schornsteinruss1Schon ziemlich zu Beginn unserer Reise in die Fjorde Norwegens ist uns das gelbe Band aufgefallen, das wir hinter uns herziehen. Es markiert die Spur unseres Schiffes. Am zweiten Abend war es noch drastischer. Das Schiff fuhr eine Kurve, und das Band stand quer am Horizont.

Dann haben wir auch weitere gelbe Bänder entdeckt. Es waren die Abgase von anderen Schiffen, die vor uns unseren Weg gekreuzt haben.

Auch unser Schiff verbraucht ungeheure Mengen von Schweröl. Die Schornsteine stoßen immer wieder heftigen Qualm in verschiedenen und bedrohlichen Färbungen aus. Aber erst in der reinen Atlantikluft, wird einem bewusst, was da wirklich passiert.

Die weltweite Schifffahrt hat einen ungeheuren Energieverbrauch. Ich habe mal gehört, dass 10 % der Ölförderung der Welt nur von der Schifffahrt benötigt wird. Der Einsatz von neuen Segeltechnologien kann das Problem wahrscheinlich nur wenig entschärfen.

Wie soll es weitergehen?

Norwegen war bis zu seinem Erdgas- und Erdölboom ein ganz armes Land. Die karge Landschaft bot nur eingeschränkte Möglichkeiten für Landwirtschaft. Der Aufbau der notwendigen Infrastruktur war aufgrund der geographischen Situation immer äußerst aufwändig.

Das Leben in Norwegen war hart, letzten Ende ging es immer ums Überleben. Gelindert wurde diese Situation durch den Reichtum an Fisch. Mittlerweile ist der nicht mehr natürlich gegeben. Die ehemals riesigen Bestände sind leer gefischt, Fisch wird jetzt in großen Farmen agrarindustriell hergestellt.

siebenschwesternmeinschiffAber gerade in einem Land wie Norwegen wird einem richtig bewusst, wie wichtig Öl als universeller Lebenssaft ist, obwohl 98% des eigenen Strombedarfs aus Wasserkraft gewonnen wird.

Der ganze Verkehr in Norwegen außer der Eisenbahn basiert auf Öl: Die vielen Fähren, die die Fjorde durchqueren, die Lkws mit denen die Güter meistens ziemlich weit herbeigeschafft werden. Und natürlich sieht man überall Pkws und Busse, die Verkehrsdichte in den größeren Städten wie Oslo, Bergen oder Trondheim ist keinen Deut besser als in vergleichbaren Städten dieser Welt.

Und man fliegt viel in Norwegen, auch kürzere Strecken. Es gibt auch überdurchschnittlich individuellen Flugverkehr. Häufig begegnen uns Wasserflugzeuge und umschwirren uns Hubschrauber. Auch Leichtflugzeuge mit einem Schlauchboot als Rumpf haben wir gesehen.

Sogar die kleinen Fahrzeuge, die hoch zum Gletscher gependelt sind, wurden von kleinen Benzinmotoren angetrieben, obwohl gerade hier Elektrofahrzeuge ideal wären. Die könnten sogar bergab fast soviel Strom generieren, wie sie bergauf brauchen. Und wenn sie dann noch leer hochfahren und mit 7 Passagieren runterfahren würden, wäre das vielleicht sogar ein Null-Summenspiel (Es macht mehr Spaß, zum Gletscher rauf als runter zu laufen).

Gerade in Norwegen versteht man, wie bei einem Engpass an Öl die Infrastruktur massiv zusammenbrechen würde.

Und so erscheinen die Windmühlen, die wir vor Dänemark genauso wie bei der Ausfahrt aus unserem ersten Fjord hoch oben auf den nördlichen Fjordbergen und auch sonst auf unserer Reise zahlreich gesehen haben wie Botschafter aus einer ganz anderen und wohl nicht mehr so ganz fernen Zukunft.

Und der Schluss scheint trivial und zwingend: Wir müssen uns wirklich sehr stark bemühen, neue alternative und umweltfreundliche Energien zu entwickeln. Und wir werden wieder Sparen und Verzichten lernen müssen. Wir werden unsere Mobilität reduzieren müssen, konstruktive Langsamkeit muss ein Wert werden.

windmuhlenWie kann das wohl funktionieren? Können wir den Weg aus unserer fossilen „alten Welt“ in eine andere „neue Welt“ schaffen? Dass wir ihn finden müssen ist klar. Sei es, weil dass Öl knapp wird (Fakt), der Kohlendioxidgehalt der Luft auf einen kritischen Wert steigt (Spekulation, wann dieser Wert erreicht wird) oder einfach, weil die Mehrheit der Menschen keine Lust mehr hat an der dauernden Umweltzerstörung und Verlärmung unseres Leben, die uns anscheinend nutzt aber uns letzten Endes doch nur fett und psychisch krank macht.

Schaffen wir den Wandel von der alten und zur neuen Welt ohne zu tiefe Einschnitte und Abstürze? Können wir  ein Interregnum von Chaos, Gewalt, Armut, Hunger und Elend auf unserem Planeten vermeiden?

Ich fühle mich als Mensch wie als Familienvater und Unternehmer mitverantwortlich für die Zukunft und möchte helfen, den Übergang möglichst konstruktiv zu gestalten. Das ist auch einer der Gründe, warum ich zum Blogger geworden bin und ab und zu dann sogar mein Urlaubstagebuch veröffentliche.

Und freue mich über jeden Menschen, den ich zum mitmachen bewegen kann.

RMD

1 Kommentar zu “Gelbe Bänder über dem Atlantik – die andere Seite der Medaille.”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 9. Juli 2009)

    One thing should be added to the list of dependencies on oil, namely the most important. Agriculture these days is largely the conversion of oil into food. Tractors and fertilisers depend on oil. Then there is the transport, not to mention cooking. Changes must come fast if we are to avoid both mass starvation and climate disaster. There is no way back. Only technology can get us out of the problems it has created.

    The rich nations are capable of saving themselves and letting the rest of the world go to ruin. But their societies will need to become even more cynical than they are, to remain passive in the face of world majority starvation. This may well happen. It would be nicer for everybody if the rich countries could initiate global cooperation to save the world. With Obama, there is a chance. But remember that the story of evolution is largely one of competition, with only occasional cooperation.

Kommentar verfassen

*