Roland Dürre
Freitag, der 3. Dezember 2010

Geboren in der Regenzeit unter einem Baum

Zurzeit stehen „Piraten“ aus Somalia in Deutschland vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, die 140 Meter lange „Taipan“ der Hamburger Reederei Komrowski am Ostermontag, den 5. April, auf dem Weg von Haifa nach Mombasa etwa 500 Seemeilen vor der Küste Somalias attackiert zu haben.  Ein Spezialkommando der niederländischen Fregatte „Tromp“ hatte die Piraten noch an Bord festgenommen und dabei fünf Maschinengewehre, zwei Raketenwerfer samt Munition und zwei Enterhaken sichergestellt.

Hier ein paar Auszüge aus dem Focus-Artikel:

Es ist der erste Piraten-Prozess seit Jahrhunderten in Hamburg, und er wurde mit Spannung erwartet. 20 Anwälte vertreten die zehn Angeklagten

Die somalischen Staatsbürger müssen sich wegen Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraubs vor dem Landgericht der Hansestadt verantworten.

Bei den Angeklagten handelt es sich um sieben Erwachsene, zwei Heranwachsende und einen Jugendlichen. Der Älteste ist 1962 geboren, der Jüngste etwa 1993.

Einer der Beklagten konnte bei den Angaben zur Person nur angeben:

Geboren in der Regenzeit unter einem Baum …

Anfang Dezember hat der Bundestag das Mandat für den Einsatz der Bundeswehr vor Somalia verlängert (neben zwei anderen für den „Althea“-Einsatz in Bosnien und den NATO-Bundeswehreinsatz „Operation Active Endeavour“ als Bestandteil des Anti-Terror-Einsatzes „Operation Enduring Freedom“ im Mittelmeer).

Macht das alles Sinn?

Die 10 Menschen aus Somalia sind mit einer Prämie angeheuert worden, die deutlich höher als ihr zu erwartendes Lebenseinkommen war. Jetzt stehen sie vor Gericht und werden von 20 Anwälten verteidigt. Von denen jeder an einem Tag mehr verdienen dürfte als die Piraten in mehreren Jahren. Den Piraten drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft. Ob sie aber wirklich in ein deutsches Gefängnis kommen, ist ungewiss. Und wäre auch unsinnig.

Je mehr Länder verarmen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für Angriffe auf die Handelswege. Heute noch auf Öltanker, bald auf Nahrungsmitteltransporte. Und umso mehr Ungerechtigkeit die Nationen und Menschen spaltet, desto mehr wird auch die Risikobereitschaft der Armen steigen, sich aus der Not zu befreien. Ganz gleich mit welchen Mitteln, ob durch „illegale“ Migration oder „kriminelle“ Maßnahmen. Und  entsprechend werden die Militäreinsätze der reichen Nationen zunehmen, um Verkehrswege und Meeresstraßen zu schützen.

In Pakistan z.B. hat Saudiarabien fruchtbares Land gekauft, um seine Versorgung mit Nahrungsmitteln sicher zu stellen. Es gibt eine Trasse, auf die dann der Transport zum Hafen erfolgen soll. Schon heute wird überlegt, wie man später die Transporte vor hungrigen Wegelagerern schützen soll.

Irgendwie macht das doch alles keinen Sinn. Und ein radikales gesellschaftliches und politisches Umdenken notwendig.

RMD

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2 Kommentare zu “Geboren in der Regenzeit unter einem Baum”

  1. Chris Wood (Freitag, der 3. Dezember 2010)

    Absolutely right! I wanted to post something like this, but wanted first to hear the case for the defence. Perhaps such a spectacular case is a way to make people think about world inequality. I suggest the church tax should be replaced by a charity tax („charity“ originally meant love). Everybody should pay this, and be able to choose which charity or charities. Some agency should check out the charities.
    I have no idea how to deal with the waste of time and effort on law cases and other bureaucracy.

  2. hans-peter kuhn (Samstag, der 4. Dezember 2010)

    I feel the same way. I guess that our societies will realise too late that the fight against poverty has little to do with charity,love and such things. Sharing is the only way to protect our richness against the agression of the poor and underprivileged.

    On the other hand poverty can be an explanation for crime but never a justification. There will be protests from the readers but I am in favour of efficient retaliation instead of trials that tend to be extremely costly for the tax payer.

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