Roland Dürre
Montag, der 15. August 2011

Future is female

Ich weiß nicht, ob ich ein Macho war. Wahrscheinlich bin ich im Innersten immer noch einer. Habe auch nie viel darüber nachgedacht, ob man Führungspositionen in Politik und Wirtschaft mit männlichen oder weiblichen Personen besetzen sollte.

Frauenquote und ähnliches waren für mich evolutionäre Kapriolen im unaufhörlichen Weg der Veränderung. Aber mit jedem Jahr an Erfahrung wird es mir mehr und mehr klar:

Future is Female

und ich glaube es wirklich

Das 21. Jahrhundert ist weiblich!

Warum?

Ganz einfach: In Zukunft werden Egomanie und demonstrierte Omnipotenz ihre Wirkung als strategische Waffen verlieren. Mit männlichem „Hoppla – jetzt komme ich“ und „Ohne Rücksicht auf Verluste“ kommen wir nicht weiter. Das Zeitalter der schneidigen Siegertypen, funktionalen Technokraten und dominanten Abenteurer geht zu Ende.

Neue Werte braucht die Gesellschaft!

Dazu gehört die Toleranz (inklusive der Intoleranz gegen Intoleranz), die Bereitschaft zuzuhören, der Wille und die Fähigkeit zur Partnerschaft gepaart mit der Bereitschaft notfalls gegen den Strom zu schwimmen.

All diese Eigenschaften erscheinen mir alles andere als männlich. Auch Demut und Empathie sind weibliche Qualitäten, die eine herausragende Bedeutung für die Entwicklung einer menschlichen Zukunft haben werden.

Wir brauchen Demut gegenüber der Schöpfung aber auch für uns selber. Nur mit aktiver Demut können wir dem uns selbst anerzogenen, männlichen Wahn begegnen, dass man alle Probleme funktional lösen könne. Und Empathie muss global gelebt werden, um unseren Planeten retten zu können.

Frauen verfügen über eine höhere Liebensfähigkeit als Männer.

Unsere Fähigkeit zur Liebe wird über die Zukunft entscheiden. Frauen verfügen über eine höhere Liebensfähigkeit als Männer. Ein deutscher Junge weint nicht heißt es im Film Das Wunder von Bern. Das habe ich auch so gelernt. Und für mich macht es keinen Unterschied, ob Männer so konditioniert worden oder genetisch konstruiert sind.

Die Macht der Weiblichkeit.

Erotik und Liebe bedeuten aber auch Macht. Sie sind Schlüsselparameter für wirksamste Führung. Manager müssen Lieben lernen, um wirklich erfolgreich zu sein. Und wie leicht besonders „mann“ mit Erotik gesteuert werden kann, hat Dan Ariely in seinem wunderbaren Buch Denken hilft zwar, nützt aber nichts! beschrieben.

Aus Männersicht hätte ich gestern gesagt:

Wehe uns Männern, wenn die Frauen sich dieser Macht bewusst werden und sie dieses Potential als Führungsqualität erfolgreich einsetzen.

Heute freue mich, wenn Frauen aufbrechen, um das männliche Dogma von Siegen und Übertrumpfen zu überwinden. Das kann für uns alle nur eine bessere Zukunft bewirken und die Entwicklung einer weniger polarisierten Gesellschaft mit ihren enormen Spannungen unterstützen.

Also liebe Frauen, bewahrt Euch und stärkt Eure Weiblichkeit! Vermeidet ganz bewusst jede „Vermännlichung“ ihm Denken und Handeln!

RMD

P.S.
Ich kenne eigentlich nur ein Gebiet, in das Frauen (und auch Männer) sich nicht hinein ziehen lassen sollten. Das sind Kriege und die Armeen dieser Welt. Frauen sollten helfen Kriege zu vermeiden und nicht Kriege führen.

Also:
Kriege und Armeen abschaffen an Stelle der Öffnung von Armeen für Frauen. So wünsche ich mir die Utopie einer entwickelten Welt, die auf Kriege und ähnlichen Blödsinn verzichtet. Und träume von einer Gesellschaft ohne Rache und Strafe.

P.S.1
Gerade in Twitter gelesen:

spruch Marie aus Kölle
Ein wirksames Heilmittel gegen Angst ist Milde. (Lucius Annaeus Seneca)

Da kommt mir der Gedanke:
Männer produzieren die Ängste – Frauen heilen sie mit Milde.
Also – Frauen an die Macht!

P.S.2
Jetzt hoffe ich nur, dass die Männer diesen Artikel nicht in typisch männlicher Art als Quatsch abtun oder versuchen, mich mit ein paar „vermännlichten“ Ausnahmefrauen zu widerlegen.

