Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Februar 2012

Georg Schramm & Der Zölibat

Gestern Abend war ich mal wieder bei ihm, dem Georg Schramm. Aufgetreten ist er im Lustspielhaus zu Schwabing. Georg Schramm ist einer meiner Generation, ein gutes Jahr älter als ich. Vielleicht verstehe ich ihn deshalb so gut.

Er hat uns ein tolles und sehr aufwändiges Programm beschert. Sehr konsequent. Mit totaler Hingabe. Ein Aufruf zum sozialen Widerstand. Mit harten Aussagen gegen die Finanzwelt. In der RAF-Zeit hätte man ihn wegen des Aufrufs zum Morden verhaftet.

Und am Schluss erklärt er den Leuten gar, was ein „flashmob“ ist. Das gefällt nicht jedem. Verstehe auch, dass die Herrschenden so etwas nicht mehr zur besten Sendezeit im Fernsehen gar nicht so gerne sehen.

Ein paar spannende Theorien waren auch dabei. Unter anderem eine zum Zölibat. Da haben dann ein paar Zuschauer den Raum verlassen …

Ich gebe sie kurz wieder:

Georg Schramm geht in seinem Kabarett davon aus, dass die Kirchenvertreter so im 12. Jahrhundert besonders triebstark waren. „Und alles gemaust hätten, was nicht schnell genug auf die Bäume kam“. Das hätte als Folge natürlich viele Kinder gehabt, die wiederum den Reichtum der Kirche bedroht hätten. Und aus diesem Grunde hätte das Management der katholischen Kirche den Zölibat eingeführt. Klingt ja nicht unlogisch.

Dem entgegne ich aber, das es damals noch weitere (gute) Gründe für diese Managemententscheidung gegeben haben könnte.

Die Kirche war damals sicherlich schon mächtig und reich. Sie war wohl der größte Grundbesitzer (hätte fast -besetzer geschrieben) und baute eindrucksvolle Bauten. Ein reiches System muss aber, um reich zu bleiben und noch reicher zu werden, gut für seine Systemagenten sorgen.

Jetzt waren aber im Mittelalter die Zeiten hart. Hunger und Elend waren für einen großen Teil der Bevölkerung normal. Bischöfe und Pfarrer dagegen dürften nicht zur Not leidenden Mehrheit gehört haben.

Ist es menschlich nicht ganz normal, dass die „Weibchen“ unserer Art sich lieber den „Männchen“ entgegenkommend zeigen, die „zu Fressen haben und im Wohlstand leben“ – wie Bert Brecht vielleicht gesagt haben würde.

Ist es nicht genauso normal, dass die „Männchen“ damals – wie heute – halt sehr schwache Wesen waren und sind?

Und wird eine Organisation nicht unglaubwürdig, wenn sie Wasser (Keuschheit und Monogamie) predigt und ihre operativen Mitglieder den Umständen geschuldet genau das Gegenteil leben? Das schadet zumindest langfristig jeder Organisation.

Dann ist doch das Zölibat eine nur zu gut verständliche Management-Maßnahme. Notwendig zur Image-Pflege, die gerade für Unternehmen, die mit Werten handeln, von großer Relevanz ist.

War die Einführung des Zölibats so gesehen nicht das Beispiel von genialer Unternehmensführung? Sozusagen ein Genie-Streich? Dies verbunden mit dem angenehmen Nebeneffekt eines wesentlichen Senkens der Kosten!

Wie gesagt – reine Spekulation. Aber egal – der Zölibat ist – ganz gleich in welcher Dimensionen man ihn betrachtet, ein Anachronismus.

RMD

P.S.
Der Inhaber der Bildrechte am Foto von Georg Schramm ist Hossa bei de.wikipedia.

P.S.1
Ich nehme Menschen wie Georg Schramm, Urban Priol, Bruno Jonas, Bernd Hildebrandt, GerhardPolt gar nicht mehr als Kabarettisten wahr. Für mich sind sie mehr zu so einer Art uns mahnende Volksredner und freie Wanderprediger geworden, die kritisch und Werte basierend aufgeklärte Positionen vertreten und eine Rückbesinnung auf unsere freiheitliche Grundordnung einfordern.

So fällt mir auf, dass bei Ihnen immer weniger gelacht wird, sie aber immer mehr Beifall bekommen.

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1 Kommentar zu “Georg Schramm & Der Zölibat”

  1. Chris Wood (Freitag, der 2. März 2012)

    The word „flashmob“ was new to me. It brought to mind the men who go round dressed only in raincoats. Their activity is known as „flashing“. But a mob is a crowd, and theses men are loners. Anyway, wikipedia explained this neologism.

    I thought it was general knowledge that celibacy was introduced to avoid the cost of supporting priests‘ families. Of course priests still had children, but would have reason to deny being fathers, and would not have wives.

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