Roland Dürre
Sonntag, der 5. Juni 2011

Greece und das Tafelsilber

Jetzt muss das schöne Griechenland einen Teil seines Tafelsilbers verkaufen. Denn Griechenland steht am Schuldenpranger.

Bei der OTE darf die Deutsche Telecom kein Spielverderber sein und muss deshalb noch mehr einsteigen. Es gibt aber auch Flughäfen, richtige Häfen und die Eisenbahn zum verkaufen.

Es soll auch Interessenten geben. So ein internationaler Flughafen ist ja angeblich eine cash cow (so lange geflogen wird). An den Seehäfen seien die Chinesen interessiert, um eine globale Vormachtstellung zu erreichen. Bei der Eisenbahn kann ich mir (noch) keinen Käufer vorstellen. Ich kenne nur die Zuglinie von Patras nach Korinth, die dann nach Athen weiterführt.

Diese Bahnlinie ist zu den olympischen Spielen in Athen 2004 neu gebaut worden. Ich sehe da immer nur wenige und leere Züge, noch mit Diesel, weil  die Masten ohne Oberleitung in die Luft ragen und die Elektrifizierung wohl auf halbem Wege abgebrochen wurde. Für die Fähre gibt es so auch immer einen eigenen Bus von Patras nach Athen. Wüsste nicht, wer hier einen ordentlichen Preis bieten könnte.

Nein ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass es eine Lösung ist, Werte, die Rendite bringen, zu verkaufen um Schulden zu tilgen.

Wenn die Rendite höher als der Schuldzins ist, dann behält man sie besser. Und wenn die Rendite schlecht ist, dann wird man keinen ordentlichen Preis erzielen, es sei denn die Käufer haben besondere Interessen. Und dass diese langfristig dem Verkäufer dienen, ist sehr unwahrscheinlich.

Leider vergisst man bei solchen Forderungen die einfachen Menschen auf der Straße. Die müssen sich massiv einschränken, verstehen das alles nicht – und müssen solche Forderungen zwangsläufig als feindselig empfinden. Besonders, wenn sie am Schluss nur helfen, das Leiden zu verlängern und die sowieso notwendige Neuordnung nur aufschieben.

Was Griechenland jetzt widerfährt, werden viele anderen Länder ähnlich erleben. Innerhalb der EU droht dies Schicksal auf jeden Fall Portugal, Irland, Spanien, Italien, Es gibt aber noch mehr Staaten, die schwächeln. Was passiert mit Finnland (€-Land), wenn Nokia weiter Probleme bekommt? Oder mit Belgien.

Aber auch die Nicht-EURO-Länder in der EU sind bedroht: Was wird aus England (£-Land), wenn dort die Rentner in Bälde nicht mehr ein Fünftel sondern ein Viertel der Bevölkerung beträgt? Wie entwickelt sich Ungarn? Außerhalb der EU droht sowieso weiteres Ungemach – man denke nur Weißrussland.

Und was ist mit Deutschland? Wir haben doch so gute Voraussetzungen! Wir sind Exportmeister, in die Staatskasse fließen nicht erwartete Steuereinnahmen in gigantischer Höhe, die Wirtschaft wächst im Rekordtempo, die Arbeitslosenzahlen sind so niedrig wie seit langem nicht mehr und wir verfügen über eine angeblich blühende Industrie!

Ich bin nicht so sicher, ob das wahr ist. Kenne ich doch manche Großkonzerne ganz gut und weiß, das da das Leben alles andere als sorgenfrei ist. Und Statistiken, die man nicht selber gefälscht hat, soll man auch nicht trauen.

Warum liegen wir denn absolut wie auch relativ bei den Schulden in Europa an der Spitze? Wieso rast unsere Schuldenuhr trotz dieser einmalig guten Situation immer schneller?

