Roland Dürre
Donnerstag, der 3. Dezember 2009

Entwirklichung

Vor einer Woche habe ich den Begriff der Entwirklichung das erste Mal gehört. In Bayern 2 im „Radiowissen“ gab es eine Sendung über Sterben und Abschied nehmen. Es wurde berichtet, wie Tod und Trauer in unserer zeitgenössischen Zivilisation in Mitteleuropa „entwirklicht“ worden sind. Eine Sendung zum Nachdenken.

Entwirklichung findet aber nicht nur im Umgang mit dem Sterben statt, sie ist wesentlich Teil unseres Leben geworden. Im „Entwirklichen“ sind wir über all gut dabei.

Bei Unternehmen und Universitäten wie allgemein in der Gesellschaft dominieren Vorgaben formaler und prozessoraler Art. Sie schaffen synthetisch Ersatzprobleme und reduzieren Handlungsfreiheit und -fähigkeit.

Die wichtigen Ziele verschwinden hinter systemischen Regeln. Und die Menschen sitzen alle vor denselben PC’s und partizipieren an einer virtuellen Wirtschaft und Arbeitswelt.

In der Politik spielt die reale Welt keine Rolle mehr. An die Stelle von wirklichen Gefahren werden virtuelle Risiken zweckorientiert aufgebaut und künstlich Bedrohungsszenarien geschaffen.

Finanziell wird in Wirtschaft und Politik mit Beträgen operiert, die gar nicht mehr wahr sein können. Komplexe Fonds werden gegründet und Bad Banks geschaffen. Nur an der (Ur-)Sache ändert sich nichts.

Privat essen wir „convenient food“. Die Suppe besteht aus Pulver im Plastikbecher. Frischmilch ist unverständlich lange haltbar und Fleisch scheint nicht mehr von Tieren zu stammen.

Mütterchen Kitsch ist aus den Disneyland-Reservaten ausgebrochen und versucht, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Oh, wie süß. Väterchen Mogelei hält Einzug in die Parlamente von Stadt und Land und ins Management von Unternehmen und Institutionen.

Schönheit besteht aus Silikon und Tünche. Schweiß ist unschick und körperliche Arbeit unfein. Natur wird als schmutzig wahrgenommen.

Eigenverantwortlichkeit wird zum Unwort. Emotionen werden von den Medien in Konserven eingedost und zum Abendessen serviert.

Eine neue Unredlichkeit weht durch die Republik.

Aussichtslos? Nein!

Klingt zwar alles schlimm. Ist es aber nicht! Die richtige Strategie ist ganz einfach:

Nachdenken und die Dinge hinterfragen!

Sich gegen

Unsinn und Dummheit

wehren.

Bequeme Erklärungen

verweigern und gegen öffentliche Verblödung opponieren! Und sich selbst treu bleiben!

Eintreten für

Aufklärung, Bildung und Zivilcourage

und

diszipliniert in der realen Welt bleiben und die Erdung nicht verlieren!

🙂 Geht doch!

RMD

1 Kommentar zu “Entwirklichung”

  1. hans-peter kühn (Donnerstag, der 3. Dezember 2009)

    Klingt simpel-naiv, ist schwer umzusetzen und vor allem, es stimmt völlig!!!

Kommentar verfassen

*