Roland Dürre
Donnerstag, der 8. Juli 2010

Generationsschuldenschuld

Zurzeit lese ich in den Medien viel zu Themen wie „Bundeshaushalt 2011“ oder „Finanzplan bis 2014“.

Die Staatsschulden werden am Ende des Jahres 2010 die Höhe von knapp 1.800 Milliarden Euro erreichen. Im Laufe des Jahres 2010 beläuft sich der Schuldenzuwachs des Staates voraussichtlich auf rund 141,3 Milliarden Euro.

In 2011 soll alles besser werden. Der Bund will 2011 „nur noch“ neue Schulden von 57,5 Mrd EUR aufnehmen und die Ausgaben gegenüber 2010 um rund 3,8% senken. Zwar weiß keiner wie das funktionieren soll und ein jeder weiß, das es gar nicht funktionieren kann.

Zudem ist vieles am Sparpaket unausgegoren und steht auf wackeligen Beinen. Die Schätzung 2010 wie auch die Planung 2011 berücksichtigt viele konkrete Risiken nicht wie Zinssteigerungen (Spiel ist hier vor allem nach oben!) Pflege- und Krankenversicherung, Arbeitsmarkt, weitere Finanzprobleme mit insolventen Banken, Versicherungen, Ländern usw.  Für die Planung wurde zudem ein starkes Wachstum für die nächsten drei Jahre angenommen, die Welt sehr optimistisch betrachtet und allgemeine Risiken wie die demographische Entwicklung oder Folgen der Klimakatastrophe ausgeblendet.

Wobei sich die Frage stellt, ob die ganzen rationalen Überlegungen, Abschätzungen und Planungen überhaupt noch Sinn machen. Oft entsteht der Eindruck, dass das sozio-ökonomische System in der BRD wie weltweit sich schon längst verselbstständigt hat und die Situation kaum mehr zu  steuern ist.

Viele Menschen warnen: Wie können wir unseren Kindern nur so viel Schulden hinterlassen!

Diese Menschen mögen in echter Sorge sein. Aber die Schulden sind nicht das Problem. Monetäre Schulden kann man relativ einfach weg kriegen. Ein Federstrich als Folge einer politischen Umgestaltung, eine Währungsreform oder noch einfacher, eine kräftige Inflation genügen. Klar kann dann auch ganz schön scheppern und die Folgen können sehr unerfreulich sein.

Aber im Prinzip werden da die Karten nur neu gemischt, ein paar Reiche werden arm, vieles wird nivelliert und natürlich wie immer gibt es auch ein paar Krisengewinner.  Aber dann geht das Spiel von neuem los. Der Prozess des Zusammenbruchs monetärer Systeme hat sich in der Geschichte mit schöner Regelmäßigkeit wiederholt – und es gibt keinen einzigen Grund, dass er sich nicht wiederholen sollte.

Aber das alles ist nicht wirklich bedrohlich. Was haben wir in den letzten Jahrzehnten alles verbrochen. Da geht es nicht mehr um Schulden sondern eher um Schuld. Denn wir hinterlassen unseren Kindern viel Schlimmeres als „monetäre Schulden“. So vererben wir ihnen unter anderem:

  • Einen Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre in einer Höhe wie seit 10 Millionen Jahren nicht mehr,
  • beliebig viel andere dem Klima schädliche Gas als wesentliche Bestandteile unserer Atemluft,
  • leer gefischte, verschmutzte und zum Teil irreversibel tote Meere,
  • geplünderte Rohstoffe und unendlich viel Müll.
  • nicht beherrschbares radioaktives Material zum Teil in nicht mehr sanierfähigen „Endlagern“,
  • Hunderte von vor sich hin schwelenden oder brennenden Kohleflözen,
  • angebohrte und undichte Öl- und Gasquellen zu Land und unter Wasser,
  • ein versiegeltes und betoniertes Land und
  • eine stark reduzierte Artenvielfalt in einem aus dem Gleichgewicht geratenen Ökosystem.

Sogar das Eis in der Arktis und Antarktis haben wir verunreinigt. Und wahrscheinlich generieren wir in den nächsten Jahren noch weitere kaum beherrschbare Lasten durch unsere Aktivitäten bei Gen- und Nanotechnologie.

Das sind die wirklichen, realen Schulden, die wir nachfolgenden Generationen übertragen.

Und deshalb sollten wir wirklich langsam anfangen, uns nicht nur Gedanken zu machen, sondern auch persönlich wie kollektiv etwas zu tun.

Was die bald zwei Billionen virtueller Geldschulden der BRD in einer mehr oder weniger fiktiven Währung wie dem EURO angeht, da halte ich es mit Karl Valentin:

Ignorieren ist da schon zu viel der Aufmerksamkeit.

RMD

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3 Kommentare zu “Generationsschuldenschuld”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 8. Juli 2010)

    Just two quibbles:
    1. I think you need to go back 350 million years to find more carbon dioxide in the atmosphere. Where did you find 10 million?
    2. All currencies are real or fictional, depending on point of view.

  2. rd (Donnerstag, der 8. Juli 2010)

    Hi Chris, ich versuche, nie zu übertreiben. Wenn 350 Millionen richtig sind, dann sind auch die 10 Millionen richtig. 350 wäre aber noch schlimmer …

  3. fhl (Donnerstag, der 8. Juli 2010)

    Ich denke mal, die Natur hat kein Problem damit, wenn der Mensch ausstirbt …

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