Roland Dürre
Sonntag, der 15. Mai 2011

Elektrizität

Das Kohle-Zeitalter hat uns große Fortschritte gebracht.

Erst der geschlossene Ofen hat im kalten Bayern ermöglicht, Räume halbwegs zuverlässig zu heizen. In den bayerischen Bauernhöfen haben Herde und Kachelofen erst sehr spät (zum Teil erst im 19. Jahrhundert) die „Rauchkuchel“ abgelöst , bei der mit offenem Feuer geheizt und gekocht wurde und der Rauch durchs (nicht dichte) Dach entwich. Das kann man z.B. im Bauernhofmuseum von Markus Wasmeier bestaunen.

Dann wurde schon bald die Dampfmaschine erfunden. Zuerst wurde sie in den neuen Fabriken stationär als Energiequelle genutzt. Die Energieübertragung von der Dampfmaschine zu den Arbeitsplätzen erfolgte mechanisch über Transmissionsbänder, die kunstvoll im Fabrikgebäude verkettet waren.

Die Dampfmaschine hat uns von schwerer körperlicher Arbeit entlastet. Bald wurde sie auch zur Fortbewegung genutzt, in Schiffen und Lokomotiven. Das Zeitalter der Postkutsche ging zu Ende, der Höhenflug der Eisenbahn begann.

Vielen Menschen wurden so mit einer bis dahin nicht vorstellbaren Mobilität beglückt.

Voraussetzung dafür waren Brennstoffe. Zuerst wurde Holz verwendet, dann kam die Kohle. Kohle und Holz bescherten uns einen großen Fortschritt, aber auch ein „schwarzes“ Zeitalter – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Wäsche auf der Wäscheleine im Hinterhof blieb selten weiß. Und die Gebäude und die Lungen waren Schwarz vom Ruß.

Dann kam das Öl und der Verbrennungsmotor. Da wurde alles besser. Der Rohstoff wurde gründlicher verbrannt, die Abgase gefiltert. Ein großer Fortschritt schien erreicht worden zu sein. Der Einsatz von Gas nahm kräftig zu und ergänzte die scheinbar so sauberen neueren Energien.

Man hatte nur vergessen, dass Verbrennung Kohlendioxid erzeugt. Durch die gigantische Verbrennung von fossilen Rohstoffe im letzten Jahrhundert wurde der Anteil von CO2 in der Luft in eine Höhe getrieben, wie es seit vielen (100?) Millionen Jahren nicht der Fall war.

Jahrmillionen sind für uns Menschen mit unserer kurzen Geschichte aber eine Ewigkeit. Der aufrechte Gang gilt als erster Schritt der Entwicklung  der Menschen aus den Affenartigen. Den haben wir erst vor knapp 100.000 Jahren gelernt. Sprache und Schrift kamen erst viel später (vor 25.000 und 15.000 Jahren). So haben wir unsere Welt, zumindest was die Zusammensetzung der Luft anbetrifft, in einem Jahrhundert in eine Urzeit zurück katapultiert.

Parallel zur Dampfmaschine kam die Elektrizität. Zuerst wurde der Strom chemisch erzeugt. Dann gelang es, den Strom mechanisch durch Generatoren zu erzeugen. Die Elektrizität könnte unser Retter sein. Strom wurde früh durch Wasserkraft generiert, heute ja auch mit Wind und Sonne. Ein Verzicht auf die Verbrennung von Kohle und Holz zur Erzeugung von Energie ist erst durch die Erfindung der Elektrizität möglich.

Wasser, Wind und die Sonne, das sind drei natürliche Quellen, die der Mensch schon immer als Energie nutzte.  Wasser- und Windräder sind ganz alte Technologien. Die Mühle am Fluss ist sprichwörtlich. In Kreta bin ich durch die Hochebene der 1000 Windmühlen gefahren. Aber auch die Energie der Sonne wurde schon immer vielseitig genutzt, so z.B. zur Konservierung von Nahrungsmitteln. Noch in meiner Kindheit haben wir an heißen Sonnentagen die gefundenen Steinpilze auf dem Fensterbrett in der Sonne für den Winter getrocknet. Das hat exzellent funktioniert.

