Roland Dürre
Mittwoch, der 16. Februar 2011

Grenzschutzagentur

Die Amis haben ihr „Heimatschutzministerium“. Wir haben unsere „Grenzschutzagentur“ Frontex. Beide sind Begriffe, die manches verniedlichen. Vor einem Jahr habe ich einen Artikel über Frontex und die Flüchtlingssituation zwischen Afrika und EU geschrieben. Es war der 24. Januar 2010. Im Februar 2011 hat dieser Artikel aktueller denn je. Lampedusa wird förmlich von Flüchtlingen überrollt.

Vielleicht, weil ein Regime gefallen ist. Vielleicht aber auch, weil der Hunger immer schlimmer wird.

Ich bin vor ein paar Jahren durch Tunesien und zweimal durch Marokko geradelt. Ich kann nicht daran glauben, dass die Art von Wohlstand, die wir hierzulande praktizieren, im Maghreb oder gar im restlichen Afrika möglich sein wird. Das wird nicht kommen, weil es nicht geht.

Bisher haben Diktaturen die Systeme im Maghreb mehr als schlecht zusammengehalten. Das scheint vorbei zu sein. Jetzt soll die Demokratie (?) kommen. Die Armut und das Elend werden aber bleiben oder noch schlimmer werden.

Natürlich werden die Wirtschaftsflüchtling in die EU drängen. Wohin können sie sonst gehen?

Da zu helfen sollte eine große und wichtige Aufgabe für uns sein. Und eine große Chance für Europa. Aber was machen wir? Wir finanzieren die Grenzschutzagentur Frontex und bauen nach U.S.-amerikanischen Vorbild einen „Grenzzaun“ (früher Mauer genannt) an die EU-Grenze zur Türkei.

Und das Schlimmste: Bei uns scheint ja schon das bloße Dasein als Mensch ohne Papiere eine Straftat zu sein. Dabei hat der Wirtschaftsflüchtling in Europa eine große Tradition. Nur waren da die Europäer die Flüchtlinge.

RMD

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1 Kommentar zu “Grenzschutzagentur”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 16. Februar 2011)

    The populations of Tunisia and Egypt have multiplied by about 2½ in the last 40 years. (Tunisia, but not Egypt, is showing slight signs of levelling off). World supplies of food have kept pace with this, due mainly to improved plants and intensified cultivation. But this increase of food can hardly continue. Countries like China, India, and even Saudi-Arabia use lots of ground-water that is not being replaced. For further grave food problems, see http://if-blog.de/cw/wie-wir-unsere-welt-zerstoren/#more-18035
    Increased prosperity, as in China makes things „worse“ by diverting resources away from (vegetarian) food production.
    A revolutionary improvement in food production seems at least as far away as thermonuclear power generation.
    Enough resources could be devoted by Europe to solve the problems of Tunisia, by giving it prosperity with the resulting decline in birth rate. It could be brought into the European Union. But Egypt, with eight times the population would be a much bigger mouthful.
    Fortress-Europe seems the most likely „solution“. I could even produce a moral justification for it, if I wanted to. But with Pakistan becoming a major nuclear power, new weapons may not be enough to save us.
    Incidentally, Tunisia might be a good place to start Deserttech, if it is big enough, http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/983586/
    Of course the Tunisian boat-people are not starving. I have read that most have relatives living in Europe.

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