Roland Dürre
Donnerstag, der 24. März 2016

Unternehmertagebuch #115 – Ein persönliches Interview.

Vor kurzem wurde ich im Vorfeld einer Veranstaltung um ein schriftliches Interview gebeten. Hier meine Antworten (kursiv):

Beim IF-Forum "Jean Paul" (2013)

Beim IF-Forum „Jean Paul“ (2013)

Uns interessiert, wer Sie sind und womit Sie sich im Spannungsfeld Führung und Zusammenarbeit beschäftigen?
Ich sehe mich als Unternehmer, Aktivist, Impulsgeber und inspirierenden Berater.

Wichtig ist uns vor allem Ihre Motivation. Woher nehmen Sie Ihre Energie für Ihre Tätigkeit?
Aus der täglichen Begegnung und dem Zusammenwirken mit vielen anderen Menschen.

An welchen Projekten/Initiativen arbeiten Sie?
Ich betreue und unterstütze Unternehmen (auch die, an denen ich selber beteiligt bin), helfe Startups und Mentées, bin in (fast) allem involviert, was mit „Digitaler Transformation“ – früher auch als Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) bezeichnet – zu tun hat und versuche gesellschaftliche Themen wie „Aktive Mobilität im Alltag“ (als Zukunft von Mobilität) und „Frieden“ (als mein Lebensziel) voranzubringen.

Worüber möchten Sie diskutieren und sich austauschen?
Wie man Unternehmen erfolgreicher und Menschen glücklicher machen kann.

Worüber könnten Sie aus eigner Praxis berichten?
🙂 Über vieles.

Ihr Statement zu Führung und Zusammenarbeit ist:
Führen heißt Unternehmen, Unternehmen heißt Inspirieren, Impulse geben und bewirken dass jeder im Team mitmachen kann und auch tatsächlich mit macht. Dabei sind Mut und Freude am Tun die Garanten für den Erfolg.

Führung und Zusammenarbeit sollten Ihrer Überzeugung nach heutzutage bestimmt sein von …
… Demut vor der Aufgabe und Respekt vor den Menschen.

Bitte greifen Sie eine persönliche Geschichte oder ein Beispiel aus Ihrer Praxis auf.
Eine der (für mich) schönsten Geschichten meines beruflichen Lebens ist die Gründung der InterFace Connection GmbH mit der Entwicklung des Produkts Hit/Clou.

Worin liegt für Sie die Zukunft der Arbeit?
Weg vom Gegeneinander und hin zum Miteinander.

Was ist Ihre Traum/Vision im Hinblick auf innovative Arbeitsmodelle?
Vernetzung und Partizipation an Stelle von Hierarchie.

Was braucht es?
Wichtig ist, dass im Unternehmen agil, offen (transparent) und lean gedacht und gehandelt werden kann.

Was gibt es schon und begeistert Sie?
Gerade in „jungen“ und mittelständischen Unternehmen trifft man den „Dialog auf Augenhöhe“ immer häufiger an. Auch bei großen Unternehmen entstehen immer wieder (erfolgreiche) Biotope, die genauso leben.

Die besondere Herausforderung eines „Dialogs auf Augenhöhe“ für ein Unternehmen ist, dass …
… die Fähigkeit zum Zuhören und die Bereitschaft, das Anderssein anderer anzunehmen, selbstverständlicher Teil der  Unternehmenskultur ist.

Die Vorstellung, ich würde in einem Unternehmen arbeiten, in dem die Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelebt wird, löst bei mir aus …
… das Gefühl gemeinsamer Verantwortung, Vertrauen in die Zukunft, Spaß an der Arbeit. Ich bin sehr froh, dass ich dies in meinem beruflichen Leben überwiegend erleben durfte.

Bitte definieren Sie: Was ist Dialog?
Zuhören ist mehr als Reden.

Was ist Augenhöhe?
Gegenseitige Achtung und gelebter Respekt.

Welche Herausforderungen müssen im Großkonzern gemeistert werden?
Dass alle Mitarbeiter sich mit dem System, dem sie angehören, „gesund“ identifizieren und an den Entscheidungen „sinnvoll“ partizipieren können. Dies freiwillig und ohne Indoktrination und Manipulation durch zentrale Stellen.

