robertkulzer-150x150Robert (Kulzer), unser Internet-Forscher, hat festgestellt, dass bei Angeboten im Internet die Reihenfolge und Platzierung der Alternativen eine wesentliche Rolle spielt.

Nehmen wir an, Sie wollen übers Internet eine Dienstleistung verkaufen. Sie bieten für die Bestellung Ihrer Dienstleistung 4 Abonnements genau in dieser Reihenfolge von oben nach unten an: 1 Monat, 3 Monate, 6 Monate und 12 Monate. Dann werden Sie die meisten Bestellungen für die kurzen Zeiträume bekommen.

Jetzt lassen Sie auf der Seite alles gleich und drehen nur die Reihenfolge bei den Laufzeiten um. Sie bieten jetzt zuerst die 12 Monate an, dann die 6 usw. Sie werden erstaunt sein, wie durch die suggestive Umgestaltung der Seite sich das Bestellverhalten Ihrer Kunden positiv für Sie verändern wird.

Es scheint wirklich so einfach zu sein. In unserem Kulturkreis neigt man dazu, eher die oberen oder linken Dinge anzunehmen. Auch die Ergebnisse unserer Polls bestätigen dies. Obwohl die Auswahlen an den unteren Positionen genauso plausibel sind, werden die zuerst kommenden Antworten wesentlich bevorzugt.

wahlzettelDas hat mir betreffend unserer Demokratie zu Denken gegeben. Auf allen Wahlzetteln sind die Parteien entsprechend ihres aktuellen Rankings gelistet. Dies führt zu einer wahrscheinlich ungewollten Manipulation des Wählers. In Bayern steht ganz oben so immer die CSU, dann (bisher) die SPD. Durch diese Platzierung hatten die großen Parteien einen wesentlichen Vorteil für die Stimmabgabe. Für Aussenseiter auf den Positionen 3, 4 und 5 wurde es schwieriger (FDP, GRÜNE, DIE LINKE), für Parteien weiter hinten wie die ÖDP fast unmöglich, ins Parlament zu kommen.

Wenn die im Internet verifizierten Regeln auch für Papier gültig sind (warum sollte das nicht so sein), hätten dann die Parteien an Platz 1 und 2 einen Vorteil gegenüber den anderen. Das erscheint mir demokratisch ungerecht.

Hier die Lösung dieses Problems: Man müsste die Wahlzettel nur so drucken, dass alle Parteien gleich oft auf den Wahlzetteln an allen Positionen stehen. Wenn Sie also 1000 Wahlzettel brauchen und 5 Parteien haben, dann müsste man dafür sorgen, dass jede Partei je 2oo mal auf Platz 1, 200 mal auf Platz 2 und so weiter steht. Dann müsste man die Zettel nur noch gut mischen und nach dem Zufallsprinzip verteilen.

Keine Partei wäre dann mehr über die Position auf dem Stimmzettel bevorzugt. Und ich bin sicher, dass dann die kleinen Parteien wesentlich mehr stimmen kriegen würden. Ob das wünschenswert wäre, ist eine andere Frage. Vielleicht müsste man sicher stelle, dass nur noch relevante Gruppierungen in die finale Wahl kommen.

Ein Sekundärvorteil dieses Verfahrens könnte auch sein, dass dann die Wähler dann beim Wählen in der Kabine ein wenig mehr aufpassen und nachdenken müssten, wen sie denn wählen.

Jetzt werden Sie völlig zurecht die Frage nach der Machbarkeit stellen. Die ist heute gegeben! Man muss nur den digitalen Druck – sprich Print on Demand – nutzen. Bei kleinen Auflagen ist dieser auch nicht teurer als Offset-Druck. Und das Programm zur Generierung von solchen dann wirklich neutralen Wahlzetteln inklusive der Mischung würden wir gerne für die Demokratie umsonst erstellen, denn die Demokratie ist uns ein wichtiges Anliegen.

Ich glaube, dass solch eine dann wirklich demokratische Wahl überraschende Ergebnisse bringen würden. Und man dann zum Schluss kommen würde, dass demokratische Wahlen mit Stimmzetteln oder entsprechenden Stimmabgabe-Automaten immer undemokratisch sind und man sich etwas neues einfallen lassen muss, um es den Bürgern zu ermöglichen, unbeeinflusst von menschlichen Neigungen zu wählen.

Das wäre doch mal ein Experiment wert! Ich fürchte aber, dass für das Ausprobieren von solchen kleinen Neuerungen aus welchen Gründen auch immer bei uns der Mut fehlt und sie so nicht durchsetzbar sind.

RMD

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