Roland Dürre
Samstag, der 7. Februar 2009

Ethik und Informatik

Hier der zum Start geplante erste Artikel meiner drei Probeartikel fürs Informatikspektrum (siehe auch „Die Gesellschaft für Informatik, GI, das Informatik-Spektrum und die Ethik)“

Kritische Geister haben früh vor Computern gewarnt. Ihre Verbreitung würde die  Orwell’sche Vision realisieren. Haben die selbst ernannten Auguren recht gehabt?

Bertrand Russel (1872 – 1970) war ein britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker. In den 60iger und 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts war er für viele von uns ein Idol. Ich starte mit einem Zitat von ihm:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit!

Ein schönes Zitat. Noch schöner wäre freilich, wenn der technologische Fortschritt mit einem Zuwachs an Weisheit korreliert hätte. Ich meine, dem war nicht so. Deshalb möchte ich in Zukunft öfter über Ethik und Informatik schreiben. Zum Beginn versuche ich die beiden Begriffe zu definieren.

Ethik:

Der Begriff der Ethik bedarf keiner Definition. Ethik steht für sich selbst. Jeder Mensch ist in der Lage, eine fremde oder auch die eigene Handlung als ethisch oder “unethisch” zu bewerten. Allen Menschen ist bewusst, dass Ethik eine subjektive wie eine objektive Komponente hat.

In der Anwendung wie in der Qualität gibt es “unterschiedliche Ethiken”. Um ethisch zu sein, bedarf es gemeinsamer Werte. Diese können der UN-Charta hinterlegt sein oder sich in den Weltreligionen finden. Gebote wie „Tue keinem das an was du dir nicht selbst angetan haben willst“ und „Helfe mit, dass sich Leben in allen Dimensionen entfalten kann“ stehen für handlungsleitende Werte, die wir alle annehmen können.

Informatik:

Der Begriff “Informatik” wurde von einer Gruppe von IT-Pionieren um Professor F. L. Bauer kreiert. Informatik ist entstanden als Akronym des Wortes Informationstechnik. Die Informatik umfasst alle Technologien, die den Austausch, der Verbreitung und Verarbeitung von Informationen und Wissen aller Art unterstützen. Sie ist die Wissenschaft der Informationstechnologie und -technik.
Der Buchdruck, Rundfunk und Fernsehen sind Teil früher Informatik, Tabellen, mechanische Rechenmaschinen und der analog funktionierende Rechenstab  technische Vorläufer moderner Rechner.

Die gesellschaftliche Relevanz der Informatik:

Die Informatik treibt und bestimmt unseren zivilisatorischen und gesellschaftlichen Fortschritt. Der Computer verändert die Welt so wie es die Uhr, der geschlossene Ofen, Dampfmaschine und Dieselmotor, Elektrizität, Telefon, Eisenbahn und Automobil getan haben.

Produktion und Handel haben sich total gewandelt. das öffentliche wie private Leben hat sich total verändert. Der schnelle Aufstieg von Unternehmen wie  Amazon, Apple, Dell, Ebay, EMC, Google, Microsoft, Oracle, SAP, Yahoo war unvorstellbar. Utopische Visionen wie kostenfreie Güter (freie Software)  hat es nicht gegeben. Völlig neue und kollaborative Arbeitsmodelle sind entstanden. Projekte von schier unglaublicher Komplexität können erfolgreich bewältigt werden.

Jetzt stehen wir an der Zeitenwende vom auto-mobilen zum info-mobilen Zeitalter. Unsere Zukunft wie die Entwicklung der sozialen Systemen in denen wir Leben, wird davon abhängen, ob die Informatiker als Architekten des neuen Zeitalters in der Lage sind, über den Tellerrand der Technologie hinaus zu blicken.
Deshalb schreibe ich im Informatik-Spektrum über Ethik und Informatik (Anmerkung „wollte ich schreiben“).
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Roland M. Dürre (duerre.de) wurde 1950 in Augsburg geboren. Er studierte Mathematik an der TUM. Heute ist er Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär der InterFace AG in Unterhaching bei München, die er 1984 als InterFace Connection GmbH gegründet hat. Regelmäßig veröffentlicht er im Informatik-Spektrum und im IF-BLog.

2 Kommentare zu “Ethik und Informatik”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 10. Februar 2009)

    See above „Allen Menschen ist bewusst, dass Ethik eine subjektive wie eine objektive Komponente hat“.
    I do not accept this. My piece „Ethics beyond Humanism“ was partly an attempt to find such an objective component. But I did not fully convince myself, and most people seem to disagree. Most ethical ideas are totally subjective, the subjects being humans, or some even smaller group. One might believe that an action leading to the destruction of the universe would be unethical, but I am not really sure about that. We Europeans seem to have very privileged lives just now. It is not hard to believe (as plenty of philosophers have) that the normal situation is misery (especially for other animals).

  2. Chris Wood (Mittwoch, der 11. Februar 2009)

    There is a larger group of people who do not divide ethics into subjective and objective components, namely seriously religious people. They believe that ethics are defined by God. So, from a human point of view they are entirely objective, (though perhaps hard to find out). I suppose that, from God’s point of view they may be entirely subjective. But probably God cannot have a point of view, since his „view“ encompasses everything.

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