Roland Dürre
Montag, der 31. Oktober 2011

Europa einen – so einfach ist das nicht (Fortsetzung)

Bei meiner letzten Radtour in diesem Herbst von München über Salzburg, St. Johann i.P., Bad Gastein, Villach, Tarvisio, Udine nach Grado war die Übernachtung in Prien am Chiemsee am billigsten. Früher waren die schönen Orte in Bayern immer viel teurer als die genauso schönen Orte im Schilling-Land Österreich oder im Lire-Paradies Italien.

Das ist vorbei. Auf unserer Tour habe ich in Bayern am preiswertesten übernachtet.

Auf den lokalen Märkten in den gestressten Ländern wie Griechenland, Italien, Portugal, Spanien kosten die Nahrungsmittel auf den Märkten richtig Geld. Das lokale Bier ist nicht mehr günstiger als das importierte. Sondern umgekehrt. Und den VW Polo gibt es dort billiger als bei uns – zumindest auf den Plakaten.

Die Kosten nähern sich an, die Einkommen jedoch differieren wesentlich.

Wie soll das funktionieren? Bei der Eingemeindung der DDR hatten wir ein ähnliches Problem. Es war klar, dass bei einer Anhebung der Gehälter in der DDR die meisten Betriebe dort sofort aufgeben müssen. Trotzdem haben wir die DM in der DDR eingeführt und die Gehälter zu 90% angepasst. Den Ruin der Betriebe haben wir in Kauf genommen, weil wir der Überzeugung waren, dass eine Zweiklassengesellschaft in einem Staat nicht funktionieren kann. Wir haben das teuer und auf Pump bezahlt. Und mit dem „Soli“, der – zu meiner Verwunderung – gerade jetzt gesenkt werden sollen.

Aber was für die DDR mehr schlecht als recht funktioniert hat, wird für Europa nicht klappen. Wir können nicht für alle Menschen in Europa Tariflöhne einführen , die nahe bei unseren sind. Zu viele Volkswirtschaften sind dort ähnlich kaputt, wie es die der DDR war. Und Reserven, die man angreifen könnte, gibt es auch nicht, da alle Länder schon jetzt extrem verschuldet sind.

Der Versuch, Europa durch eine so triviale Maßnahme wie eine einheitliche Währung zu einen, war nicht nur naiv sondern grob fahrlässig. Im Prinzip haben wir die DM auf alle beteiligten Länder ausgeweitet, wie seinerzeit auf die DDR. Nur dass wir dem Kind den neuen Namen Euro gegeben haben.

Ich fürchte, dass das Europa mehr geschadet als genutzt hat.

RMD

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4 Kommentare zu “Europa einen – so einfach ist das nicht (Fortsetzung)”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 1. November 2011)

    Why all this grumbling? All over the world, countries have different standards of living. This is partly due to how well they are run, and partly due to the readiness of the people to work hard and „efficiently“. Different countries do very little to help each other, presumably because each one’s population is pretty selfish. One has a little more cooperation between the states of the European Union, than between most others. In the medium term a little more cooperation would be better for all. But competition between different systems is a prerequisite for evolution.

    Gradual changes are less disruptive than abrupt ones, but sometimes it is helpful to shake things up. It looks as if the proposed Greek referendum may give Roland his desired state bankruptcy. I am interested to see how that will look. But of course, Roland and I can both maintain that things would have been better if the decision had gone the other way. The decision will be pretty random, as nobody will know exactly what is being voted for. The question will be worded to try to get the „right“ result. Anyway if Roland and I understand this so badly, how will the average Greek manage?

    If you look at the development of DDR and Czechoslovakia after leaving the Soviet empire, there was no huge difference. And any differences were probably mostly due to the language isolation of Czechoslovakia.

    Incidentally, a two-class society might be better than the multi-class society we have.

    Despite a certain mathematical ability, I am happy to be able to pay with € in several countries, rather than losing something on exchange, and having to convert prices. Surely it makes bookkeeping easier too. This is good except for those who want more jobs, however useless. It may not matter much to Roland with his largely inland business, but for my wife it is important.

  2. rd (Dienstag, der 1. November 2011)

    Lieber Chris,

    es ist ganz einfach. Die DM auf die DDR auszuweiten, hat noch so halbwegs funktioniert. Dazu musste zwar die gesamte Wirtschaft der DDR geopfert und wahnsinnig viel Geld aus der BRD in die DDR gepumpt werden.

    Ein Jahrzehnt später wurde die DM auf viele Länder Europas ausgeweitet und in EURO (€) umbenannt. Faktisch war das so, denn die DM war die einzig seriöse Währung in Europa. Den Abstieg des Franc und auch des Lire habe ich selbst miterlebt. Und wenn ich eine gemeinsame Währung für eine starke und viele schwache Währungen festsetze, ist das de facto eine Erweiterung der starken Währung auf die anderen Teilnehmer. Das englische Pfund war auch nicht besser, wurde aber nicht von der €/DM übernommen.

    Das hat für die DDR zwar – mit Ach und Krach – funktioniert. Aber es war klar, dass es für das viel größere Europa nicht funktionieren kann (Einkommensdifferenzen, Ausgleich durch Transferleistungen unmöglich …).

    Und nach zehn Jahren merken wir halt, dass es nicht funktioniert. So einfach ist es. Wasser fließt halt nicht bergauf …

  3. Chris Wood (Mittwoch, der 2. November 2011)

    Dear Roland, the story told in England is rather different. Before the German reunification, the pound and the DM had been tied together for some years. I.e. the exchange rate varied only slightly, (similarly the French franc).

    Then Kohl promised reunification without tax increase, so Germany had to borrow heavily. This drove up interest rates. Britain did not want to pay such high rates, so pounds were exchanged for DM to get the higher interest. Britain tried to maintain the value of the pound by selling off the gold reserves, (of course at a poor price), but that was too little. so the pound was devalued anyway. For years since then the value of the pound has been held fairly constant against the DM and then the Euro.

    The interesting question is why Germany could accept such high interest rates, but Britain could not. One possibility is the British habit of having a mortgage with variable interest to buy a house. Many home-owners could have been ruined. Devaluation reduced their debts, so they were the winners. A solid currency with relatively high interest rates benefits the wealthy at the expense of the rest. I suppose there are less poor in Germany than in Britain, and they are more docile.

  4. rd (Mittwoch, der 2. November 2011)

    Lieber Chris,

    das britische £ war lange Zeit (und ist es ja immer noch) eine ordentliche Währung, eigentlich nie mit z.B. der Lira zu vergleichen (Lira heißt übrigens auch ein Ort in Uganda 🙂 )

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