Kaum werden Öl und Gas teuerer (und wohl auch knapper), schon ruft die ganze Welt nach Kernkraft und Kohle.

Ist denn vergessen worden:

  • dass noch in den 60iger Jahren Mutters saubere Wäsche an der Leine im Garten nur zu oft schwarz vom Ruß wurde,
  • dass ohne des Einsatzes von Pumpen mit Energiekosten von mindestens 100 Millionen EURO pro Jahr (ich habe auch schon sehr viel höhere Zahlen gehört) das Ruhrgebiet eine Seen-Landschaft und die Stadt Essen „Wasser unter“ wäre (siehe auch „Pumpen bis in die Ewigkeit„),
  • dass man in Bergbau-Gebieten kein Haus mehr bauen darf, ohne das Bergbauamt abzufragen – nur zu leicht könnte das neue Haus sonst ein paar Stockwerke tief in den Boden versinken,
  • dass wir unseren Kohlebergbau zwar vor allem aus kaufmännischen Gründen „ausgephast“ haben (obwohl ich schon befürchtet habe, dass am Ende dieses Prozesses die Produktion ohne Berücksichtigung der Folgeschäden scheinbar profitabel sein dürfte und soweit sind wir heute ja fast),
  • dass der Braunkohleabbau (wie auch der Uran-Abbau – siehe Wismut Aue) ganze Landschaften zerstört hat,
  • dass der Kohlenstoffdioxid-Anteil der Luft wesentlich zugenommen hat und dies Folgen hat, die in einem sensiblen und chaotischen System wie dem Klima zwar zwangsläufig aber nicht vorhersagbar sind,
  • dass auch Kernkraft keine Lösung ist, da der Umgang mit radioaktiven Material nicht beherrscht werden kann,
  • dass es für radioaktive Abfälle keine End-Lagerung gibt, die die langen Halbwertzeiten beherrschbar macht (Der Mensch kann keine Sicherheit für 1 Million Jahre garantieren),
  • dass ein GAU in einem Kernkraftwerk wirklich zum GAU werden kann,
  • dass auch die für Kernkraft benötigten Rohstoffe (Uran) endlich sind – man spricht von höchstens 40 Jahren (Öl hat immerhin fast 100 Jahre gehalten).

Manche sagen:

Die Technik wird schon alle Probleme lösen:

  • Umweltkatastrophen kann man wieder rekultivieren,
  • die Probleme des Bergbaus kann man mit neuer Technologie meistern (ausserdem kann man die Kohle ja importieren – hört, hört!),
  • Kohlekraftwerke kann man sauber machen,
  • Kohlendioxid kann man irgendwie und irgendwo speichern.

Können wir wirklich von der Technik erwarten, dass sie uns davor bewahrt, umdenken zu müssen? Retten uns Utopien wie Kernfusion und Wasserstoff-Technologie?

Zum Öl:

  • Der Anteil der bei der Förderung von Öl benötigten Energie und zusätzlicher wertvoller Ressourcen wie z.B. Wasser steigt laufend aufgrund der minderen Qualität der neu entdeckten Vorkommen.
  • Spätestens wenn der für die Förderung notwendige Input an Energie dieselbe Höhe erreicht wie die gewonnene Energie, dann ist die Förderung sinnlos. Diesen Punkt sollten wir auch bei Technologien zur Erzeugung von Alternativ-Energien (z.B. im Biobereich) bedenken, da gibt es schon recht zweifelhafte Beispiele.
  • Ersatzöl aus Biomasse steht immer in Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln.
  • Für die Erzeugung von wenig Bio-Kraftstoff braucht man verblüffend grosse Flächen.

Öl – ganz gleich, ob aus dem Boden gepumpt oder aus Pflanzen erzeugt – ist einfach zu wertvoll, um es zu verbrennen, gleich ob für Heizung oder Mobilität.

Und bald könnte auch noch das Trinkwasser global knapp werden!

Wäre es nicht wirklich an der Zeit, unsere Lebensführung schnellstmöglich und drastisch zu ändern. Warum besinnen wir uns nicht auf ein freies Leben und setzen die vielen vermeintlichen Sachzwänge einfach außer Kraft? Und wäre das nicht ein Feld für angewandte Ethik?

Wahrscheinlich würde es jedem Einzelnen von uns unter dem Strich anschließend besser gehen.

Den „Energieministern“ der G8-Staaten fiel unlängst auf einer Konferenz in Japan allerdings nichts Besseres ein, als die Förderländer zur Erhöhung ihrer Öl-Produktion aufzufordern …

RMD

P.S.

Die schlimmste Umweltsünde ist wohl das Fliegen. Habe ich auch immer sehr gerne gemacht. Im Juli 2008 besuche ich noch einen lieben Freund in Mallorca und wenn möglich fliege ich noch mit einem anderen guten Freund nach Südafrika zur Fussball WM 2010 (beides ist schon fest ausgemacht). Ansonsten habe ich beschlossen, keine weiteren Flüge mehr durchzuführen und werde dies auch mit der mir eigenen Sturheit (oder Konsequenz?) durchhalten. Meine lieben Mitmenschen, die sich darüber ärgern werden bzw. unter meiner Flugabstinenz leiden müssen, bitte ich hiermit um Verzeihung und Verständnis.

P.P.S.

Interessant finde ich auch, dass trotz der heftigen Öl-Diskussion das Thema Tempolimit zurzeit überhaupt nicht mehr auf der Tagesordnung zu stehen scheint. Auch die Zahlen zur möglichen Ersparnis sind sehr unterschiedlich. Das ist auch verständlich, denn ein Tempolimit von z.B. 110 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen bringt natürlich eine andere Ersparnis als ein Limit 130/100 km/h. Jeder achtsame Autofahrer weiß aber, wie der Verbrauch bei höheren Geschwindigkeiten steigt. So dürfte die Einsparung an Treibstoff und die Reduzierung des Ausstosses an Kohlendioxid in der Relation zum Aufwand wesentlich sein. Von den anderen positiven Folgen eines Tempolimits gar nicht zu reden (Verkehrstote, Verkehrsfluss, Fahrkultur …).

P.P.P.S

Diesen Artikel widme ich besonders meiner Frau und allen Frauen und Müttern, die generell weiser sind als wir Männer und doch soviel unter unserer Unachtsamkeit leiden müssen.

RMD

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1 Kommentar zu “Gas und Öl gehen aus – Kohle und Kernkraft sind wieder gefragt!?”

  1. Plissee (Mittwoch, der 18. Juni 2008)

    Wir sind vor 2 Jahren auch wieder auf Holzheizung umgestiegen. Praktisch für uns ist, dass wir noch von Früher ein Waldgrundstück haben, wo wir Fallholz o.ä. „ernten“ dürfen. Somit kommen wir kostenlos an Holznachschub, und da wir noch einen alten Ofen mit Försterkessel im Haus stehen hatten, habe wir diesen wieder flott gemacht, und heizen jetzt im 3-Schicht-System. Also früh am Morgen, ca. 05:30 setzt für 1 h die Gasheizung ein, um für eine Grundwärme zu sorgen, später dann, so gegen Mittag, wird (wenn benötigt) der Holzofen in Betrieb genommen, und bis Abends genutzt, und später in der Nacht setzt dann nochmal kurz die Gas-Heizung ein, um die Wärme zu halten. Somit heizen wir die meiste Zeit mit Holz, und dass macht sich auch stark in der Gas-Rechnung bemerkbar.

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