Roland Dürre
Sonntag, der 7. Februar 2010

„Ein Theaterabend“ oder „Vorsicht: Sicherheitskonferenz“

3766-3Gestern Abend war ich im Theater. Die Unbeständigkeit der Liebe von Pierre Carlet de Marivaux lief im Cuvilliés Theater. Eine wunderbare Liebesgeschichte von Arlequin, der Silvia liebt und Silvia, die Arlequin liebt. Mit einem ganz verblüffenden Ende. Ja, die Liebe kann wirklich sehr unbeständig sein.

Ich hatte einen ausgezeichneten Platz und saß in der ersten Reihe des wunderschönen alten Residenztheaters aus dem Rokoko. Das Stück war fantastisch, die Zuhörer gut drauf, es gab viel Beifall.

Nur das Hinkommen war diesmal so richtig schwer. Denn in München war die 46. Münchner Sicherheitskonferenz.

Und dummerweise war ich vor dem Theater noch ein wenig am Marienplatz einkaufen. Man will die Regierung ja beim Wachstumsförderungsgesetz unterstützen.

Das war ein Fehler.

Obwohl ich mit S-Bahn und so zu Fuß unterwegs war. Zuerst kam man gar nicht zur Residenz. Das Überqueren der Perusastr. war für längere Zeit strengstens untersagt.

3773-3Zwar überquerten empörte Bürger immer wieder die von der Polizei abgesperrte Furt. Das habe ich mich aber nicht gleich getraut. Wie wir dann nach 15 Minuten des Wartens die Polizeisperren doch an einer nicht ganz dichten Stelle durchbrechen konnten, war der Eingang zur Residenz geschlossen. Wir mussten ganz außen herum, durch den Hofgarten bis zum Marstallplatz und dann wieder von hinten zurück zum alten Residenztheater.

Beim Abbiegen vom Hofgarten in den Marstallplatz gab es neue Schwierigkeiten. Die Polizei wollte die Theaterbesucher nicht durchlassen.

Da wurden dann ein paar Damen in schicken Pelzen und Herren in Mänteln aus feinem Stoff tatsächlich so richtig emotional. Sogar herbe Schimpfworte fielen. Dabei kann doch die Polizei gar nichts dafür.

Wie es schon fast ein wenig ernst wurde (ich erinnerte mich schon an die Filme vor Weihnachten über den Fall der Mauer), ließ  ein älterer Polizeioffizier endlich die Absperrung öffnen und die Menschen durften durch – natürlich nur gegen Vorzeigen der Theaterkarten (es gab allerdings keinen Stempel).

3782-3Interessant waren die Kommentare anlässlich der Schikanen. Plötzlich waren ergraute und nicht sehr revolutionär aussehende Menschen so richtig gegen die Konferenz, gegen die Regierung und gegen die aktuelle Politik.

Ich war richtig überrascht, über welch revolutionäres Potential die deutschen Theaterbesucher verfügen.

Letztendlich kam ich gerade noch zur Vorführung, zwar mit nassen Füßen, aber wegen dem Erlebten gut gelaunt. Auch der Theaterabend hat sich gelohnt, es war eine absolut tolle Aufführung. Nicht nur vor Lachen kamen mir die Tränen.

Und wieder zu Hause (die S-Bahn hatte erstaunlich wenig Verspätung) habe ich dann gleich mal in der SZ nachgelesen, was denn auf der Konferenz so los war. Und gefunden, dass dort Senator Liebermann (wohl kein lieber Mann) sicherheitshalber dem Teheraner Regime mit einem Militärschlag gedroht hat.

Lustige Zeiten erwarten uns. Und ich finde spannend, was in München so alles stattfindet.

RMD

3771-3P.S.
Besonders gut haben mir der Prinz und die Flaminia gefallen. Die beiden sind auf dem Bild links (Flaminia) und eins drüber (Prinz).

Aber das soll auf keinen Fall die Leistung der anderen Schauspieler schmälern, im Gegenteil, es war ein wunderbares Team.

Die Bilder sind übrigens von der Web-Site des Bayerischen Staatsschauspiel.

Das Copyright liegt bei Thomas Dashuber und auf der Seite steht: Foto für Pressezwecke kostenlos downloadbar!

Jetzt gehe ich mal davon aus, dass so ein Blog etwas zumindest „presseähnliches“ ist.

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