Roland Dürre
Freitag, der 8. März 2013

Entscheidungsgründe

Den großen deutschen Energieversorgern geht es schlecht. Da steckt aber eine Geschichte dahinter.

Zuerst wurden gesunde staatliche Unternehmen privatisiert. Für rückwirkend eher lächerliche Beträge. Dann haben die mächtigen Energie-Riesen an den Börsen Rekorddividenden ausgezahlt. Später hat sich der Wind gedreht. Der irrationale Energie-Markt hat seinen Tribut verlangt. Das zwar gut gemeinte aber schlecht gemachte EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) hat wie die erste Reduktion der Laufzeiten für Kernkraftwerke die Situation für die Energie-Unternehmen auch nicht besser gemacht.

Nicht nur die Abschreibungen bewegten sich gewaltig nach oben, auch operativ gab es plötzlich immer mehr Verluste. Zwar wurde gute Lobbyarbeit mit Laufzeitverlängerung belohnt. Das hat die Situation aber auch nur vorübergehend verbessert, denn da kam das Unglück von Fukushima und für die Energieversorger wurde alles noch schlimmer.

Jetzt werden die großen Energieversorger gegen die Bundesrepublik klagen. Aber nicht, weil die Vorstände dieser Unternehmen von der Kernkraft überzeugt sind. Aber diese meinen (wohl zurecht), dass sie es müssen. Denn ihre Aufgabe ist es, Schaden von ihren Unternehmen abzuwenden. Und wenn sie gegen so etwas wie die Energiewende nicht klagen, dann müssen sie fürchten, selber auf Schadenersatz verklagt zu werden.

Also klagen die Vorstände, obwohl sie noch besser als wir wissen, dass die Kernenergie mit Abstand die teuerste und unsinnigste Form von Stromerzeugung ist.

So ist das mittlerweile. Vorstände klagen gegen die Bundesregierung und ihre Überzeugung, nur weil sie sonst ihrerseits verklagt werden könnten. Es geht immer nur ums Geld, Haftung und Sicherheit.

Gleichzeitig beschließt der Bundestag, dass man die Fässer aus der Schachtanlage Asse auf jeden Fall wieder zurückholen will. Moralisch und ethisch gut verständlich. Auch aus Sorge um die Zukunft absolut gerechtfertigt. Obwohl man nach einer etwaigen Bergung ja genauso ratlos ist, wohin man mit dem Zeug soll, wie man es ja davor auch schon war.

Aber diese pathetische Abstimmung ist auch gegen besseres Wissen der Ingenieure erfolgt. Diese gehen davon aus, dass allein schon die Konstruktion der für ein solches Vorhaben benötigten Maschinen 10 Jahre brauchen wird. Und dass bis dahin in der Asse noch einiges passieren wird. Die Bergung wird auch nur möglich sein, wenn man quasi ein neues Bergwerk in das alte hinein baut.

Das alles unabsehbar viel kosten wird.

Mehr als ein paar S21 und brandenburgische Flughafen zusammen. Und obwohl das ganze unbezahlbar ist, wird es vollmundig mit starker Rhetorik beschlossen. Aber ohne jede Aussage, wie dieses Megaprojekt finanziert werden könnte. Die typische Unredlichkeit der Politik.

Die eigentlichen Verursacher, die übrigens mit Riesensubventionen über Jahrzehnte auch vom Staat ins Geschäft mit Kernkraft (natürlich nicht unfreiwillig) hinein getrieben worden sind, können die Zeche nicht mehr bezahlen, da sie selber Pleite sind. Abgesehen davon, dass sie für die „Entsorgung“ – sprich das Reinkippen des Mülls in die Schachtanlage – ja schon bezahlt haben.

Wenn man es mit dem Rückholen ernst meint, dann müsste man so eine Art finanziellen Staatsnotstand ausrufen. Und auch überlegen, wo denn der rückgeholten Müll hin soll.

Zumindest haben wir hier endlich mal ein Beispiel einer wirklich alternativlosen Situation. Aussichtslos, weil es keine einzige vernünftige Alternative gibt. Denn den Müll drin lassen, geht ja wohl auch nicht. Dass man ihn aber kaum mehr rauskriegt, wird das wohl der wahrscheinlichste Ausgang sein. Trotz all der schönen Worte und starken Sprüche.

RMD

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4 Kommentare zu “Entscheidungsgründe”

  1. Chris Wood (Freitag, der 8. März 2013)

    I wonder whether the Challenger Deep could be used for the world’s radioactive waste, (of which Germany has a very small part). It is very deep, and is an active subduction zone. Within a few hundred years, the waste would be gone for ever. There are a few strange animals living down there. It would be good to research them intensively first.

  2. rd (Samstag, der 9. März 2013)

    Hi Chris, danke für Deinen Lösungsvorschlag. Aber für Lösungen aus der Zukunft („science fiction“) dürfte es zu spät sein. Die Fakten sind jetzt insgesamt schon zu vernichtend.

  3. wl (Dienstag, der 12. März 2013)

    Interessant finde ich, dass noch nie ein Inventar der Asse veröffentlich wurde. Es gibt für zahlreiche Sorten von radioaktivem Müll ganz einfache Lösungen und manche sind sehr schwierig.
    Was ist nun der Fall? Wie Roland schreibt ist unklar was passiert, wenn ein Fass wieder ganz oben ist. Da steht es dann vermutlich bedrohlicher herum als wenn es unten in Salz eingebuddelt lagert.
    Insgesamt, ein Ergebnis der „Deutschen Angst“, tabuisierte Konsenspolitik, nicht umsetzbare Beschlüsse ohne Rücksicht auf die Kosten. Die Ingenieure sollten die Umsetzung so unsinniger und unvollendeter Beschlüsse verweigern. Der „kritische Journalismus“ sollte sich angesichts seiner Verweigerung zu informieren und zu recherchieren betrauern lassen.

  4. rd (Mittwoch, der 13. März 2013)

    @Werner Vermute mal, dass es keine Inventarliste gibt. Bei den alten Müllkippen gab es doch so etwas auch nicht.

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