maß Wiesn-Bier. Und heute Abend geht es dann „ganz echt“ chinesisch Essen. 

RMD

1 Kommentar zu “Noch frische Nachrichten, die mir haften geblieben sind …”

  1. Roland Spengler (Mittwoch, der 10. Oktober 2012)

    Also diesen juristischen Streit um die Kirchensteuer verstehe ich schon:

    Nur in Deutschland muss ein Katholik Kirchensteuer zahlen in allen anderen Landeskirchen weltweit nicht. Dort spenden die Gemeindemitglieder freiwillig nach dem Gottesdienst. Er wollte keine Kirchensteuer zahlen, aber trotzdem in die Kirche gehen und die Sakramente empfangen. Warum soll das ein falsches Ansinnen sein. Selbst der Vatikan war ja auf seiner Seite, das ist ja das Pikante.

    Das Urteil wirft für mich folgende Frage auf. Wenn die deutsche Kirche darauf besteht, dass nur wer Kirchensteuer zahlt (weltlich über das Finanzamt), dem katholischen Glauben angehören darf, dann erwarte ich auch von ihr, dass die standesamtliche Hochzeit zweier Kirchensteuerzahler automatisch von der Kirche vollumfänglich als auch kirchliche Trauung anerkannt wird.
    Das ist wieder mal so ein Fall wo die Kirche zwar A sagt, aber nicht B sagen will …

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