Roland Dürre
Dienstag, der 7. Oktober 2008

Globale Finanzkrise #3 – Mittelständische Gedanken

Sorry, ich kann es nicht lassen, irgendwie geht mir die Finanzkrise auf den Keks!

Ich habe drei Freunde, die waren Unternehmer. Alle drei sind in der Software-Branche tätig. Ihre Unternehmen waren viele Jahre auf dem Markt und haben echten Mehrwertwert geschaffen. Zwei der Unternehmen waren in Projekten sehr erfolgreich, das dritte hatte neben einem florierenden Schulungssektor ein Produkt, das technisch einzigartig und am internationalen Markt bekannt war.

Alle drei Unternehmen bekamen einen Schwächeanfall, so wie Menschen auch mal krank werden können. Die Ursachen waren im Nachhinein nicht einfach festzustellen, es war eine Kombination von äußeren Einflüssen und eigenen Fehlern, wie dies ja bei Krankheiten oft auch so ist. Die Unternehmen waren in Bayern zu Hause und deshalb folgerichtig bei einer Bayerischen Bank.

Die drei Unternehmen hatten einen schönen Kreditrahmen, den sie in der Krise zu nutzen gedachten. Bei allen dreien hat die Bank zum Beginn der Krise den Kreditrahmen als erste Maßnahme reduziert bzw. auf NULL gesetzt. Das erinnert an Mark Twain, der Banken mit Unternehmen verglichen hat, die Regenschirme verleihen und sie dann einsammeln, wenn der Regen kommt.

Von diesen drei Unternehmen hat eines überlebt, zwei gingen in Insolvenz. Arbeitskräfte und Vermögen wurden zerstört, private Sicherheiten und Bürgschaften eingefordert. Zweien meiner Freunde wurde von der Bank eher zynisch mitgeteilt, dass das Geschäft halt so sei und man da nichts ändern könnte.

Jetzt macht eine Bank pleite. Aber die Regeln, die Banken bei anderen Unternehmen schulterzuckend anwenden, gelten nicht für Banken. Der Staat muss zahlen, weil sonst die „internationale Finanzwelt“ bedroht wäre. Und so beginnt ein sich selbst verstärkender Regelkreis der Erpressung. Und heute steht in der Süddeutschen, dass jetzt „alle Banken gerettet werden wollen“.

Ich meine, man hätte es darauf ankommen lassen und die „Hypo Real Estate“ in Insolvenz gehen lassen sollen (Es ist ja eh nur eine „Rettung bis auf weiteres“), genauso wie man das üblicherweise mit kleinen mittelständischen Unternehmen macht. Die werden dann ja auch noch längere Zeit „in Konkurs“ weitergeführt. Die Kurse wären gestern wahrscheinlich auch nicht deutlicher gefallen. Die Börse schert sich nicht darum, was Politiker machen, sie versucht Entwicklungen von morgen voraus zu sehen.

Ich persönlich fürchte Katastrophen, Krieg und Krankheit mehr als eine Bankkrise. Und die immer noch 5000 Verkehrstoten (und viel mehr Schwerverletzte) nur in Deutschland, die wir nicht zu letzt aus Bequemlichkeit und wegen eines falsch verstandenen Begriffs von Freiheit akzeptieren, machen mich mehr betroffen als der Zerfall der „internationalen Finanzwirtschaft“.

Ich schließe meinen Beitrag mit der Prophezeiung des kanadischen Stammes der Cree:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werden die Menschen feststellen,

dass man Geld nicht essen kann.“

RMD

P.S.

EIn Nachtrag sei mir noch gestattet: Auch die Klimaentwicklung und die massive Zerstörung der Umwelt auf unserem Planeten macht mit weit mehr Sorgen als die „Weltfinanz-Krise“.

1 Kommentar zu “Globale Finanzkrise #3 – Mittelständische Gedanken”

  1. fhl (Freitag, der 10. Oktober 2008)

    Seelenverwandtschaft (wie damals beim „London“)?
    Wir hatten dieselbe Assoziation: http://fhlconsult.blogspot.com/2008/10/weissagung-der-cree.html

    Liebe Grüße. Friedrich

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