Jetzt bin ich wieder zu Hause aus Dornbirn und im Wochenende angekommen. Es war eine starke Woche. Zuerst zwei Nächte in Nürnberg mit einem langen Tag auf der #DOAG2015 und dann Donnerstag bis Samstag ein ganz starkes PM-Camp in Dornbirn #PMCampDOR. Die beiden Hashtags verlinken übrigens auf die Tweets zu den beiden Veranstaltungen, es lohnt sich das anzusehen.

Auf der DOAG 2015 durfte ich ja letzten Mitwoch wieder einen Vortrag halten:

„Kreativer Raum – gesunder Raum!“

Hier das Bild vom Christian und meine Kurz-Skizze zum Vortrag.

"created by Christian Botta"

„created by Christian Botta“

Heute: Arbeitssituation in Unternehmen scheint oft unerfreulich, es gibt (viele) Mitarbeiter, die innerlich gekündigt haben, Gehalt wird nur noch als Schmerzensgeld empfunden. Aber zum „Love it, change it or leave ist“ reichen Mut und Kraft halt nicht mehr.

Sinnlose Besprechungen, Gefühl der Machtlosigkeit, Burnout sind das Ergebnis. Dagegen will man etwas tun, siehe auch BGM (Betriebsgesundheitsmanagement).

So ist Wandel ist allerorten, Konferenzen werden von Unkonferenzen abgelöst, ich gehe lieber auf Barcamps…

Und ich präsentiere hier die Geschichte meines Vortrages. Eine Kurzfassung musste eingereicht werden. Dann die Präsentationsunterlagen. Auch Folien sollte ich einreichen. Hatte aber kein. Weil ich immer frei spreche.

Der Christian Botta von VisualBraindump hat von meinem Vortrag ein Bildprotokoll gemacht. Danke!

Heute hätte ich den Vortrag vielleicht „Komplexität, Innovation und Burnout in Unternehmen“ benannt. Wäre ein schönerer Titel gewesen als der in den Unterlagen. Oder auch „Über das artgerechte Halten von Menschen“. Weil es im Prinzip um das selbe ging wie beim „key speaker“ Gunter Dueck.

Los ging es mit den Eindrücken für den Vortrag zu Anfang des Jahres. Da hat Dietmar Neugebauer (Präsident der DOAG) hat mich angefragt, ob ich im November wieder einen Vortrag halten auf seiner Konferenz halten würden. Das habe ich gerne gemacht. Dann kamen die Denkanstöße. Das eine war OpenInnovation bei der InterFace AG gemeinsam mit FAU Nürnberg, Lehrstuhl Prof. Möslein. Bei der Abschlussveranstaltung des Projektes ein Vortrag von Dora zu „kreativen Räumen. Anschließend konnte ich mir ein gutes Bild machen, wie Räume (und Organisationen) „aussehen“ müssen, die Innovation möglich machen – physisch wie virtuell. Sie haben wohl etwas mit Partizipation, Respekt, Augenhöhe, Kultur, Muster brechen, Freude und Glück zu tun.

Ein paar Wochen hatte ich ein Interview mit Dr. Marius Poersch. Marius ist als Psychologe leitender Arzt in einer Klinik, die auch  viele Burnout-Fälle versorgt. Er möchte nicht nur „Reparaturbetrieb“ sein, sondern erforscht auch, was Menschen und Organisationen machen können, damit burn-outs minimiert werden können. Nach seinem Vortrag konnte ich mir gut vorstellen, wie so ein „burnout-freier“ Raum aussehen müsste.

Verblüffend, aber eigentlich logisch ist das Ergebnis: Die Räume sind genau die selben. Der von Dora beschriebene „Raum“, der Innovation ermöglicht, ist genau derselbe wie der von Marius, der uns gesund erhält.

Was sind jetzt aber die Ursachen für den Frust, den wir erleben? Wir vermuten, es ist die Komplexität, die uns Angst macht und die in der Folge entstehende Bürocracy unserer Gesellschaft, die versucht eine fragwürdige Sicherheit zu geben?

Einschub:
Als Beispiel für eigenen Frust als Unternehmer (Weil bei Oracle und in Nürnberg) die Geschichte von DocuMaker und der Bundesagentur für Arbeit, Misserfolg durch unsinnige Regeln, der Oracle-Middleware-Produkt-Manager kennt das Produkt nicht, Vorhersage zu Oracles Zukunft nach Larry Ellision … Viel Frust, viel Verlust für alle. Gott sei dank für uns nicht Distress, weil der Gewinn Oystress gewesen wäre.

Annahme: Eine komplexe Welt im schnellen Wandel macht uns Schwierigkeiten. Dazu kommen die Prozesse, Regeln, Protokolle, Prozesse, die die Komplexität bewältigen sollen aber vor allem uns das Leben schwer machen.

Einschub:
Bericht vom PM-Camp Berlin (Komplex versus Kompliziert)

Da wurde auch viel abstrakt diskutiert über den Unterschied zwischen komplex und kompliziert. Nach Niels Pflaeging ist es ganz einfach: Solange es nur kompliziert ist, können uns die klassischen Methoden des Projekt Management und Lösens von Problemen helfen. Aber nicht mehr, wenn es komplex wird.

Ich meine, dass es so einfach nicht ist. Habe eine Session mit Maik Pfingsten (Blogger, PoD-Cast) gehalten und mich an der Definition von Maik für Komplexität erfreut (aus Sicht des Systemingenieurs)

x – Achse: Grad an Kompliziertheit
y – Achse: Tempo der Veränderung

Je mehr von beidem, desto „komplexer“.

