Roland Dürre
Samstag, der 10. März 2012

Gedanken zur Gentechnologie

Vor kurzem habe ich mal wieder ein vielleicht ernst zu nehmendes Plädoyer für die Gen-Technologie gehört. Manches klang nicht unvernünftig.

Trotzdem:
Zu schön und klinisch wurde die Zukunft beschrieben. Zu viel einfache Problemlösungen versprochen. Zu „easy“ klangen die Strategien. So haben sich meine eher „abstrakten“ Sorgen vermehrt und das Unbehagen ist gewachsen.

Sorge 1

Gen-Technologie beschleunigt die Entwicklung – wir bräuchten aber dringend eine „Entschleunigung“.

Je länger ich lebe, desto mehr meine ich, dass uns „Entschleunigung“ gut täte. Denn „Gut Ding braucht Weile“. So empfinde ich ein Misstrauen, gegen alles, was die Komplexität erhöht oder diesen Prozess gar noch beschleunigt. Besser wäre es, zu „Entkomplexisieren“ und das Leben wieder zu vereinfachen (Simplify your life).
Wir leben extrem im „JETZT“. Wir sollten akzeptieren, dass es eben kein „Heute ohne Gestern“ und „Kein Morgen ohne Heute gibt“. Und dass man sich mit dem „Morgen“ Zeit lassen muss.

Sorge 2
Nahrungsmittel werden unter Patent-/Lizenzrecht gestellt.

Schon jetzt gibt es Konzerne, die als ihr unternehmerisches Ziel das Beherrschen der Branche „Nahrungsmittel“ verkünden. Droht uns nach „Google“ ein „Foodle“? Wobei ich, wenn ich hier Google nenne auch Amazon, Facebook und die sonstigen Firmen meine, die gerne die Welt beherrschen wollen.

Sorge 3
Die Qualität von Nahrungsmitteln bleibt auf der Strecke.

Ich bin immer wieder entsetzt, was heute eh schon so alles auf den Tisch kommt. Und höre dann von Retro-Tomaten als letzte Hoffnung für die Rückkehr zu vernünftigen Nahrungsmitteln.
In meiner Kindheit schmeckte der Rosenkohl noch bitter. Wo ist sie geblieben, die zarte Bitterkeit von Rosenkohl? Und vieles mehr dieser Art …
Generell droht nach meiner Meinung durch die Gen-Technologie eine rapide Verstärkung negativer Trends wie Oberflächlichkeit bei Geschmackswerten. Ganz schlimm auch, dass die Qualität auf der Suche nach Quantität den kürzeren zieht.

Sorge 4
Es ist gefährlich, negative Effekte zu rechtfertigen, weil sie „eh schon passiert sind“.

Da sind mir Aussagen in Erinnerung wie: „Antibiotika sind schon im Boden, durch die Gülle der Rinder, die mit Antibiotika aufgezogen werden“. Weil das halt so ist, darf man auch gen-technologisch veränderten Pflanzen den Boden mit ähnlichen Effekten verunreinigen lassen.
Da bin ich natürlich auch dagegen und meine, dass man zuerst Mal das ursprüngliche Fehlverhalten zurück drängen sollte.

Sorge 5
Wir entfernen uns immer weitere von einem artengerechten Leben.

Gentechnologie gehört zu der Art des Fortschritts, der eine funktionale und effiziente Welt schafft. Eine vereinfachte Kulturwelt ersetzt artenreiche Naturwelt. Und das in bisher noch nicht vorhandenem Maße. Bildlich gesprochen schreiten wir in eine Art moderner „Resopal-Welt“. Und verspricht alles mögliche: Längeres Leben, bessere Gesundheit …
Aber was hilft es uns, wenn wir durch neue Medikamente noch älter werden, dabei aber vor allem die Zeit verlängern, die wir im Siechtum oder in Demenz verbringen?

In diesem Artikel habe ich bewusst darauf verzichtet, die „handfesten“ Argumente gegen Gen-Technologie zu bringen und mich auf die eher „moralischen“ konzentriert.

RMD

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