Deshalb bringe ich sie wieder einmal in diesem Blog, als Mahnmal dass nicht alles so toll ist, wie wir meinen: Die deutsche Schuldenuhr:

Schuldenuhr

Sie läuft und läuft und läuft – wie der Käfer in den Wirtschaftswunderzeiten.

Wenn die Notbremse nicht schnell gezogen wird, dann wird es bald ganz schön knallen. Weltweit. Denn es bleibt uns nur ein schwacher Trost: Bevor es bei uns scheppert, wird uns der Dollar um die Ohren fliegen und es in den USA knallen. Aufgrund der globalen Verflechtung  wird es allerdings dann auch ganz schnell bei uns losgehen. Also, bitte schon mal anschnallen für den Aufprall!

Aber das alles ist ganz normal und wäre früher oder später auch ohne den € passiert. Dass alle zig Jahre eine wesentliche Wirtschaftskrise auftreten muss, scheint mir systemimmanent. Einfach weil sich die Gesellschaft immer ändert. Weil wir in eine globalisierten Welt leben, die zusammenhängt, sich aber in vielen Bereichen völlig unterschiedlich entwickelt. Das führt zu Spannungen – und eben auch zu Abstürzen. Damit muss man leben, auch wenn es weh tut.

Mich ärgert etwas anderes!

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert war in Europa die Zeit der Versöhnung der Völker. Meine Generation und die Generationen vor uns haben viel verbrochen. Mit unserer Lebensweise haben wir die Welt ziemlich kaputt gemacht. Wenn wir einen Verdienst haben, dann den, dass wir die Feindschaft zwischen den Völkern Europas in Freundschaft umgekehrt haben.

Jetzt werden die Menschen in Europa wieder aufgehetzt. Auf andere Nationen wird herabgesehen und alte nationale Feindbilder wieder belebt. Immer mehr machen sich nationalistische Tendenzen breit.

Und diese Entwicklung ist nach meiner Meinung wesentlich der leichtfertigen und völlig unnötigen Einführung des EURO vor zehn Jahren geschuldet. Sch…., was da passiert ist.

RMD

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1 Kommentar zu “Greece und das Tafelsilber”

  1. Chris Wood (Montag, der 6. Juni 2011)

    You surprise me, Roland. I am sure you will agree that many state enterprises would be more efficiently run by private companies. And private investors believe this. It may need only a 10% increase in efficiency, to change a loss maker into a profitable firm. So when a country sells state enterprises, it may well get money for a loss maker. This is then a win-win situation, not the zero-sum you imply. Greece would get cash, largely from abroad, to solve the state debt problems. In the medium term, the new bosses would concentrate on making things profitable, rather than on winning elections. Probably some people would lose their jobs, but jobs that do not contribute to wellbeing should be eliminated.

    I see no evidence that the man-on-the street is being forgotten. Recently, his opinions have gained more attention than ever before, sometimes with dubious effects, (e.g. nuclear panic and Stuttgart station). Of course the Greek government needs to convince its people that the way to prosperity does not involve violent demonstrations and xenophobia.

    The world is increasingly overpopulated (people, not species), and vital resources are running out. Attempts are being made to raise world prosperity to a level where the birth rate sinks, while limiting damage to the climate. In view of these huge challenges, of course it is not easy for Europe to maintain its living standard. DM nostalgia is very unhelpful.

    I see no convincing evidence for rising nationalism. There were always outbreaks. Serbia and Croatia seem to have partly shaken it off. Hatred of Germany after WW2 has almost gone.

    Anyway, one should not these days consider only the situation within Europe. At last the wealthy nations are trying to help North Africa towards democracy. For 60 years after WW2, particularly USA was happy with any dictator who seemed to support American interests.

    Incidentally, I welcome the increased involvement of Germany in the major global problems, such as climate and banking. Maybe it was wrong to abstain concerning Libya, and maybe the nuclear exit is too hurried. But there are arguments both ways. It cannot be right to suppress all differences of opinion.

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