Roland Dürre
Sonntag, der 12. Februar 2012

EURO oder NICHT EURO – das ist die Frage ?

🙂 EURO(PA)-Politik am Sonntag

Mein Poll zum EURO (bzw. die Ergebnisse des selbigen) – gleich rechts zu sehen – schlägt ein paar kleine Wellen. Durch Rückmeldungen angeregt überprüfe ich meine Meinung zu diesem Thema.

Und komme zum Ergebnis, dass es wahrscheinlich überhaupt keine Instanz gibt, die verlässlich und valide aussagen kann, welche Bedeutung eine gemeinsame Währung für EUROPA in der heutigen Zeit (Neuzeit 2.0 ?) wirklich hat. Ich bin mir auch nicht so sicher, dass der EURO einzelne Volkswirtschaften wie Deutschland wirklich bevorzugt und den Rest benachteiligt. Oder hat die in der BRD damals ja in allen Bundesländer einheitliche DM den Freistaat Bayern bevorzugt und die Bundesländer im Norden benachteiligt?

Darüber hinaus könnte ich mir auch vorstellen, dass für Deutschland eine härtere Wettbewerbssituation (ohne EURO) – wie sie z.B. die Schweiz hat – wünschenswert wäre. Habe oft den Eindruck, dass man es uns in Europa zurzeit zu leicht macht.

Das Global- wie das Binnen-Wirtschaftssystem mit seinen vielen Absurditäten erscheint mir zu kompliziert, um es vorhersagbar zu machen. Mein Eindruck ist, dass da mehr wird spekuliert als verstanden wird. So kann ich in der wirtschaftlichen Dimension zum EURO nichts beitragen.

Aber ich habe eine Reihe von Sorgen:

Sorge 1:

Wenn ein Land (ein Haushalt, ein Mensch, eine Kultur …) über seine Verhältnisse gelebt hat, dann bekommt es früher oder später die Quittung in Form einer Verschlechterung seiner Lebensbedingungen. Das ist wohl unvermeidlich.

Was aber ist „psychologisch“ besser?

Wenn dieses Land

a) die Quittung für sein „Fehlverhalten“ automatisch – zum Beispiel durch Inflation und Abwertung – bekommt oder

b) wenn man diese von einem „Alles besser Wissenden“ präsentiert bekommt und dann dazu auch gleich noch die „Heilmaßnahmen“ diktiert? Besonders wenn der Diktierende scheinbar im Wohlstand lebt und selbst nur sehr vorgeschoben spart.

🙂 Dies weder mit Worten noch mit Taten.

Sorge 2:

Als Argument für die offizielle Politik der EU höre, ich es immer wieder:

Der EURO muss gestützt werden, um Europa zu retten!

So erhöhen sich die „EURO-Retter“ selbst zu „EUROPA-Rettern“. Dem halte ich dagegen:

Wir leben aber in einer Zeit des Zerfalls von großen, oft willkürlich und gegen den inneren Willen der Menschen zusammen gekettete Systeme. Die UDSSR ist in viele Staaten zerfallen. In Europa gibt es kein Jugoslawien und keine Tschechoslowakei mehr, autonome Regionen nehmen eher zu.

Ähnlich erleben wir diese Entwicklung in Afrika und Asien. In Kanada, USA, Mittel- und Südeuropa kenne ich mich zu wenig aus.

Das sollte uns zu denken geben. Ist es also klug, ohne Rücksicht auf sozial-psychologische Widerstände eine zentralistisch gesteuerte EUROPA-UNION bauen zu wollen? Motiviert durch Grossmachts-Sucht. Weil man mit den Amis und Chinesen auf der Weltbühne mitspielen möchte? Hat EUROPA das denn wirklich nötig? Und gefährden, ja zerstören wir mit solchen Gelüsten nicht den europäischen Gedanken?

Sorge 3:

Helfen wir mit der aktuellen EURO-Politik wirklich den Menschen in Ländern wie Griechenland? Können diese Länder so wirklich wieder auf die Beine kommen? Oder helfen wir nur unseren eigenen Banken? Und versuchen so unser eigenes obsoletes System zu retten? Also eine Art „Rettungslüge“ nach der „Rentenlüge„!

🙂 Sorge 4:

Wenn ich unsere Bayerische Staatsregierung richtig interpretiere, wäre Deutschland ohne Bayern doch auch schon längst pleite. Ich habe unseren Ministerpräsidenten Horst Seehofer auf dem IT-Gipfel persönlich sagen gehört, dass „Bayern schon ganz Deutschland gehöre“ (wegen des Länderausgleichs). War sicher scherzhaft gemeint. Dies hieße aber:

Bayern rettet Deutschland.

Deutschland rettet EUROPA.

Folgen wir der Logik:

Bayern rettet EUROPA.

Das gilt natürlich nur, wenn „retten“ eine „transitive Relation“ ist. Dass Bayern Europa retten kann, ist natürlich genauso unmöglich wie das Bayern Europa militärisch erobern könnte. Auch wird am bayerischen Wesen nicht die Welt genesen …

Zusammenfassung:

Wenn ich meine „Sorgen“ durch lese, bin ich noch mehr der Meinung, dass wir ein EUROPA der Regionen und Kulturen brauchen, in dem die Völker demokratisch und freiheitlich in Vielfalt zusammen leben und die verschiedenen Nationen sich wertschätzen und mögen.

Und wünsche mir kein zentral organisiertes EUROPA, in dem der zentrale Zuchtmeister regiert und der NORDEN meint, er könne dem SÜDEN bei bringen, wie er zu funktionieren hätte.

RMD

P.S.
Es wird auch schon wieder von EURO-ZONE geschrieben und gesprochen. Zum Beispiel gestern in der Welt. Nomen est omen.

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1 Kommentar zu “EURO oder NICHT EURO – das ist die Frage ?”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 12. Februar 2012)

    I can well understand that somebody who has not lived outside Bavaria feels suspicious about German unity and even more so about the European Union. These foreigners speak a different dialect, or even a different language! Truth to tell, the „Franken“ and „Schwaben“ are a bit suspect to one like me who has lived half his life round Munich.
    Fragmentation has the advantage that the people in each small country are forced to manage alone as best they can. When things go wrong, they cannot well say that the Germans are to blame, (unless they have recently been invaded). But let’s admit that we still live in a world where largely might is right. There was military intervention in Libya and before then in a weakened Iraq, but other nasty states are too powerful for such treatment. One may think that Europe no longer needs to worry about being attacked, but commercial attack is still relevant. When a European court convicts a big American company of unfair business practices, even the Americans take notice. I believe that a similar decision by a Bavarian court would be less respected.
    Of course the European Commission has made some mistakes. I judge their work generally positively, but one cannot be sure. However I can see that the European Union was set up because politicians believed that was good. They could have got more votes by appealing to popular dislike of foreigners. I believe one should support the politicians in the unusual cases where they avoid populism.

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