Roland Dürre
Montag, der 6. Oktober 2008

Globale Finanzkrise #2 – Wie geht es weiter?

Am 10.09.2008 am Vormittag ist die „größte Maschine aller Zeiten„, der LHC von Cern an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz in Betrieb gegangen. Die Medien waren voller Weltuntergangsgedanken, zahlreiche Menschen hatten ein ungutes Gefühl wegen der von (unseriösen ?) Kritikern als möglich bezeichneten „Schwarzen Löcher“. Die „größte Maschine aller Zeiten“, die letzten Endes auch von unseren Steuergeldern bezahlt wurde, hat nur kurze Zeit funktioniert. Mehr habe ich auch nicht erwartet. Wie soll die größte Maschine der Welt in einer Zeit störungsfrei laufen, in der man es nicht mehr schafft, die Züge pünktlich fahren zu lassen? Die Reparatur des LHC soll ein halbes Jahr dauern. Aus meiner Projekterfahrung rechne ich deswegen mit einer Wiederaufnahme in frühestens einem Jahr, solange bleiben wir von solchen „Schwarzen Löcher“ auf jeden Fall verschont.

Heute, keine drei Wochen später, hat keiner mehr Angst vor dem LHC. Jetzt sorgen wir uns um eine ganz andere Art von „Schwarzen Löchern“. Die treten ganz plötzlich auf und verschlingen gestern 35, heute 50 und morgen vielleicht 100 Milliarden EURO. Keine Angst, ich mache jetzt keine Rechnungen wie im letzten Post zum selben Thema, um zu zeigen, wie viel Geld das ist.

Es gibt eine weitere Superlative, die mich beeindruckt: Gestern hat sich die Bundesregierung zur „größten Bürgschaft aller Zeiten“ verpflichtet. Obwohl das ja nur mündlich stattgefunden hat und vor allem „psychologisch“ gemeint war – und vielleicht auch nur Teil des kommenden Wahlkampfes ist – finde ich es bemerkenswert. Einer der größten Schuldner weltweit bürgt für einen Betrag, dessen Höhe er nicht kennt. Und wie die Bürgschaft im Detail aussehen soll, weiß er auch nicht.

Ich kenne ein paar Frauen, die haben für Ihren Mann gebürgt. Einige davon sind heute beides los, ihren Mann und ihr Geld. Zum Teil kämpfen sie um ihre Existenz. Ich meine, man sollte Bürgschaften ernst nehmen, gerade als Regierung und nicht so einfach mal kurz am Sonntag Nachmittag mit zwei dürren Sätzen eine Bürgschaft aussprechen. Die Glaubwürdigkeit von Politik und Demokratie erhöht ein solches Vorgehen bestimmt nicht.

Und vielleicht hat die CSU letzte Woche so viel Stimmen verloren und die SPD auch so schlecht abgeschnitten, weil die Menschen die Nase voll von einer großen Koalition haben, die Themen in einer Art und Weise aussitzt, wie wir dies nur vom „Schwarzen Riesen“ kannten. Und zeitgleich mit der Ankündigung der Bürgschaft wird eine wesentliche Erhöhung der Krankenkassenbeiträge als Folge der „Gesundheitsreform“ bekanntgegeben. Die Einführung des Bundesgesundheitsfonds (was für ein Wort) macht es notwendig. Dies, obwohl es Ziel der Reform war, die Anteile der sozialen Nebenkosten an den Gehältern zu senken.

Und wenn ich dann auch noch höre, dass die grosse Koalition sich nach Monaten des hin und hers ganz plötzlich geeinigt hat, den Einsatz der Bundeswehr auch im Inneren zu ermöglichen, auch das wieder ohne jede Detaillierung des Vorhabens, dann komme ich auf einen ganz komischen Gedanken: Fürchtet die große Koalition jetzt schon einen Volksaufstand, den sie mit der Bundeswehr niederschlagen will?

Aber nein, das kann nicht sein, wahrscheinlich habe ich nur schlecht geträumt.

RMD

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