Roland Dürre
Freitag, der 21. Januar 2011

Gegen Abtreibungen – aber für die Todesstrafe?

Klaus-Jürgen Grün hat in seinem letzten Seminar zur Feindseligkeit berichtet, dass die Gruppe von Menschen, die in USA absolut für die Todesstrafe eintritt in der Regel genauso konsequent gegen jegliche Freigabe von Abtreibungen ist.

Mich hat diese Korrelation zuerst mal überrascht. Wie kann man bereit sein, erwachsenes menschliches Leben geplant und systematisch zu töten, gleichzeitig aber die Tötung von ungeborenen Leben strengstens zu ächten und härteste Bestrafung fordern?

Wenn ich nachdenke, fällt mir dazu folgendes ein. Es ist die Angst des Menschen vor sich selbst. Gerade Menschen, die maximale Strafen fordern, haben am meisten Angst, fehl zu treten. Sie brauchen eine ganz strenge Moral, um sich vor sich selbst zu schützen.

Mich erinnert das an Menschen, die sich vor einer möglichen eigenen Homosexualität fürchten und dies durch strengste Verachtung von Homosexualität unterdrücken.

Das ganze hat mit Rache und Sühne zu tun, mit dem Glauben an ein quasi göttliches Regelwerk, in dem sogar Liebe und Verzeihung als potentielle Gefahren ausgegrenzt werden. Es geht um das Befolgen von Regeln.

Aber dass beides Tötungen sind, die Todesstrafe genauso wie die Abtreibung passt in diese Denke nicht hinein. Und die Tötung von menschlichem Leben ist unmoralisch.

Das eine zu fordern und das andere zu bekämpfen hat aber nichts zu tun mit Menschenfreundlichkeit, Lebensfreude, Verantwortung oder ethischer Güterabwägung in sittlicher Verantwortung.

Ich gestehe, ich habe mit beiden Dingen meine Probleme. Gegen die Todesstrafe bin ich absolut. Das mit den Abtreibungen überfordert mich und meine ethische Urteilsfähigkeit.

RMD

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4 Kommentare zu “Gegen Abtreibungen – aber für die Todesstrafe?”

  1. Chris Wood (Montag, der 24. Januar 2011)

    There are other reasons for the death penalty. If it were just a matter of harsh punishment, torture would also be demanded. The death penalty is economical. It saves the cost of imprisonment. Forced labour is an alternative. It may be seen as rather unproductive in our modern society, yet it contributed a lot towards the first space flights. Especially long prison terms for the innocent are expensive. They may involve overpaid lawyers and politicians for decades.
    The case against abortion is only slightly trickier. A restricted birth rate has catapulted China towards world leadership, which most Americans do not want to see. If the Moslem world drastically restricted (live) births, they too might find the energy to compete with USA.

  2. rd (Montag, der 24. Januar 2011)

    Zum letzten Absatz:
    Moslems gibt es in USA und überall auf der Welt. Wahrscheinlich meinst Du die arabische Welt. Jetzt werden aber wesentlich weniger Bücher ins Arabische übersetzt als z.B. ins Griechische (das bei nur 10 Millionen Griechen). Die Anzahl der Patente aus allen arabischen Ländern ist ein kleiner Bruchteil der Patente, die Israel anmeldet. Das sind nur 2 Kriterien, die das Problem der Arabischen Welt und des Islams aufzeigen. Was das mit Geburtenreduktion zu tun hat, weiß ich nicht.

    Die USA hat einen immer noch gute Zukunftsperspektive, weil sie von Einwanderung lebt. Ein Hauptproblem der chinesischen Zukunft ist die absehbare kommende Überalterung der Gesellschaft. Das ist eine Zeitbombe.

    Und wieso vergisst Du Indien, die gerade auch Weltmacht werden, obwohl sie keine so ristrikte Geburtenkontrolle haben. Manche Prognosen geben Indien den besten Forecast.

  3. hans-peter kuhn (Dienstag, der 25. Januar 2011)

    Roland,

    Nichts gegen Deine Lust an ernsthafter Argumentation.

    Mein persönlicher Eindruck ist, dass du den genial formulierten schwarzen Humor von Chris einfach nicht kapierst.

  4. rd (Dienstag, der 25. Januar 2011)

    Hi Hans-Peter, dann wäre ja alles gut. Die Frage geht jetzt an Chris: Sind Deine Kommentare „genial formulierter schwarzer Humor“ – oder meinst Du es ernst? 🙂

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