Roland Dürre
Sonntag, der 27. Januar 2013

Es ist mal wieder Sonntag …

Immer am Sonntag versuche ich nach zu denken, wie denn die letzte Woche so war, was die nächste bringen wird und ich so vorhabe und plane. Privat wie beruflich. Beim Rückblick fällt mir ein, was von den Nachrichten der letzten Woche bei mir hängen geblieben ist.

Und das ist wieder mal gar grauslich. Besonders hat mich ja das Unwort von den „Müttern mit ausländischen Wurzeln“ geärgert.

Als nächstes fällt mir der Verteidigungsminister ein. Der will für die Bundeswehr unbedingt ein paar niedliche Drohnen haben. Oder besser: „Er verteidigte den Kampfdrohnen-Plan“ (siehe Zeit). Mit auch wieder dialektisch sehr hinterfragbaren Sätzen wie
„Unbemannte, bewaffnete Luftfahrzeuge unterscheiden sich in der Wirkung nicht von bemannten. Immer entscheidet ein Mensch, eine Rakete abzuschießen“.

Das soll er der Bild-Zeitung gesagt haben. Und hat dann wohl gleich noch beflissentlich hinzufügt, dass er diese Drohnentechnologie auch gerne in Deutschland entwickelt haben möchte. Der Lobbyist lässt grüßen. Denn wir wollen ja auch im Waffengeschäft unsere weltweite Geltung nicht verlieren.

Ich persönlich fände es ja ganz lustig, wenn „im Ausland“ Drohnen mit „inländischen Wurzeln“ gegen solche mit „ausländischen“ kämpfen würden. Und würde mich freuen, wenn die mit den „inländischen“ gewinnen würden. Bin ja stolz auf deutsches Ingenieurstum. Auch wenn die mit den „inländischen Wurzeln“ gegen ebensolche (wenn möglich nur möglichst weit weg)  kämpfen, wäre das begrüßenswert. Am Ende würde dann der gewinnen, der mehr davon hat. Und neue bei uns kaufen, was ja unsere Wirtschaft stärken und unsere Arbeitsplätze sichern würde.

Dummerweise werden die Drohnen, Wurzeln hin oder her, aber im Normalfall gegen relativ wehrlose Menschen eingesetzt. Die vielleicht nur ihrem (aus unserer Sicht) völlig verblendeten Gewissen folgen. Oder am Schluss muss man sie vielleicht sogar im Inland einsetzen. Wäre dann nicht mehr so lustig.

Dann fällt mir die Forschungs- und Wissenschaftsministerin ein. Die beteuert, dass sie ihre Doktorarbeit ganz selber geschrieben hat (siehe Zeit). Aber böse Welt, jetzt muss sie ihren Titel verteidigen. Und das ganz ohne Drohnen. Obwohl es klar zu sein scheint, dass die meisten Texte in der Arbeit nicht von ihr stammen.

Aber sie sagt: „Meine Dissertation ist kein Plagiat“. Klingt wie ein Kanzlerinnen-Satz. Als oberste Chefin der Doktor-Titel-Industrie muss sie es wohl so sagen.

Eine Lösung des Doktor-Problems könnte ja sein, dass Doktoren nur noch im Rahmen von Projekten wie der Entwicklung von Drohnen gemacht werden. Da ist dann Abschreiben ein wenig schwieriger und nennt sich Wirtschaftsspionage oder noch Schlimmeres. Dieser Vorschlag hilft aber den Geisteswissenschaften auch nicht so richtig weiter.

Dabei ist doch in einer aufgeklärten Weil ein Doktortitel nichts anderes als ein vielleicht besonders wertvolles Zertifikat. So wie der schwarze Gürtel im Projekt Management oder beim Judo. Aber doch keine Erweiterung einer Persönlichkeit, die man deswegen als „Titel“ zum „Teil des Namens“ machen muss. Wie wohl nur in Deutschland auf dieser Welt üblich.

Und um die Frage, ob man so ein Zertifikat im Lauf der Zeit noch zu recht hat, muss man ja nicht soviel Aufhebens machen. Dem in- und ausländischen Bürger ist letzten Endes der Führerschein viel wichtiger, den man ja komischerweise auch für lebenslänglich bekommt. Keine Angst – ich fordere nicht lebenslänglich für aggressives Autofahren.

Womit wir beim nächsten Thema wären. Am meisten amüsiert hat mich diese Woche der Verkehrsminister. Der will die Aggression auf den Straßen reduzieren. Dafür will er sorgen und auch Geld ausgeben. Frei von Erkenntnissen der Psychologie und Gehirnforschung. Da hilft mir dann die Belustigung im Spiegel (nicht meine in meinem Spiegel) auch nicht mehr.

Auch ein Politiker sollte wissen, dass wir Menschen noch vor kurzem „menschenartige Affen“ waren – es sei denn, er wäre ein Kreationist. Menschen sind halt auch nur Säugetiere . Mal auf besonders putzige und mal eben in einer nicht so sehr putzigen Art und Weise.

Natürlich streben wir auch nach sozialem Miteinander. Und entwickeln gerne positive soziale Beziehungen. Unter gewissen Umständen neigen wir aber dazu, ganz natürlicherweise auszurasten. Nicht nur im Straßenverkehr. Aber solange das Auto seine soziale und emotionale Bedeutung nicht verliert (sondern die sogar noch mit Milliardenbeträgen „gepusht“ wird), wird der Autofahrer sozial isoliert und omnipotent am Steuer seiner Wahnsinnsmaschine tendenziell aggressiv bleiben. Da werden auch alle Bußgeldkatalog-Reformen und Kampagnen und was helfen. Wenn man mit einer so überpotenten Maschine ausrastet, dann hat das halt ab und zu Folgen. Aber das nehmen die Waffenlobbyisten in USA ja auch billigend in Kauf und verlangen deshalb weiter den freien Verkauf von vollautomatischen Gewehren.

Halt, über die Nachrichten aus USA oder AFRIKA oder ASIEN, an die ich mich so erinnere, wollte ich nicht schreiben. Und wünsche deshalb lieber einen schönen Sonntag.

RMD

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