Roland Dürre
Montag, der 5. Juli 2010

Gesundheitspolitikvorurteile

„Unsere“ Regierung bestätigt meine Vorurteile mal wieder.

Die Fußball-WM lenkt die Hirne der Menschen von der Realität ab. Das nutzt die Regierung, um mal schnell – gegen alle Beteuerungen des letzten Jahres – die Beiträge für die Krankenversicherung zu erhöhen.

Dies geschieht trotz:

  • eines permanenten Zyklus von „Gesundheitsreformen“, deren letzte uns einen völlig unsinnigen Gesundheitsfond beschert hat.
  • groß verkündeter politischer Reformerfolge inklusive von Maßnahmen wie (wahrscheinlich auch völlig uneffektive) Zwangsrabatte für pharmazeutische Produkte oder „strengere“ Regeln zum Nachweisen der Wirksamkeit von Medikamenten.
  • einer beispiellosen Privatisierungswelle auch im Gesundheitswesen, die nur die Investoren gesund macht, aber nicht die Patienten (siehe dazu gestern auch wieder einen Artikel in der „FAZ am Sonntag“ über die Kliniken in Deutschland).

Das alles vor dem Hintergrund einer exzessiven Diskussion über eine Reduzierung der Belastung der Bürger unter anderem durch Steuererleichterungen. Und jetzt werden die Abgaben weiter erhöht und Arbeit noch teurer. Denn die gesetzliche Krankenversicherung ist nichts anderes als eine Zwangssteuer für abhängig Beschäftigte und wird zur (Teil-)Finanzierung eines aufgeblähten Medizinapparates für eine Gesellschaft in Schieflage genutzt.

Was sagen die Menschen dazu?

Nichts!

Keiner regt sich auf. Wieso auch? Sind doch immer weniger Menschen bereit, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Das Gegenteil ist der Fall:

Immer mehr Menschen scheuen körperliche Anstrengungen wie der Teufel das Weihwasser. Ohne stark beheizte oder gekühlte Räume können viele das Leben nicht mehr ertragen. Der Aufenthalt in der Natur ist für sie zur unangenehmen Ausnahme geworden. Die meisten Menschen „müssen“ permanent ihr Tonnen schweres „mobiles Wohnzimmer“ mit sich herumführen und meinen, ohne dieses nicht mehr leben zu können. In beliebigen Mengen verfügbares warmes Wasser wird für eine Selbstverständlichkeit gehalten und das gesunde Waschen der Hände mit kaltem Wasser als Zumutung empfunden.

Die Mehrzahl unserer Zeitgenossen hält die Fortbewegung durch eigene Kraft für nicht mehr zeitgemäß. Sie werden immer dicker, halten Treppensteigen für Folter und schwitzen sehr schnell. Ihre Körper werden nicht mehr gepflegt sondern nur noch parfümiert. Deodorant und Shampoos, differenziert in vielen Plastikfläschchen für verschiedene Körperteile und Anwendungen, sind wichtige Bestandteile der Hygiene geworden

Dafür wird aber gefressen auf Teufel komm raus und exorbitant den Genussmitteln zugesagt.

Und dann wundert man sich, wenn der Körper nicht mehr mitmacht. Und läuft beim kleinsten Wehwehchen zum Arzt. Ohne jegliche Bereitschaft, das eigene Leben zu ändern. Aber natürlich mit dem Anspruch auf eine hoch-technologische Behandlung, die möglichst teure Medikamente zur Heilung verwendet und alles quasi von selbst einfach heilen soll.

Da könnte ich mir viele sinnvolle politische Aktivitäten vorstellen. Mit dem Ziel, Eigenverantwortlichkeit wieder als Wert zu vermitteln, gerne auch über den Geldbeutel.

Aber die Politik scheut sich. Denn mittlerweile sind ja nicht nur die Senioren sondern auch die fettleibigen Wähler in der Mehrheit. Und wer will es sich mit der Mehrheit verderben.

Die Politik bewirkt sogar das Gegenteil. Sie gibt sich den Lobbies hin. Die Industrie versucht den Nichtraucherschutz wie auch das nächtliche Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen zu torpedieren. Sie verhindert eine einfache Kennzeichnung ungesunder Lebensmittel durch eine „Ampel“. Von mächtigen Interessengruppen lässt sie sich gezielt korrumpieren.

Und da keiner den Mut hat, die Dinge beim Namen zu nennen und anzupacken, lässt man jetzt halt mal wieder alle ein wenig mehr zahlen. Und hofft, dass es aufgrund der Fußball-WM keiner so richtig merkt.

Die, die daran gut verdienen, freuen sich. Und wie so oft sind mal wieder die Verantwortungsbewussten die Dummen. So ist das in Schlaaand, wie man seit Lena sagt. Nur dumm, dass Schland sich auf Schand reimt.

RMD

P.S.
In wenigen Monaten wird übrigens die Pflegeversicherung ihre Rücklagen aufgezehrt haben und auch dort wird sich eine gewaltige Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben auftun. Was machen wir dann? Erhöhen?

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1 Kommentar zu “Gesundheitspolitikvorurteile”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 6. Juli 2010)

    Note that we pensioners have no employers to take over half the costs. And we have just had a year without pension increase. But that’s OK! We are to blame for living too long. Fit pensioners like myself should be grateful to the fat people and the smokers for not living long as pensioners. (The alcoholics and other drug addicts are less useful, since this condition damages the ability to work).

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