Roland Dürre
Donnerstag, der 30. September 2010

Ende eines Mittelständlers.

Gestern als Schlagzeile im Wirtschaftsteil der SZ vom 29. September auf Seite 21:

„Im Griff der Banken: Jetzt wird es eng für die Traditionsfirma Rodenstock“.

Darunter stand übrigens witzigerweise noch eine Schlagzeile:

„Daimler bekommt einen Ethik-Vorstand“

und noch eins tiefer in genauso großen Lettern:

Jetzt auch in Simbabwe
(zur Entdeckung von Afrika als neuen Wachstumsmarkt durch den amerikanischen Handelskonzern Walmart).

Eine lustige Kombination. Als ob ein Kabarettist für Wahl und Anordnung der Überschriften in der SZ die Verantwortung übernommen hätte.

Aber jetzt zum Unternehmen Rodenstock. Wie komme ich darauf?

Vor einem Jahr hat Herr Randolf Rodenstock einen Vortrag an der TUM gehalten, von dem ich kritisch berichtet habe. Auch weil ich ein enttäuscht war, dass der angekündigte Titel recht weit weg vom Inhalt dieses Vortrags war:

Innovative Unternehmensfortführung – Stärken und Schwächen eines Familienunternehmens“.

Und gestern lese ich der SZ dann nochmal zusammengefasst, wohin die „innovative Unternehmensfortführung“ geführt hat. Unter anderem steht da auch der Satz

Mehr als 125 Jahre war der Brillenhersteller in Familienbesitz. 2003 aber hatte sich Randolf Rodenstock, der die Firma in vierter Generation führte, mit der Expansion in USA verhoben“.

Da erinnere ich mich an eine Stelle im Vortrag, an der der Redner von „dem Einsatz von namhaften Beratungsunternehmen bei strategischen Entscheidungen als eine seiner wichtigen und guten Entscheidungen“ berichtet hat. Das waren aber genau die Unternehmensberater, die mit ihm die Strategie zur Expansion in Amerika erarbeitet haben – wie den Weg hin zum „System Brille“ und den Verkauf von attraktiven Nischen-Technologie-Sparten.

Der Niedergang von Rodenstock wurde offensichtlich durch eine Reihe von schweren Fehlentscheidungen des Managements herbeigeführt. Das ist nicht schlimm und kann schon mal passieren.

Wenn der verantwortliche Familienunternehmer der 4. Generation aber in Vorträgen erklärt, wie innovativ er das Unternehmen geführt hat und nebenbei auch noch Sätze fallen lässt wie

  • als Unternehmer steht man mit einem Bein im Gefängnis

dann ärgere ich mich schon, dass den Studenten der TUM so etwas im Rahmen einer Unternehmervorlesung erzählt wird.

Gehe aber davon aus, dass der kritische und mündige Student das schon richtig aufgenommen hat. Unternehmerische Strategie ist wirklich nicht einfach. Besonders wenn man sie nicht lehren sondern auch noch machen muss.

RMD

P.S.
Am 17. September gab es noch einen Artikel in der Süddeutschen zum Unternehmen Rodenstock, der Hoffnung machte und den man im Internet lesen kann.

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3 Kommentare zu “Ende eines Mittelständlers.”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 30. September 2010)

    Roland, I was eager to see in your „kritisch“ report how you predicted the problems Rodenstock would have. But it only hinted mildly at a different viewpoint. We English are used to harder „criticism“.
    My grandmother told me a saying from industrial revolution days in Stoke, „clogs, shoes, shoes clogs“. (This referred to the generations in a family business. Clogs indicated poverty; shoes indicated wealth).

  2. rd (Donnerstag, der 30. September 2010)

    Auch in Deutschland gibt es ein ähnliches Sprichwort zu den Generationen von Unternehmern. Ich suche es mal bei Gelegenheit raus. Die Kurzaussage ist ungefähr so: der Gründer baut auf, die zweite Generation weitet aus, die dritte stabilisiert und die nächste ruiniert’s …

  3. Enno (Montag, der 4. Oktober 2010)

    „Der Erste erstellts, der Zweite erhälts, dem Dritten zerfällts.“

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