In dieser Reihe Beitrag berichte ich von Rednern, die mich in ihren Vorträgen sehr beeindruckt haben. Diesmal erzähle ich von meiner Begegnung mit Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck.

Augustinus Henckel von Donnersmarck ist mir unvergessen. Das erste Mal habe ich ihn auf einer Kundenveranstaltung von ICL (International Computer Limited) getroffen. ICL ist – im Gegensatz zu Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck – zumindest im deutschen Wikipedia sehr kümmerlich beschrieben. Die Veranstaltung fand in Wiesbaden im hessischen Hof als Danke Schön für Kunden und Partner statt.  Ich war eingeladen, weil wir (InterFace und ICL) eine sehr erfreuliche und erfolgreiche Kooperation hatten. ICL war damals in England recht erfolgreich, in Deutschland eher ein feiner Nischendarsteller. Das ganze muss schon über 10 Jahre her sein.

ICL hatte auch zwei Unix-Linien, eine Intel- und eine Risc-Linie. Der Geschäftsführer von ICL Deutschland  war stolz darauf, dass er eine sehr treue Kundenbasis hatte und nie „Rote Zahlen“ geschrieben hat. Trotzdem wurde ICL dann nicht viel später von Fujitsu übernommen und dann in die FSC – die es bald ja so auch nicht mehr gibt – einverleibt. Interessant übrigens, dass es auch mal (viel früher) den Versuch der Gründung einer CII (Compagnie Internationale Informatique), auch meines Wissens mit Siemens, BULL und ICL), der aber dann schnell wieder abgewickelt wurde. Dafür kam dann die Fusion von Siemens und Nixdorf zu SNI, die dann wiederum zur FSC führte.

Auf jeden Fall war die ICL Deutschland eine seriöse Firma mit britischem Understatement und vielen sympathischen Mitarbeiter, von denen ich heute noch einige gut kenne. Und ohne ICL hätte ich eben nie Augustinus Henckel von Donnersmarck erlebt. Augustinus war ein stattlicher Mann mit einer lauten und deutlichen Stimme. Neben seines kirchlichen Amtes war er auch Direktor des „Katholischen Instituts für Arbeit“ und sehr weltlich Geschäftsführer eines von ihm gegründeten Beratungsunternehmen, der Unicorn Consultants GmbH.

Ich weiß noch wie heute, wie er sich damals im hessischen Hof vorstellte als „Fleischgewordener Lobbyist“ des erfolgreichsten Unternehmens der Welt, das es auch immerhin schon seit 2000 Jahren gäbe. Und dann hat er leidenschaftlich über den Sinn von Arbeit gesprochen und Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit präsentiert. So hat er uns gezeigt, das den Untersuchungen seines Instituts folgend, zahlreiche Menschen nur für das Wochenende malochen würden. Die Arbeit wäre der graue Teil ihres Lebens, das Wochenende der bunte. Und eine Geschichte, ich nenne sie „die vom Dachdecker“ hat mich besonders beeindruckt und ist mir haften geblieben.

Ich versuche, sie sinngemäß wiederzugeben: Wenn heute ein Vater seinem Sohn zeigen will, was er eigentlich beruflich macht, dann hat er es nicht leicht. In den meisten Fällen führt er seinen Sohn in ein Bürogebäude (wenn ihm das überhaupt noch erlaubt ist) und zeigt ihm dann seinen Schreibtisch (wenn er denn noch einen hat), auf dem ein Computer steht. Und arbeiten heißt, vor diesem zu sitzen und auf Tasten zu drücken, bzw. eine Maus zu betätigen. Früher, sagte Augustinus, konnte der Vater den Sohn bei der Hand nehmen, durch das Dorf gehen und ihm Dächer von Häusern zeigen. Und er konnte seinem Sohn sagen: „Siehst Du, die habe ich alle gedeckt, und ich bin stolz darauf, dass sie den Menschen, die in diesen Häusern leben, ein trockenes Zuhause geben.“ Und der kleine Junge hat verstanden, was der Papa macht. Ich finde diese schöne Parabel zeigt auch auf, wie schwierig es sein kann, die Sinngebung unserer Arbeit uns selbst und anderen zu vermitteln. Und Augustinus hat mir in diesem Vortrag klar gemacht, wie wichtig es für mich ist, in der Arbeit so zu sein wie im Privatleben oder anders gesagt, wie wichtig es ist, privat wie geschäftliches Leben in Einklang zu bringen.

Ein Jahr später habe ich im Ronneburger Kreis vorgeschlagen, Rupert Lay und Augustinus Henckel von Donnersmarck für ein Podiumsgespräch zu gewinnen. Rupert als ehemaliger Jesuit und Ketzer, der eher so seine Probleme mit dem System Kirche hatte und Augustinus als Prämonstratenser und „Lobbyist der Kirche“, Rupert als der Management Trainer und Augustinus als der Berater der deutschen Industrie für Wirtschaftsethik, das klang sehr vielversprechend. In der Tat ist uns dies und wir hatten eine wunderbare Veranstaltung in Frankfurt zum Thema „Moral und Ethik“ mit Augustin Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck und Rupert Lay. Nur zu dem von uns erhofften Disput kam es nicht, zu einig waren sich „Ketzer“ und „Lobbyist“, dass das „System Kirche“ auch seine Fehler hat und die Ethik letzendes Endes die sicher notwendige Moral erst erträglich macht. Trotzdem war es eine sehr lehrreiche Veranstaltung und für mich ein großes Glück, dabei gewesen sein zu dürfen.

Leider ist Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck am 19. August 2005 in Duisburg gestorben, so dass ich ihn leider nie mehr sprechen hören werde.

Die ICL hat diese schöne Veranstaltung dann mit einem wunderschönen Mozartabend beendet, das war schon alles große Klasse.

RMD

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