Roland Dürre
Donnerstag, der 20. Juli 2017

Ein Tag mit der Liebe …

Genau vor einem Monat bin ich 67 Jahre alt geworden. Ich hab nur wenig Geschenke bekommen, weil meine Freunde akzeptieren, dass ich schon alles besitze und nichts mehr brauche. Und für sinnlose Gimmicks so gar nichts übrig hab. Dafür bin ich ihnen dankbar.

🙂 Glücklicherweise macht der eine oder andere dann doch mal eine Ausnahme und bricht diese Regel. Auch diesen Menschen bin ich sehr dankbar. So hat mir der Paul das Buch geschenkt:

Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi 

Das war gut, denn oft habe ich den Eindruck, dass ich in diese Welt hinein mit vielen Augen geboren wurde. Mit diesen Augen habe ich so vieles gesehen und erlebt.

Leider schlossen sich im Laufe meines Lebens immer mehr meiner Augen, sei es bedingt durch meine Sozialisierung im Elternhaus, in der Schule oder warum auch immer.

Seitdem ich älter werde, habe ich den Eindruck, dass das Leben einen Teil meiner Augen wieder geöffnet hat, ein Prozess, den man vielleicht auch „Lernen“ nennen könnte. Und so glaube ich, dass „Lernen“ ein wenig auch als Synonym für „Leben“ steht.

Um es kurz zu machen, ich habe besagtes Buch erst zur Hälfte gelesen und nehme wahr, dass die Lektüre mir wieder „eine ganze Reihe meiner verschlossenen Augen geöffnet hat“. Und mich so wieder ein wenig glücklicher gemacht hat.

Der Inhalt des Buches ist ganz banal und hat es aber so richtig in sich.

So machen sich an einem wunderschönen Sommertag „LIEBE“ und „VERLIEBTHEIT“ zu einem Spaziergang auf. „Verliebtheit“ möchte von „LIEBE“ lernen und „LIEBE“ – die früher auch mal „VERLIEBTHEIT“ war, teilt ihr Wissen gerne mit „Verliebtheit“.

Auf ihrer Wanderung durch den wunderschönen Sommer führen die beiden einen Dialog, in dem es um Liebe geht. Die erfahrene „LIEBE“ unterstützt „VERLIEBTHEIT“ auf ihrer Suche danach.

Dieser Dialog wird zu einer einzigen wunderschönen und großen Metapher, die mir geholfen hat, ein wenig ruhiger und glücklicher zu leben.

🙂 Fast hätte ich geschrieben, ein wenig mehr zur Liebe zu finden. Dieser Anspruch ist mir aber zu mächtig und ich weiß noch nicht, ob ich schon so weit bin (oder jemals so weit sein werde).

Der Dialog zwischen „LIEBE“ und „VERLIEBTHEIT“ ist nur so gespickt von kleinen aber wunderbaren Erkenntnissen. So entschuldigt „Verliebtheit“ eine ihrer Schwächen damit, dass sie „nicht ihr Gesicht verlieren will“.

Die Antwort von „LIEBE““ – jetzt in meinen Worten – jedoch ist, dass man „das Gesicht nicht verlieren kann, sondern nur die Maske, die es maskiert“. In der Tat habe ich viele Masken, und bin immer wieder froh, wenn es mir gelingt eine davon „zu verlieren.

Das ist aber nur ein Beispiel von sehr vielen schönen Erkenntnissen, die Teil der Metapher sind.

Auffällig und besonders schön ist für mich die besondere Qualität des Dialogs zwischen „VERLIEBTHEIT“ und „LIEBE“. Es ist ein Musterbeispiel für eine friedvolle Kommunikation. Selten habe ich so schön erlebt und verstanden, was gewaltfreie Kommunikation sein könnte.

Es hat mich berührt, wie „LIEBE“ immer wieder versucht, ihre Erfahrung und ihr Wissen in nicht „belehrender“ Form an „Verliebtheit“ weiter zu geben. Ohne jede Form von Überheblichkeit oder Anmaßung. Wie es „LIEBE“ gelingt, auf „VERLIEBTHEIT“ einzugehen. Und absolut vermeidet, mit ihrer Überlegenheit „VERLIEBTHEIT“ zu verletzen und so kleiner zu machen.

Und genauso schön ist es, wie „VERLIEBTHEIT“ darauf eingeht, wohlüberlegt antwortet und kluge Fragen stellt. Und „LIEBE“ präzise auf diese Fragen eingeht.

Selten habe ich so –  ohne jede theoretische Belehrung – verstanden, was Achtsamkeit in der Kommunikation bedeutet.

Jetzt werde ich es dem Paul nach machen und dieses Buch auch ein paar Menschen schenken.

RMD

P.S.
Schade finde ich nur, dass ich den Autor – Moshen Charifi – nie kennen lernen durfte. Aber wer weiß, vielleicht passiert das auch noch einmal!

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