Aber wir Menschen sind Narren. Unser Energiebedarf ist unerschöpflich. Unter anderem, um sinnlose Dinge wie Aludosen herzustellen und Klimaanlagen zu betreiben. So haben wir angefangen, den Strom auch durch die Verbrennung fossiler Energien in beliebigen Mengen zu produzieren und anschließend zu verschwenden. Da unsere Verschwendung nicht zu bremsen war, mussten wir weitere Energiequellen eröffnen. Neben einem gigantischer Einsatz von fossilen Brennstoffen zur Stromerzeugung haben wir uns an die Kernenergie ran gemacht.

Das war auch ein trügerischer Hoffnungsträger. Durch Kernspaltung sollte Energie herstellen, ohne Kohlendioxid zu erzeugen. Im 20. Jahrhundert war der Glaube an die Technik uneingeschränkt. Die Risiken und Gefahren wie auch die Aussichtslosigkeit der Beseitigung von radioaktiven Müll wurde in der Hoffnung auf zukünftige (groß-)technische Lösungen ignoriert. Auch die langfristigen Schäden für unsere Gesundheit wurden unterschätzt. Dazu verweise ich auf das absolut lesenswerte Interview „Tschernobyl wütet in den Genen“ mit der Strahlenärztin Frau Dr. Dörte Siedentopf.

Einfach, weil es so billig erschien, aus Kernkraft unendliche Mengen Strom zu erzeugen. Billig ist es aber immer nur, wenn man Dritte ausbeutet oder die gesamten Systemkosten nicht rechnet.

Strom bleibt trotz allem der einzig große Hoffnungsträger, wenn wir einen Teil unserer zivilisatorischen Errungenschaften behalten wollen. Und alles andere ist kaum vorstellbar.

Es gibt wohl genug Möglichkeiten, nachhaltig und mit der Umwelt verträglich große Mengen elektrische Energie zu erzeugen. Gar nicht so neue Technik ermöglicht es auch, Energie in Form von Strom mit geringen Verlusten  über große Entfernungen zu transportieren, auch wenn wir diese aus eigentlich unerfindlichen Gründen bisher kaum nutzen. Die hundert finsteren Jahre von „verbrennungsbasierter Technik“ können und müssen zeitnah beendet werden.

Ich meine, dass das eine wirklich „systemrelevante“ Herausforderung ist. Eine Finanzkrise erscheint mir da doch relativ unwichtig.

RMD

P.S.
Sämtliche Bilder sind aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

Die Urheber sind:

Bock-Dampfmaschine von 1864 – André Karwath Aka
Kanonenofen – Lusitana

Be Sociable, Share!

2 Kommentare zu “Elektrizität”

  1. Chris Wood (Samstag, der 21. Mai 2011)

    Dear Roland, I have been in England for a while, so I could not correct you earlier, concerning early human walking. But that does not matter, as I have corrected you on this 2 or 3 times already, and you still get it wrong.
    Our ancestors have been walking for millions of years. The common ancestors of modern apes and humans may well also have walked upright. I think orang-utans and gibbons do this better than gorillas, bonobos and chimps.

    See http://en.wikipedia.org/wiki/Bipedalism
    or http://news.discovery.com/archaeology/lucy-human-ancestor-walked-upright-110210.html
    Or perhaps you will better understand http://earlyhumans.mrdonn.org/.

    Regarding first speech, you are much nearer the mark, but this probably also goes back further.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Origin_of_language

  2. rd (Samstag, der 21. Mai 2011)

    Lieber Chris, die nächste Gelegenheit Dich aus erster Hand zu informieren ist der 20. Juli 2011 im IF-Forum. Da ist bei uns Dr. Gerhard Haszprunar zu Gast. Komm doch vorbei!

Kommentar verfassen

*