Roland Dürre
Dienstag, der 28. Dezember 2010

EURO 3

Vor kurzem habe ich vor Verzweiflung über die aktuelle Performance unserer Regierung polemisch und kritisch zum großen EURO-Aufruhr (EURO und EURO 2) Stellung genommen.

Es fällt mir immer noch schwer, die auch von den Medien aufgebauschte EURO-Krise und mittendrin unsere Kanzlerin als Retterin Europas zu ertragen. Hier trotzdem der Versuch einer zwar boshaften aber (hoffentlich) sachlichen Nachlese zum Thema EURO.

In der Tat glaube ich, dass wir keine EURO-Krise haben. Mir scheint, dass wir eher eine Staatsschuldenkrise haben, die sich aktuell auch aus einem ganz schlichten Grund verschärft.

Die Zinsen steigen!
Und dies bei niedrigsten Leitzinsen.

Nimmt man die Zinssätze, die alle EU-Staaten (auch die BRD!) zurzeit bei einer Neukreditaufnahme akzeptieren müssen und vergleicht man diese mit den Zinssätzen, zu dem die Europäischen Staaten noch vor gar nicht langer Zeit mittelfristig und kurzfristig finanzieren konnten, so wird man heftig überrascht. Die Zahlen sind deutlich höher geworden.

Für die Staatshaushalte ist das natürlich katastrophal. Schon heute muss ein wesentlicher Teil der Budgets für Tilgung und Zins eingesetzt werden. Da die Zinsen jahrelang auf niedrigsten Niveau waren und die Finanzierung zum Teil kurzfristig angelegt ist, kann das zeitnah zu einer Verdoppelung bis Verdreifachung der Zinslast im Haushalt führen. Und das sprengt natürlich jeden Haushalt in Europa, ganz besonders natürlich den des absolut am höchsten verschuldeten Deutschlands.

Jetzt kann man nur hoffen, dass dieses Problem der Staatshaushalte durch eine Inflation möglichst sanft gelöst wird. Das könnte funktionieren, denn die Inflation ist sowieso fällig. Wenn ich mich an die Preissteigerungen z.B. bei Immobilien in den 80iger Jahren erinnere, die dann von einer langen stabilen Phase gerade in den letzten 20 Jahren abgelöst wurde, dann ist nur mehr als wahrscheinlich, dass es jetzt wieder los geht.

Natürlich kann das auch zu Verwerfungen führen. So ist ein Szenario, in dem sich die Preise für Basisgüter in einem Zeitraum von wenigen Jahren um 50 – 100 %, die Einkommen aus Arbeit aber nur um 10 % – 20 % erhöhen, durchaus realistisch. Auch das würde zu großen Veränderungen, aber hoffentlich nicht zum totalen Zusammenbruch führen.

Noch hat die absehbare Zinswelle nicht alle Buchten des Finanzmarkts erreicht. Ich mach aber mal die Vorhersage, dass in absehbarer Zeit (6 – 12 Monate) auch die Zinsen für Hypotheken steigen werden.

Die Habenzinsen werden auch steigen, dies trotz der unvorstellbaren Geldmengen, die die staatlichen Banken der USA und Europas in den Markt pressen (eigentlich nur vergleichbar mit den Abgasen, die das menschliche Kollektiv in die Umwelt pumpt). Das wird aber noch ein wenig länger dauern, sind die Banken doch die Weltmeister in der Disziplin, die Sollzinsen zu erhöhen, aber ihren Kunden angemessene Habenzinsen zu verwehren.

🙂 Dann gibt es nur eins für: Ab sofort Schulden machen und investieren!

Die Entwicklung der Rohstoffmärkte, die wohl erforderliche Aufwertung des Yuan, der Zuwachs der weltweiten Nachfrage durch China und Indien und manches mehr passen zu diesem Szenario.

So wird es kommen, wie es kommen muss. Das hektische Durchpeitschen einer „alternativlosen“ Maßnahme nach der anderen durch unsere Staatenführer wird an dieser Entwicklung genauso wenig ändern wie ihre gebetsmühlenartig wiederholten Beschwörungen voller dummer Plattitüden.

Die Zeit, in der man noch ins Geschehen hätte eingreifen können, dürfte längst vorbei sein (wenn es die überhaupt gab). Jetzt kann man sich nur noch mit morbider Lust dem langsamen Niedergang der Europäischen Staaten und ihrer Union hingeben.

Aber zum Trost: Wenn man es richtig macht, kann man auch mit Inflation gut leben. Da gibt es berühmte Beispiele auch in der deutschen Geschichte.

RMD

P.S.
Es ist übrigens erstaunlich, wie wenig pro-Kopf-Verschuldung ein (Krisen-)Land wie Spanien im Vergleich zu Deutschland hat.

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