Roland Dürre
Mittwoch, der 24. März 2010

Green IT 2

Eine Reihe von Rückmeldungen zeigen mir, dass ich mich in meinem Artikel Green IT doch ein wenig zu technisch ausgedrückt habe.

Deshalb noch mal ganz einfach und modellhaft bzw. in vereinfachter Architektur kann man IT heute in vier Ebenen gliedern:

  • Storage
    Unter Storage verstehen wir mächtige NAS- oder SAN-Systeme, die von den Servern in den Rechenzentren genutzt werden. Mittlerweile haben große Rechenzentrum terabytes an Speicher, man spricht sogar von petabytes.
  • Server
    Mittlerweile sprechen wir von Serverfarmen. Beliebig viele Rechner erbringen in solchen Farmen eine gigantische Rechen- und Verarbeitungsleistung. Meistens werden auf einem solchen physikalischen Großsystem viele virtuelle Server simuliert, die dann für alle möglichen Zwecke eingesetzt werden.
  • Netzwerk
    Das Internet basiert auf einem gigantischen Netzwerk. Die Zubringer zum Internet sind meistens eigene Netze, die wiederum über Leitungen verbunden werden.
  • Client
    Clients sind die persönlichen PC’s, Laptops, SmartPhones und was es noch alles gibt, die entweder aus Netzwerken  (VPNs, LAN, WLAN …) heraus oder über Leitungen zu Providern (FIBRE, UMTS …) am Internet hängen.

Jetzt behaupte ich, dass auf jeder dieser Ebene eine riesenhafte Verschwendung stattfindet.

  • Storage
    Beim Storage gibt es natürlich beliebig viel Datenmüll. Das beste Beispiel sind E-Mails. Viel davon (ganz ohne SPAM) werden inklusive ihrer Anhänge mehrfach auf vielen Systemen gesichert. Auch das Sichern erfolgt heute oft auf aktive Systeme. Storage-Lösungen, die Platten schlafen legen (wie z.B. Copan) haben sich nicht durchgesetzt.
  • Server
    Auf einen Verarbeitungsserver kommt eine ganze Reihe von Servern, die nur Verschlüsseln, nach Viren suchen, Proxys simulieren oder DMZs bilden. Oder sinnlose Daten permanent sichern. Alles mit doppeltem Boden und dreifacher Sicherheit, zum Teil aus Angst vor imaginären Bedrohungen.
  • Netzwerk
    Das beste Beispiel für Verschwendung bei den Netzen ist der Wildwuchs bei privaten oder gewerblichen WLANs. Gehen Sie in irgendein Bürohaus, Wohnhaus oder auch Einfamilienhaus. Fast immer wird Ihnen Ihr Laptop mehr als ein WLAN melden, in vielen Fällen sogar eine zweistellige Zahl. Und die meisten „idlen“ vor sich her, ohne Traffic.
  • Client
    Wie oft läuft der PC zu Hause während man im Büro ist, wie oft der PC im Büro wenn man zu Hause ist. Das Smart Phone läuft immer, und wenn man unterwegs ist nutzt man den Laptop. Am schlimmsten ist aber, dass wenn man ein System haben will, das „state of the art“ ist, man dies nur durch Komplettaustausch bekommen kann. Ein vernünftiges Upgrade-Konzept fehlt bei den mir bekannten Systemen völlig, wenn es so etwas gäbe, dann wäre es wahrscheinlich nicht rentabel. Ex und hopp ist einfach billiger.
    Auf den meisten Clients laufen mehrheitlich unsichere Betriebssysteme mit anfälligen Browsern, ein Grund für die Sicherheitskosten.

Alles zusammen ergibt eine gigantische Verschwendung. Bei mehr Achtsamkeit und mehr kollektivem gutem Willen (z.B. Spam-Sender auszuschalten) könnte man locker 90 % der IT-Technologie einsparen und so auch den Energiebedarf z.B. von den angegebenen 10 % auf 1 % senken.

Wer mit Abkürzungen wie SAN, NAS, DMZ, PROXY … , Diensten wie TWITTER …, Anwendungen wie WORDPRESS … nichts anfangen kann, der kann das einfach in Wikipedia finden. Nicht von ungefähr sind die IT-Themen in Wikipedia besonders gut beschrieben. Und IT ist meistens einfacher zu verstehen als „harte Technologie“ wie z.B. das Funktionieren einer Nabenschaltung (die auch in Wikipedia beschrieben ist).

Wenn alte IT-Cracks sagen, dass das alles zu fachlich wäre und sie die neue IT-Welt mit ihren Abkürzungen und Applikationen nicht verstehen würden, dann liegt es nur an deren Trägheit. Noch nie in der Geschichte der IT war die Technologie so gut beschrieben und einfach zugänglich wie heute.

RMD

Kommentar verfassen

*