Welche Fragen stellen sich Ihnen in diesem Zusammenhang?
Ob dies ab einer gewissen Größe überhaupt möglich ist? Und ob Mega-Konzerne überhaupt dazu in der Lage sind? Ob Wachstums wirklich die absolute Vorgabe sein darf? Aber auch, ob Unternehmen ohne Wachstum überhaupt erfolgreich sein können? Vielleicht ist der Spagat, dass Wachstum einerseits notwendig ist, andererseits aber vielleicht schadet, nachhaltig gar nicht bewältigbar!

Haben Sie schon Antworten darauf gefunden oder suchen Sie noch?
Ab und zu denke ich mir, dass Unternehmen eine gewisse Obergrenze an Menschen haben sollten. Und beim Erreichen dieser Grenze sich sinnvoll in kleinere aufteilen sollten.

Welche erfolgreichen Konzepte für die Zukunft verfolgen Sie?
Wahrscheinlich sollte man Unternehmen mehr als „lebendige Organismen“ mit ganz individuellen Werten und eigener Kultur betrachten denn als „maschinenähnliche“ Systeme, die man quasi durch „Hebel umlegen“ steuern kann.

Welchen Ideen/Methoden sind Sie auf der Spur?
Da könnte ich mir folgendes vorstellen:

  • Allgemein: Auch (mega-)große Aufgaben und Projekte durch Netzwerke von kleinen Systemen zu stemmen. 
  • In den Organisationen weniger und vor allem kürzere Besprechungen.
  • Viel peer2peer-Arbeit (die Wahrheit beginnt zu zweit!).
  • Unkonferenzen bringen mehr als zum Beispiel strategische Kick-Off-Meetings oder Tagungen.
  • Barcamps und OpenSpace sind starke reguläre Formate zum Teilen von Wissen/Erfahrung und Erkenntnis-Gewinn.
  • Stärkerer Einsatz von haptischen (serious play) und Visualisierungstechniken (ein Bild sagt mehr als Tausend Worte).
  • und manches mehr …

Ich gehe zufrieden aus dem barcamp, wenn …
… alle Teilnehmer zufrieden nach hause fahren, weil durch vertrauensvolles Teilen von Wissen und Erfahrung eine neue Gemeinsamkeit und Erkenntnisgewinn entstanden ist.

Was ist das Besondere am barcamp?
Im Gegensatz zur klassischen Konferenz ist ein Barcamp selbstorganisiert und hierarchie-frei. Es gibt keine vorgefertigten Vorträge, alle Teilnehmer sind für die Themen verantwortlich, Aktualität und hoher Dynamik können so entstehen.

Warum haben Sie sich angemeldet?
Weil ich so nett eingeladen wurde.

Sind Sie das erste Mal bei einem barcamp dabei oder ein Wiederkehrer?
Ich habe Unkonferenzen wie barcamps schon vor langer Zeit erlebt und dann selber barcamp-Bewegungen gegründet (zum Beispiel PM-Camp für Unternehmertum und Projekt Management oder AktMobCmp für „Aktive Mobilität im Alltag“. Aber auch bei der InterFace AG haben wir immer wieder gemeinsam mit allen Kollegen Barcamps und OpenSpace durchgeführt. Und waren da immer recht erfolgreich, fürs Unternehmen und die Mitarbeiter.

Was gefällt Ihnen an barcamps (allgemein)?
Die demokratische Basis und die in der Regel sich schnell entwickelnde große Offen- und Vertrautheit zwischen allen Teilnehmern.

Welche Themen beschäftigen Sie?
Unternehmertum, Führung, Projekt Management, Zukunft der Mobilität, Frieden.

Bei so schönen Fragen macht das Antworten richtig Spaß!

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

1 Kommentar zu “Unternehmertagebuch #115 – Ein persönliches Interview.”

  1. Robotron Sömmerda (Donnerstag, der 24. März 2016)

    „Vielleicht ist der Spagat, dass Wachstum einerseits notwendig ist, andererseits aber vielleicht schadet, nachhaltig gar nicht bewältigbar!“
    Oha, die Systemfrage;o) (die bereits beantwortet ist, nur will „niemand“ die Antwort hören…).
    „Weg vom Gegeneinander und hin zum Miteinander.“
    100%!, heißt aber auch, weg vom Privateigentum (an den gesellschaftlichen Produktionsmitteln)

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