Roland Dürre
Freitag, der 14. Januar 2011

Functional Food – schöne Aussichten

Functional Food soll das nächste Milliardengeschäft unserer umsatz- und profitgierigen (Food)-Industrie werden. Die Anleger überschlagen sich schon jetzt vor Freude über diese schöne Aussicht. Auch wenn der Spiegel mit einem Artikel die Erwartungen ein wenig relativiert, ist das eine tolle Perspektive für eine einseitig auf „shareholder value“ ausgerichtete Wirtschaft. So hat es Nestlé schon in die Top 10 der Unternehmen weltweit (Kriterium Kapitalisierungswert) geschafft und ist zum Jahresende 2010 zur Nummer 9 geworden (hier die Liste der Top 10 Unternehmen weltweit).

Den Konsumenten verspricht Functional Food wahre Wunderdinge. Das Lebensalter soll weiter auf über 100 Jahre steigen und dies ohne lästige Begleiterscheinungen wie Altersverwirrtheit oder Ähnliches. Wir sollen beliebig viel essen dürfen und trotzdem ohne Aufwand und Bewegung schlank bleiben. Und so ziemlich alle Krankheiten könnten mit Functional Food besiegt werden.

Irgendwie eine doch sehr fragwürdige, wohl unrealistische und letzten Endes abscheuliche Vorstellung.

Ich habe von solchen Versprechungen die Nase voll und wünsche mir einfach wieder anständiges Essen zurück. So, wie es mein Vater in seinem Schrebergarten an der Wertach produziert hat. Eine Tomate, die wieder schmeckt wie eine Tomate.

Ich wünsche mir eine Vielfalt der Produkte und Geschmäcker und keine Beschränkung auf möglichst wenig besonders ertragreiche und gegen chemische Keulen oder Schädlinge resistente Sorten. Ein solchermaßen differenziertes  Nahrungsmittelangebot wäre wahrscheinlich unter dem Strich gesünder für Mensch und Natur als genetisch gleich geschaltete Einheitspflanzen und -tiere. Also: Bitte keine Monokulturen sondern intelligenten Mischanbau.

Außerdem wünsche ich mir, dass Nahrungsmitteln nachhaltig und zumindest ein wenig schöpfungsgerecht hergestellt werden und neben dem Produzieren auch das Erhalten wieder zum Ziel von Landwirtschaft wird.

Von Functional Food erwarte ich genau das Gegenteil. Es wird zu einer weiteren Reduzierung und Konfektionierung des Nahrungsmittelangebots führen und die Herstellung noch mehr zum industriellen Prozess machen.

Das einzig real existierende und aktuell verfügbare und funktionierende Functional Food ist übrigens die Muttermilch, wie die SZ wunderschön in Mamas Wundercocktail schreibt.

Aber auch da gab es Zeiten, da galt Stillen als unhygienisch und unschick. Ich habe das selbst bei unserer ersten Tochter erlebt (geboren 1980). Uns wurde von vielen Seiten vom „Stillen“ abgeraten Die Barbara hat dann trotzdem gestillt hat, zum Unverständnis beider Großmütter.

Und natürlich wurde in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg den Menschen und Müttern von denselben Konzernen das Stillen ausgeredet, die sich heute mit Functional Food neue gigantische Märkte schaffen wollen und dies mit infamen Marketing auch durchsetzen werden – genauso wie sie ungesunde Nahrungsmittel für Heranwachsende gezielt vermarktet.

RMD

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7 Kommentare zu “Functional Food – schöne Aussichten”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 13. Januar 2011)

    A man has, on average, exactly as many children as a woman. That is why evolution produces as many males as females. The argument is somewhat circular, but still correct.
    Nevertheless one can argue that, regarding fertility, cleverness matters more for men than for women. Then it would make sense for a mother to invest in the intelligence of a baby more for a son than for a daughter. But this does not fit the fact that, given reasonable education, the daughters turn out just as clever as the sons, (despite smaller brain size)!
    Is there another possible explanation for the amazing fact that breast-feeding enhances cleverness in sons, but not in daughters? I think it likely that this is a psychological effect in mothers! They tend to relate well to daughters anyway. But the relationship to a son will be enhanced by breast-feeding, thus enhancing his intelligence.

