Roland Dürre
Montag, der 18. Juni 2012

EURO + GRIECHENLAND + MILLIARDEN + ZUKUNFT

Am Sonntag Abend habe ich mal wieder „Nachrichten geschaut“. Übrigens ein blödsinniger Euphemismus! Wie schaut man Nachrichten an?

Aufgefallen ist mir, dass von einer „Schicksalstunde für Europa“ gesprochen wurde. Nur weil da eine klitzekleine Wahl in einem klitzekleinen Land in Europa war. Das am nächsten Freitag eh dann so richtig im Fußball Dresche kriegt. Weil es so böse ist.

🙂 Oder vielleicht für die Sensation sorgt. So etwas ist ja im Fußball möglich.

Aber man spricht von“Schicksalsstunde“, und gleich für Europa! Schon wieder so ein Euphemismus. Stehen wir vor dem nächsten „Europakrieg“?

Was soll das?

Da ist mir die Entscheidung in München gegen die dritte Landebahn schon wichtiger. Vielleicht ist das wirklich eine Kehrtwendung weg von der Beton-Chrom-Jetset-Gesellschaft? Ich wage es noch nicht zu hoffen.

Aber zurück zu den Milliarden, Verzeihung Billionen. Eine Billion heißt im deutschen Sprachgebrauch 1000 Milliarden. Vorsicht, im englischen ist das anders!

Da habe ich auch in den Nachrichten gehört, wie gut es für uns Deutsche wäre, dass Griechenland jetzt im EURO bliebe (?). Sonst hätten wir Deutschen nämlich weitere Kosten in der Höhe von mehr als 100 Milliarden zu tragen.

Ist doch auch schon wieder Bullshit. Aber selbst, wenn es so wäre, was sind in diesem Spiel denn 100 Milliarden? Die öffentlichen Körperschaften der BRD haben in der Summe Schulden von weit mehr als zwei Billionen EURO. Vor gar nicht langer Zeit waren es noch knapp zwei Billionen. 100 Milliarden sind da nicht mal 5 % mehr. Ist doch lächerlich.

Und die Schulden steigen zurzeit sowieso schneller als je, trotz „Schuldenbremse“ (auch so ein sprachlicher Blödsinn) und „sprudelnder Steuereinnahmen“. Da kann auch ein „Spardiktat“ oder „Fiskalpaket“ (wieder doppelt sprachlicher Blödsinn) nichts ändern. Das System hat sich entpersonalisiert und es läuft so, wie es halt läuft.

Auch ob wir ein wenig früher oder später die 3-Billionen-Schuldengrenze erreichen, ist völlig bedeutungslos. Es ist doch so einfach:

Schulden in solchem Umfange, ob in Deutschland, Griechenland, in Europa oder in der USA können doch nur durch Inflation (oder noch besser Zusammenbruch der Währung) geheilt werden.

Bleiben wir bei der freundlicher erscheinenden Inflationslösung (vom Zusammenbruch reden wir nicht, da er mir zu unwahrscheinlich erscheint):

Wenn wir innerhalb eines bestimmten Zeitraums (sagen wir mal 5 Jahre) von 2 Milliarden nominal auf 1 Milliarde Realschulden wollen, dann muss sich halt der Geldwert halbieren. Wollen wir von 3 nominal auf 1 Milliarde real, muss sich der Geldwert dritteln. Und das ist inflationär gesehen doch kein so ganz großer Unterschied.

Denn, erstens ist es ja nicht schlecht, wenn die ganz Reichen einen Teil ihres Reichtums mal wieder abgeben müssen. Wer verliert und wer sogar noch hinzu gewinnt, hängt doch nur vom Anlage-Mix ab. Und da gibt es auch keine sicheren Strategien für die Reichen. Gold und Immobilien müssen hier nicht unbedingt funktionieren. Deswegen sind die Verlierer ja auch meistens in der Mehrzahl. Und so mancher Millionär ist schon verarmt.

Die wirklich Armen, die nur ihre Rente haben, sind leider die wahren Verlierer. So wie das „Großmütterchen mit dem Sparbuch“. Oder dem Empfänger von „Hartz 4“. Und vielen mehr. Aber das kommt doch sowieso und wird nur gelindert werden können.

Vielleicht ist die Lösung dann doch so eine Art „Bedingungsloses Grundeinkommen“ – gepaart mit ergänzenden Tätigkeiten in typischen Niedriglohn-Beschäftigungen. Zu tun gäbe es in dieser Gesellschaft genug – auch für „sogenannte soziale Randschichten“ und „Niedrig Qualifizierte“ (wieder so Un-Worte).

Wenn wir von Inflation reden, dann wird oft vergessen, dass viele Elemente des Basisbedarfs wie z.B. Nahrungsmittel trotz eines gewaltigen inflationären Effektes bei uns in Deutschland relativ billig sind. Die inflationären Effekte wurden in der Vergangenheit bei vielen Produkten durch eine „Erhöhung der Produktivität“ und durch „Bereitschaft zum Qualitätsverzicht“ abgefedert.

Der zweite Punkt ist mir unverständlich. Aber erklärbar durch eine (schleichende) Adaption an die Verschlechterung der Lebensqualität, gestützt durch massives Führen der Konsumenten per Marketing für schlechtere aber attraktiv gelabelte Produkte und dem Verkaufen einer vermeintlich erhöhten aber in Wahrheit eher entarteten Lebensqualität.

Mit dem ersten, der Anstieg der Produktivität könnte es bald vorbei sein. Denn der „Produktivitätsanstieg“ ist nur zum Teil das Ergebnis von „echter Kreativität“ und „innovativen Lösungen“. Vielmehr ist er meistens einem verschwenderischen bis zerstörerischen Umgang mit Natur und Ressourcen und einer systematischen Ausbeutung von Menschen hier und in anderen Regionen der Welt geschuldet. „Nicht nachhaltiger“ Umgang mit Mensch und Natur wäre hier auch wieder so ein Euphemismus.

Und gerade die wohlhabenden Menschen ändern ihren Konsum. Qualität geht immer mehr vor Quantität, das „Weniger“ wird attraktiver als das „Mehr“.

Wir haben viele Probleme, die immer sichtbarer werden. Die werden wir aber nur mit Kreativität, Innovation und Umdenken lösen können. Nicht mit „gutem Funktionieren“ in „eingefahrenen Gleisen“!

Also – auf geht es!

RMD

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