Ich habe das erweitert um die
z-Achse: Maß in dem es im Projekt menschelt.

Also: Je komplizierter, dynamischer und je mehr es menschelt, desto komplexer …

Aber:
Seneca: Philosophie heißt nicht reden sondern handeln.

Also:
Was können wir tun? Wenn es sehr kompliziert wird, wenn die Dinge sich immer schneller ändern und es immer stärker menschelt?

Hier gibt es keine Kochrezepte oder Best Practice, auch keine Methoden und Techniken, nur ein paar Dinge zum Nachdenken.

Ingenieure, Software-Männer, Techniker
Euch verweise ich auf das: Agile Manifesto (2001)

Unternehmer, Manager, Führungskraft
Hans Ulrich – 8 Thesen zum Wandel im Management (1982)

Einschub:
Hans Ulrich

Hier stichwortartig die „8 Thesen zum Wandel im Management“ von Hans Ulrich mit ebensolchen Anmerkungen:

  1. Ungewissheit und Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
    Zukunft ist halt nicht vorsehbar …
  2. Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
    Gegen „Das geht doch nicht“ oder “Das haben wir immer schon so gemacht” sein. Die Freiheit der Gedanken nicht unterdrücken. Wissen teilen.
  3. Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
    Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  4. Mehrdimensional denken!
    Sittlich verantwortete Güterabwägung, Menschen können eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln.
  5. Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
    Verantwortung, Subsidiarität
  6. Managen als Sinn gebende und Sinn vermittelnde Funktion auffassen!
    Neues Managementbild.
  7. Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
    Arbeitsökonomie.
  8. Gruppendynamik ausnutzen!
    Kulturen, Symbole, Riten, Rituale …

Als Mensch:
John Izzo – 5 Dinge, die Sie vor Ihrem Tode berücksichtigen sollten

Hier empfehle ich die Lektüre der Rezension des gleichnamigen Buches.

Oder auch die Erfahrungen der Bonnie Ware:

Hier ihre 5 gelernten Dinge aus der Betreuung von Sterbenden:

  1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“
  2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

  3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

  4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

  5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Das sind die 5 Einsichten, die Bonnie Ware bei der Begleitung von Sterbenden gesammelt hat. Ich meine, da kann man doch auch einiges Lernen fürs Leben lernen …

Das hilft alles aber nichts, wenn Sie nicht bereit sind, zu leben. Da fehlt noch etwas.

Einschub:
Ein Mentée von mir arbeitet bei Osram: Da kriselt es eh. Ein ziemlich unsinnig anmutender Umzug vom 60igerStadion nach Garching kommt dazu. Mein Mentée lebt in Unterhaching, sein Arbeitsweg vervierfacht sich. Er spürt seine schlechte Laune.
Er kommt schlecht gelaunt zu Arbeit und schlecht gelaunt nach Hause. Dialog: Wie geht es Deinem Chef? – Der ist gut gelaunt! – Was macht er anders als Du? – Der radelt jeden Morgen von Trudering nach Garching! – Radel doch auch! – Geht nicht! – Geht nicht gibts nicht!
Dann hat er sich ein e-Bike gekauft und ist auch jeden Tag geradelt. Und seitdem kommt er gut gelaunt im Büro und wieder zu Hause an. Und fühlt sich wieder soviel besser …

Vereinfacht:

Unser Körper braucht Bewegung und frische Luft. Und Zeit in der Natur. Und das kann man ganz einfach haben – nämlich mit aktiver Mobilität im Alltag. Siehe auch AktMobCmp.

Auch Seneca hat gelehrt:
Lebe im Einklang mit der Natur.
(Seneca war ein Lehrer, der seine Schüler erfolgreich und glücklich machen wollte. Leider war das nie das priore Ziel meiner Lehrer).

Wer will sein Leben in den Griff kriegen, wenn er es nicht mal schafft, seine eigene Mobilität in den Griff zu kriegen? Und Autofahren bringt eben nicht Freiheit noch ist es eine Erfüllung unseres Lebens …. (Auch wenn es uns in einem gigantischen Brainwash von einer scheinbar übermächtigen Industrie so eingeredet wird).

Also: Wir brauchen wir eine regelmäßige und schöne Bewegung!

Aber nicht so, wie ich es nach einem Kinobesuch im Eldorada in der Sonnenstraße erlebt habe. Mit Tränen in den Augen kam ich aus dem wunderschönen Film „Die Kinder der Mme Ann“. Und stellt Euch mal vor, gegenüber im 1. Stock ist ein Fitness-Studio. Mit großen Scheiben … Und man sieht dort hell erleuchtet wie im Schaufenster Menschen, die da ihr „work out“. Nach dem Motto Work Hard, Play Hard, WORK OUT …

Für mich ist das eine grauenhafte Vorstellung. Fitness geplant wie das ganze Leben. Also, auf zum Leben ändern! Und es geht. Denn wie Seneca sagt:

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen ist es schwer.

RMD

P.S.:
Im Vortrag habe ich noch zwei Einschübe gebracht – über den Terrorismus und über die Flüchtlingssituation. Und kurz mögliche Ursachen für beides erwähnt, aber vor allem beschrieben, warum ich mit unserer Reaktion auf und unserem Umgang mit beiden Problemen so gar nicht zufrieden bin. Meine Gedanken diesbezüglich werde ich aber in zwei eigenen Artikeln in der nächsten Zeit ablegen.

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