  2. Chris Wood (Donnerstag, der 13. Januar 2011)

    I read recently that a Mr. Kurzweil, (roughly my age), has extrapolated from the development of science, and believes that immortality will be possible by 2050. He thinks that by then all data can be downloaded from a brain, so that conscious-life can then continue via computer „simulation“. He takes this so seriously that he is taking every possible measure to try to live till then. He is heavily into „functional food“. He is an American, rich through writing clever computer programs.
    I am sure science will not move that far by 2050. Exponential growth is running into the limits of our planet. But I am not sure that 2100 will not see such developments.
    In a world changing as fast as that, will it then be possible for certain humans to organise their immortality? I doubt it. There will be dramatic social changes, to go with the scientific changes. The world will be taken over by beings with little interest in any human longing for immortality.
    My prediction for 2100 is anyway less dramatic. I expect that mankind will mess things up, perhaps enough to destroy civilisation.
    One of my earliest memories is of the centenary celebration of my local cricket club in 1947. I would like to attend the celebration in 2047.

  3. Chris Wood (Donnerstag, der 13. Januar 2011)

    Roland, this back-to-nature nostalgia is pretty unrealistic. It is only through pretty intensive farming that the world’s increasing population cam be well fed. OK, if we all become vegetarians, much lower farming intensity will be needed. But there is considerable resistance to this.
    The natural countryside has been destroyed more by agriculture than by industry.
    Despite the dreadful chemicals in our food, people in the rich nations now have longer healthier lives than ever before. Even in the poor nations, despite the selfishness of the rest of us, life is getting better.
    You are still young enough to see that we need intelligent progress rather than nostalgia. I used to collect horse dung to fertilise the potatoes, but I guess we are both now too fine for such activities.

  4. Enno (Donnerstag, der 13. Januar 2011)

    Moin moin Roland,

    in Bioläden wirst du Essen finden, dass ungefähr den Anforderungen entspricht, die du gestellt hast. Das trifft insbesondere zu, wenn die Produkte von den Anbauverbänden (Naturland, Bioland, Demeter, ecovin und einigen regionalen) zertifiziert wurden.
    Neben dem Verzicht auf chemische Spritzmittel, Kunstdünger etc. werden hier noch Anforderungen gestellt, wie dass die Tiere mit Futter vom eigenen Hof gemästet werden, dass die Pflanzen mit Gülle von den eigenen Tieren gedüngt werden, dass die Bodenqualität (insbesondere bei Demeter) gehalten wird etc.
    Das bedeutet in vielen Fällen auch einen regelmäßigen Wechsel der angebauten Pflanzen, um den Boden auch ohne Kunstdünger ertragreich zu erhalten.

    In einer Marktstudie habe ich vor einigen Wochen gelesen, dass (neben Gesundheit, Umweltbewusstsein und persönlichem Kontakt) sich viele ältere Menschen für Bioläden begeistern können, weil es „schmeckt wie früher“. Prüfen kann ich das aber nicht.

  5. rd (Donnerstag, der 13. Januar 2011)

    Lieber Chris,
    natürlich muss ich Dir zum letzten Beitrag widersprechen.
    Variante a) Zumindest bei uns würde eine Reduzierung der Verschwendung und sinnlosen Vernichtung von Nahrungsmitteln eventuell noch kombiniert mit einer Reduktion des Fleischverzehrs genügen, um wieder vernünftig zu produzieren.
    Variante b) Wenn man bereit wäre, für die Nahrungsmittel nur annähernd so viel auszugeben wie fürs Auto, könnte man die Situation auch deutlich verbessern.
    Auch das mit „längeren und gesünderen Leben“ ist eine der vielen neuen Unredlichkeiten. Die Lebenserwartung und das Gesundheitsniveau sinken schon seit einiger Zeit, vor allem bedingt durch schlechte Ernährung und Lebensgewohnheiten …

  6. Chris Wood (Sonntag, der 16. Januar 2011)

    Dear Roland, please look at
    http://www.cbs.nl/en-GB/menu/themas/bevolking/publicaties/artikelen/archief/2010/2010-3036-wm.htm
    This shows a human life expectancy increase in Europe of about 2.5 years in the last 10 years, (more for males, less for females).
    So in what sense is it „unredlich“ to refer to longer life and better health? This strange word makes it sound as if one should not say such things even if true. Or do you have your own special statistics?
    Of course this concerns people dieing now. Nobody can know what will happen next. We may all be killed by a giant meteor or volcano.
    Of course people may care little about infant mortality.

  7. rd (Sonntag, der 16. Januar 2011)

    Lieber Chris,
    Du musst nicht die Statistiken nehmen. Da stehen die Menschen drin, die heute 80 sind. Die waren vor 40 Jahren 40, vor 50 Jahren 30. Jetzt schau Dir mal die Mehrzahl der heutigen 30- und 40-jährigen an, und überlege mal, wie alt die werden werden. Das ist der Punkt. Du wirst sehen, die Lebenserwartung fällt und das längere Leben wird eher ein längeres Dahinsiechen. Schöner Fortschritt.

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