SkelettVor kurzem habe ich gelesen, dass die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten weniger depressiv gewesen wären und mehr Momente der Glückseligkeit gehabt hätten als heute. Gefühlsmäßig kann ich das nicht so recht nachvollziehen, rational aber dann doch.

Jetzt hat mir ein Freund eine schöne Erklärung dafür gegeben. Die Menschen hätten viele Jahrhunderte über ein „äußeres Skelett“ verfügt. Eine äußere Ordnung wäre wie selbstverständlich gegeben gewesen. Die hätte vorgeschrieben, was man tut und was man nicht tut, aber auch den Rhythmus des Lebens bestimmt.

Das äußere Skelett wäre uns verloren gegangen. Wir hätten es gegen eine Scheinfreiheit eingetauscht. Deshalb bräuchten wir in unserer Zeit ein inneres Skelett.

Das für sich selbst zu finden wäre aber alles andere als einfach. Und um es dann auch noch zu befolgen, dazu bräuchte man so richtig Kraft, Disziplin und inneren Antrieb.

So würden viele Menschen „in der Luft hängen“. Ihr „äußeres Skelett“ hätten sie verloren und das „innere Skelett“ könnten sie autonom nicht finden und entwickeln.

Wie ich finde, ein schönes Bild.

RMD

Das Bild vom Skelett habe ich dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons entnommen, der Urheber ist Furfur.

2 Kommentare zu “„Glückseligkeit und Depression!“ oder „Inneres und äußeres Skelett?“”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 26. November 2009)

    Recently Roland wrote „Die depressiven Erkrankungen werden aber immer mehr, entsprechend steigt die Anzahl der Selbsttötungen. Sie hat schon vor Jahren die Anzahl der Verkehrstoten übertroffen“. It depresses me when I read such statistics. Does Roland refer to all people, all Europeans, all Germans, all German residents, people in Munich, or only in Riemerling?
    He suspects that Christianity causes suicides, but (as an atheist) I suspect that the reverse is true, since suicide is a deadly sin that cannot be repented. The increase in suicide in Germany correlates with a decline in Christian faith.
    Until recently, almost all humans, like other animals, had a constant fight for survival. Many still do. I believe that such a fight makes suicide unlikely. Few chess players struggle to play well; then resign when they know they are winning. Compare the birds that sing on a winter morning, apparently happy to have survived the night. Robert Enke was a special case, but many suicides these days are just people with physical problems who correctly see little hope for the future. I may some day go the same way. Such suicides may increase the average happiness in the world.
    There is no such positive side to depression. Unhappiness can be a stimulus to make positive changes, but normal (non chemical?) depression results in unhappy lethargy. I suspect that any increase in such depression (in Germany) could come from a feeling of helplessness in an increasingly complex environment. What we have learnt becomes obsolete faster than we can replace it. But is depression really increasing (e.g. in Riemerling)? I have found no good evidence for this. Wikipedia concentrates on clinical depression that responds to suitable medication. There too, I see no epidemiological analysis. An increase in such diagnoses may not indicate that clinical depression is really increasing.
    It would be interesting to hear from somebody who is depressive. I am not, although my mother considered me „rather gloomy“.

  2. Enno (Donnerstag, der 26. November 2009)

    Die Angabe, dass Selbstmord eine häufigere Todesursache als der Verkehr ist, trifft zumindest auf Deutschland zu. Ich nehme an, dass ganz (West)europa betroffen ist.

    Inwiefern das mit dem Christentum oder anderer Religion zusammenhängt, ist mir allerdings auch unklar. Dass Selbstmord eine unverzeihliche Sünde ist, halte ich übrigens für nicht zutreffend. Auch die EKD ist in den letzten Jahren davon abgewichen und die katholische Kirche hat meines Wissens zumindest Ausnahmen für Menschen gemacht, die ihr Leben aufgeben, um andere zu retten.

    Dass die meisten Selbstmorde von Menschen mit physischen Problemen (abgesehen von Depressionen) begangen werden, halt ich für sehr unwahrscheinlich, da die allermeisten Selbstmörder junge Menschen sind – und nur etwa 5% der Selbstmörder bilanziellen Selbstmord begehen, der nicht auf psychische Störungen zurückzuführen ist.

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