Roland Dürre
Sonntag, der 22. März 2020

Freiheit in der Korona-Krise.

Großer Empfang – mit Baby-Fläschchen.

Heute morgen in Bayern 2 höre ich um 8:30 die „Evangelischen Perspektiven“.

Es gibt einen Beitrag von
Friederike Weede:

Freiheit – wirklich das einzige, was zählt?
Der Zwang zur Normalität und wie man ihn los wird.

Man findet den Beitrag als Podcast im Bayerischen Rundfunk. Ich kann empfehlen, ihn anzuhören.


Der Titel der Sendung ist schon verdächtig:

Freiheit – wirklich das einzige, was zählt?

Das klingt wie eine rhetorische Manipulation, die schon dialektisch impliziert, dass Freiheit eben nicht alles ist. Was eh klar ist, denn Singularitäten sind immer einfältig.

Dazu passt der erste Satz:
„Wir erleben zurzeit, wie unsere Freiheit massiv eingeschränkt wird. Aus Solidaridät und für die Gesundheit“.

Wenn ich das höre, bin ich in Sorge, dass die Autorin / Urheberin dieses Satzes den Begriff Freiheit nicht verstanden hat.

Ich kannte mal Männer, die den Begriff der Freiheit auch nicht verstanden hatten. Aber die gleichwohl bereit waren, für die Freiheit  zu sterben. Also für etwas, das sie nicht verstanden haben.

Für mich bedeutet Freiheit,
„willens und fähig sein, mein Leben eigenverantwortlich zu führen“.
Ich meine, dass dieser Definition folgend die Corona-Krise meine Freiheit eigentlich gar nicht einschränkt. Im Gegenteil, fast fühle ich mich „freier“, als zu „normalen“ Zeiten.

Betrachten wir den zweiten Satz der oberen Aussage:
„Aus Solidaridät und für die Gesundheit“.

Was ist Solidaridät?
Mit wem sind wir solidarischMit den alten und dementen Menschen? Nein, das sind wir nicht. Denn wenn die Gesellschaft mit diesen solidarisch wäre, dann würden sie nicht abgeschoben in Heimen dahin vegetieren. Und in Wirklichkeit sind wir froh, das wir sie jetzt aus lauter Solidarität nicht mehr besuchen müssen bzw. dürfen.

Und was ist Gesundheit?
Ich halte mich doch nicht an die Regeln, weil ich Angst habe am Virus zu erkranken! Wir befolgen die Regeln doch überwiegend aus Angst vor der Strafe. Vielleicht auch noch weil wir Angst haben, sonst von einer „moralischen Gesellschaft“ als „soziale Schädlinge“ ausgegrenzt zu werden.

In der evangelischen Sonntagssendung haben sie dann auch das Lied Me and Bobby McGee von Janis Joplin gespielt. Sie singt da:
Freedom is just another word for nothing left to lose!

Akzeptiere ich diese Definition als gültig, dann muss ich sagen, dass wir auch in unserer Krise noch beliebig viel zu verlieren haben, bis wir frei sind.

Ich hatte heute Nacht eine wunderbaren Schlaf in einer leiseren Welt. Das Frühstück war fantastisch. Ich durfte Radio hören und diesen Artikel schreiben. Und jetzt gehe ich dann an die Sonne zu einem einsamen Spaziergang. Den werde ich nutzen, um mit ein paar mir wichtigen Menschen in aller Welt zu telefonieren.

Wenn das, was hier zurzeit haben, Krise ist, dann ist Krise gar nicht so schlecht. Und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich diese Art von Krise nicht ganz gut leiden kann.

In IF-Blog habe ich schon oft zur Freiheit geschrieben. Das sind alles Artikel, die ich anlässlich der evangelischen Sendung zur Freiheit wieder gelesen habe. Und auf die ich ein wenig stolz bin.

RMD

2 Kommentare zu “Freiheit in der Korona-Krise.”

  1. Hans Bonfigt (Sonntag, der 22. März 2020)

    Sie haben da eine tolle Definition von Freiheit.
    Die Evangelen würden Sie dafür hassen.

  2. rd (Sonntag, der 22. März 2020)

    Es gab mal in den 60igern ein universitäres Projekt betreffend Freiheit. Philosophie-Studenten wurde eine Auswahl von Definitionen des Begriffs Freiheites angeboten. Sie sollten ankreuzen, welche Definition sie bevorzugten. Darunter war auch:

    „Willens und fähig sein, sein Leben eigenverantwortlich zu führen“.

    Die große Mehrheit der Teilnehmer wählte diese Definition.

    So kam ich auch auf sie.

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