Roland Dürre
Mittwoch, der 5. September 2012

Familienpolitik

Im Gymnasium bin ich im Fach „Sozialkunde“ unterrichtet worden, dass eine Ursache der Überbevölkerung der Welt wäre, dass es in vielen Ländern keine Sozial- und insbesondere Rentensysteme gäbe. So wäre dort Kinderreichtum die einzige Möglichkeit, sich vor Elend im Alter zu schützen. Dies wiederum würde dann natürlich kollektiv zu noch größerer Armut und somit in einen Teufelskreis führen.

Das hat mir damals durchaus eingeleuchtet. „Gebt den armen Nationen verlässliche Rentensysteme und das Problem der Überbevölkerung löst sich von selbst“. Diese Botschaft habe ich dann auch später in meinem Leben so oder ähnlich immer wieder gehört. Auch das fand ich nicht unlogisch.

Heute höre ich, dass wir in Deutschland zu wenig Kinder haben. Ein Anliegen der nationalen Familienpolitik ist, die Kinderquote pro Frau zu erhöhen. Ich mag das nicht bewerten. Es gibt ja in der Tat viele Kinder auf der Welt.

Ich glaube aber nicht, dass die Ursachen für unsere Kinderarmut die Rentensysteme sind. Vielfach nehme ich andere Ursachen wahr: Angst vor der Zukunft und vor  lebenslanger Verpflichtung, eine veränderte Bereitschaft zu verbindlicher Partnerschaft, trivialen Egoismus, Priorisierung von Konsum und Konzentration auf (vermeintliche) Selbstverwirklichung. Gesellschaftlich wird gerade für intelligente junge Frauen auch in Beziehungen die „Kein-Kind-Variante“ immer mehr zum Normalfall in der Lebensplanung einer Frau.

Darüber kann man denken, wie man will. Ich meine dazu, dass dies jeder für sich selbst entscheiden muss. Genauso, wie er seine emotionalen und emphatischen Bedürfnisse realisiert – ob in einer Partnerschaft, mit Kunst oder durch Haustiere – wie auch immer.

Unsere Familienministerin hat aber anscheinend den selben Sozialkunde-Lehrer wie ich gehabt und hält sich an mein Schulwissen. Und kehrt den Schluss ganz einfach um und sagt sich: Wenn ich mit einer verlässlichen Rente Kinderarmut produziere, dann muss ich doch nur diese Rente abschaffen, um wieder Kinderreichtum zu generieren.

Das nenne ich eine logische und konsequente Politik!

RMD

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