Roland Dürre
Montag, der 3. Mai 2010

Euro

Der über viele Jahre privilegierte Wirtschaftsstatus des reichen Deutschlands der letzten 50 Jahre geht zurück. Ich meine, dass das aber nicht vor allem an uns selbst liegt. Wir in Deutschland sind immer noch genauso geschickt, kreativ und ideenreich, kompetent, tüchtig und fleißig, wie wir es die letzten Jahre waren.

Die Konstellation hat sich geändert. Unsere wirtschaftliche Macht geht weltweit zurück. Natürlich haben wir den Wohlstand, den wir uns in den Wirtschaftswunderjahren erarbeitet haben und den hohen Lebensstandard, den wir seit Jahren gewohnt sind, nicht nur unserer Tüchtigkeit zu verdanken. Wir haben auch von billigen Rohstoffen und Arbeitskräften außerhalb Deutschlands profitiert. Und wurden von der D-Mark als einer stabilen Währung mit einem Superruf verwöhnt.

So wurden wir mächtig und profitierten von der Schwäche anderer. Man muss nicht gleich von Ausbeutung reden, aber wir hatten schon extrem gute Margen bei unseren Exporten und konnten Rohstoffe, Nahrungsmittel und vieles mehr sehr billig importieren.

Diese Phase geht zu Ende. Wir erleben eine strukturelle Veränderung, gegen die wir uns nur sehr begrenzt wehren können. Das sollten wir akzeptieren.

Man sagt: Wenn man eine Bewegung nicht aufhalten kann, soll man sich an deren Spitze stellen. Genauso sollten wir es machen und den unvermeidlichen Rückschritt sinnvoll kanalisieren. Und dabei vor allem jegliche weitere soziale Polarisierung der Menschen in arm und reich, unterprivilegiert und privilegiert vermeiden.

Leider machen wir das Gegenteil. Unsere Politiker – nicht die Menschen – ignorieren die unvermeidliche Veränderung. Sie versuchen alles, um diese Entwicklung aufzuschieben. Und versuchen den strukturellen Verlust an Wohlstand mit Schulden auszugleichen. Das ging mit Immobilienblasen und Banken-Zocken an und geht jetzt auf Staatsebene weiter. Als nächstes platzt die „real estate“-Blase im Bereich von Gewerbeimmobilien und dann gehen wieder weitere Staaten bankrott.

Und in ein paar Jahren erwischt es auch uns. Aber wir machen weiter, als ob nichts los wäre und dies auf Kosten der Generationen nach uns. Und das ganze Gerede von der Sanierung des Haushaltes wie auch das „Schuldenbegrenzungsgesetz“ erweisen sich halt wieder mal als politisches Geschwätz von nicht mehr ernst zu nehmenden Vertretern einer verfilzten Oligarchie der Parteien.

Ich bin immer noch der Auffassung, dass man alle insolventen Systeme, ob Banken, Fonds, Staaten oder was auch immer, einer „kontrollierten Insolvenz“ hätte zuführen müssen. „Kontrolliert“, um die schlimmsten Schäden zu vermeiden. Dann hätten wir zwar viele „Lehmanns“, wären aber auf dem Weg zur Gesundung.

RMD

P.S.
Die mir persönlich bekannten durch die Lehmann-Pleite geschädigten Menschen waren alle samt recht wohlhabend. Sie sind Opfer ihrer Optimierungsstrategie geworden und haben ihre zum Teil beachtlichen Verluste zwar mit Ärger aber auch mit Würde getragen. Und keiner von ihnen ist deswegen ins soziale Abseits gerutscht.

P.S.1
Der Euro habe ich aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden. Es ist die alte Münze.

1 Kommentar zu “Euro”

  1. Chris Wood (Montag, der 3. Mai 2010)

    Good stuff Roland, but one should not blame it all on the politicians. The German electorate recently chose to install the most capitalistic available government. They could have all voted Green. No political party proposed a reduction in German living standard, but people can always set up such a party if enough believe in it.

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