Roland Dürre
Samstag, der 4. April 2009

… Gedanken zur Innovation

Jeder fordert Innovation, Politiker, Unternehmer, einfach ALLE.  Innovation soll alle unsere Probleme heilen, so scheint die weit verbreitete Meinung zu sein. Institutionen, die Eigenverantwortlichkeit und Unternehmertum fördern wie unternehmerTUM stellen diese Forderung (dazu habe ich auch mal einen Artikel zu Unternehmertum geschrieben). Sonntagsredner fordern von uns, uns dem technischen Fortschritt zu öffnen und Innovationen anzunehmen. Da ich den Begriff „Innovation“ so oft höre, werde ich misstrauisch und stelle mir Fragen.

Was ist Innovation tatsächlich? Was meint das Wort wirklich? Was beinhaltet die Innovation?

Veränderung?
Die bringt Innovation sicher, aber Veränderung mag doch keiner.

Zerstörung?
Innovation bewirkt Zerstörung. Jede Innovation, die ich kenne, hat bis dahin funktionierende Strukturen zerstört und vorhandene Werte vernichtet.

Neues?
Innovation bringt Neues, aber was ist das dann wieder? Veränderung (die keiner mag)?

Warum fordert trotzdem jeder mehr Innovation? Oder ist das nur ein mediales Nachgeplärre?

Ich glaube, dass Innovation Begleiter und Ergebnis unserer menschlichen Neugierde ist. Innovation findet ständig und täglich statt, ob wir es wollen oder nicht. Evolution ist die Summe von Innovationen oder andersherum, Innovationen sind die Mosaiksteine der Evolution.

Jetzt soll Innovation aber systematisch generiert werden, um z.B. Wettbewerbsvorteile zu erlangen.

Ich bin sehr gespannt (und ab und zu skeptisch und dann wieder optimistisch), ob es uns gelingt, „Innovation gezielt zu fördern“. Ich mag Innovation als „kreative Zerstörung“, die Neues schafft. Ich weigere mich aber zu vergessen, dass dabei auch Altes vernichtet. Da kann auch wertvolles und lieb gewonnenes dabei sein. Der durch Innovation bewirkte Mehrwert sollte höher sein als die durch „kreative Zerstörung“ generierte Verlust.

Innovation hat nichts mit den Zielen einer aufgeklärten Gesellschaft zu tun. So ist Innovation für mich kein absolutes und nicht in Frage zu stellendes gesellschaftliches Ziel. Innovation ist nicht per se etwas gutes. Wir sollten aufpassen, dass wir nicht zu Sklaven der Innovation werden und uns am Schluss eine Art Innovations-Faschismus droht.

RMD

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