Roland Dürre
Sonntag, der 30. Oktober 2011

Europa einen – so einfach ist das nicht

Ich bin gerne unterwegs. Oft ganz individuell zu zweit mit dem Rad. Da sehe ich viel und bin den Menschen näher als bei anderen Formen des Tourismus. Das Sprichwort „(Rad-)Reisen bildet“ kann ich bestätigen, auf meinen Reisen habe ich viel gelernt.

Auch, dass ein geeintes Europa nur gut funktionieren kann, wenn es ein liberales Bündnis der Regionen wird. Mächtige Nationalstaaten sind nicht hilfreich, sie gefährden ein Europa der Freundschaft. Auch der Europa- und EURO-Zentralismus ist Gift für eine europäische Einigung der Menschen.

Zu multikulturell und zu facettenreich ist das gesellschaftliche und soziale Leben in Europa. Da darf man nicht mit der großen Gleichschaltung kommen. Die Bürger Europas sind zu intelligent, um ihre Eigenheiten für ein nationales Europa und Großmachtträume aufzugeben. Eine Erhöhung Europas wie „God’s Own Country“ (USA) gibt es bei uns glücklicherweise nicht. Ideologische und nationalistische Visionen vom europäischen Übermenschen sind für Europa kaum vorstellbar.

Auch der Euro hat da nichts geändert. Da gibt es viele wesentliche Probleme. Eines ist die unterschiedliche Einkommenssituation in den Ländern Europas. Eine junge Frau mit einer „normaler“ Ausbildung erzielt in Deutschland ein Monatseinkommen von 2.000 – 3.000 €. Auch in Ländern wie in Dänemark, Frankreich, Holland, Norwegen und Schweden hat sie gute Chancen, ein vernünftiges Auskommen zu erreichen. In Italien wird es schon schwieriger.

Die gleiche Frau mit ähnlicher Qualifikation wird im Baltikum oder in Polen, in Rumänien, der Slowakei, Tschechien oder Ungarn höchstens ein Fünftel dieses Einkommens erreichen. Das gilt für EURO-Länder genauso wie für die Länder Europas. Die Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Ländern liegen aber nicht so weit auseinander wie die Einkommen. Gerade in den Ländern mit den niedrigsten Einkommen steigen die Preise besonders schnell. Das gilt für die EURO-Länder Europas genauso wie für Nicht-EURO-Länder. Deutschland ist billig, der Rest teuer geworden.

Europa wird nicht zusammen gehen, wenn Saisonarbeiter als Billigstlohn-Nomaden durch Europa ziehen und junge Frauen aus den einkommensschwachen Ländern in den reichen Ländern Europas auf den Strich gehen.

RMD

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