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7 Kommentare zu “Future is female”

  1. Petra Richard (Montag, der 15. August 2011)

    Sehr geehrter Herr Dürre,
    vielen Dank für Ihren wunderbaren Artikel. Es ist tatsächlich so: Um die nächste Stufe der Evolution, unserer Lebensform als Mensch zu sichern wird genau diese Liebesfähigkeit benötigt. Erst wenn wir dieser Liebe erfahren und sie auch in allem Tun reflektieren, sind wir in der Lage kluge, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, die im Sinne der Schöpfung sind. Der Begriff Innovation meint Neuschöpfung. Das beinhaltet die Erfindung des Selbst, gemessen am autotelischen Selbst, dem Ideal des selbstverantworteten Menschen. Die Entwicklung des Selbst oder der Trend des Selfness verändern die Gesundheitsbranche, die Berufswelt und den gesellschaftlichen Wandel. Sobald uns klar wird wie der Mensch in der Natur eingebunden ist, erschließen sich uns Potentiale, welche über alles hinausgehen was vorstellbar ist. Die Rolle der Weiblichkeit ist dabei überaus wichtig. Erotik und Kunst der Liebe als wirksamste Macht eingesetzt, kann nicht missbrauchen. Liebe und Macht sind kein Gegenpol, sondern der Tanz zu etwas Höherem, der weit über die Grenzen der Geschlechterfrage hinausgeht.

  2. Chris Wood (Dienstag, der 16. August 2011)

    I am writing a comment for Roland, but first a few words for Petra. You mention the „Sinne der Schöpfung“, (and Roland also mentioned „Schöpfung“). Is there any evidence that creation has a meaning? If so what?
    In English, a word like „creation“ to some extent implies a creator. Roland tells me that German is different; for instance „vorbehalten für jemanden“ (reserved for someone) does not suggest somebody who reserves. I think „innovation“ just means something new, even in „new German“, rather than involving an „autotelischen Selbst“.
    I agree that it is effective to recognise that we are part of nature, which involves symbiosis, as well as being red in tooth and claw. But the power of erotic can surely be misused, (unless one denies the existence of use and misuse).
    If the future is unimaginable, how can one know that womanliness will be important?

  3. rd (Dienstag, der 16. August 2011)

    Vielleicht ist Ordnung das richtige Wort?

  4. Chris Wood (Dienstag, der 16. August 2011)

    Dear Roland, I hope you got permission from Barbara to publish this?
    Your experiences with women have been very different from mine! I list a few of these differences:
    • Most women I have met have talked more than they listen. If you think women are more ready to listen, it is probably because you keep talking in their company.
    • Most women that have been close to me have tried to run my life. Zuzana is the one who does it best, which is why I married her.
    • I have loved many women, but most women are much more limited than that. Most love only family

    Historically, women in power have got involved in many wars. In England I can mention Boadicea, Elisabeth I, Victoria, and Mrs. Thatcher; and among foreigners, Joan of Arc, Catherine the Great, Golda Meier, Indira Gandhi , and Sirimavo Bandaranaike. Considering how few women leaders there have been, that is a high proportion.

    But now I shall get even more serious. Roland, you really are a dreamer, or perhaps it is just that you don’t look beyond the horizon. I have a theory that people who live in places like Munich, where the horizon is up to 100 miles away do not bother to look beyond it. It is from places like London or Cambridge that one sets out to discover the world or the universe. (In Cambridge one can see almost nothing outside town, even from the top of the railway bridge).

    Women have very slowly gained some power in USA and West Europe. But they are still some way behind the men, and I see signs that this advance is grinding to a halt.
    In the rest of the world, their situation is bad, and getting even worse. Look what is happening in Somalia. In the Magreb, the men are fighting for freedom, but women have a largely passive role. In Iraq women are more disadvantaged than under Sadam. In Afghanistan, they are hardly better off than under the Taliban, (who are again getting more powerful). In China, the men are in control, and women are so underrated that the population will soon have a 5:4 ratio of men to women. India is similar. And note that China and India are supposed to be the coming countries.

    Roland, have I commented in typical male style? By that do you mean with humour, logic and realism?

  5. rd (Dienstag, der 16. August 2011)

    Und mit typisch männlicher Ignoranz! 🙂

  6. six (Dienstag, der 16. August 2011)

    Lieber Chris,

    dass Du die Zukunft „unimaginable“ siehst, ist für einen Anhänger der evolutionären Denkmethode folgerichtig – den deren Erkenntnishorizont ist rein retrospektiv (ausser der Vorhersage, dass die Zukunft wieder nach Mutation und Selektion stattfinden wird). Allerdings dürfte Dir dabei ein wenig die (von Dir auch geschätzte) naturwissenschaftlich-analytische Methode ins Gehege kommen, deren Paradigma ja immerhin „Erklärung und Vorhersage“ ist. Vulgo: Zukunft.

    Mir, der ich stark auf die dialektische und hermeneutische Methode aufbaue, ist die Zukunft keineswegs fremd. Die Schwächen der Menschen, die über Jahrtausende konstant blieben, sind mir da eine große Hilfe. Also ich kann sowohl die allgemeine, wie auch Deine spezifische Zukunft vorhersagen – tue es aber nicht, weil sich’s ohne viel besser lebt.

  7. Chris Wood (Dienstag, der 16. August 2011)

    Dear Detlev Six, you misunderstand me. I do not think the future is unimaginable. I was just pointing out Petra’s lack of logic. She wrote that the future is unimaginable, but that the female element will be important. I can imagine various futures. In one, intelligent life will be wiped out, and it will take thousands of millions of years for it to develop again. In another, humans will develop super robots that will then dominate Earth, etc. and will develop ever greater intelligence, (without needing sex).

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