Roland Dürre
Freitag, der 9. Oktober 2009

Große Zahlen? Große Angst? Große Irrationalität?

Oder auch: Das Jahr des Darwin geht langsam zu Ende!

In 2009 konnte ich mich ein wenig mit Evolution beschäftigen. Dabei habe ich große Zahlen gehört und gelesen.

Das geht dann ungefähr so.

  • Vor zwei Milliarden Jahren hat die Erde Voraussetzung für Leben entwickelt.
  • Vor 1,8 Milliarden Jahren gab es erstes Leben.
  • Die Entwicklung von „unbelebt“ nach „belebt“ hat also nur 200 Millionen Jahre gedauert.
  • Menschen gibt es vielleicht seit 200.000 Jahren. Ist eine Definitionsfrage.
  • Sprache, Schrift, ein bisschen Kultur und Technologie gab es vielleicht vor 20.000 Jahren. Ist auch eine Definitionsfrage.
  • Ich lebe vielleicht 80 Jahre.

Zwei Milliarden, 200 Millionen, 200.000 und 20.000 Jahre sind für mich Ewigkeiten. Ist für mich virtuell. Nicht anfassbar, nicht schmeckbar, nicht fühlbar.

Auch bei Menschen reden wir über großen Zahlen.

  • Auf der Erde leben 7 Milliarden Menschen.
  • Davon leben 1 Milliarde von einem EURO pro Tag oder weniger.

Beim Geld sind die Zahlen noch höher.

  • Allein für die Abwrackprämie haben wir 5 Milliarden EURO ausgegeben.
  • 2.000 Milliarden EURO ist wohl die aktuelle Verschuldung der BRD.
  • Wie viel in den nächsten Jahren dazu kommt weiß keiner: 100, 300 oder 500 Milliarden. Oder die dritte Billion?
  • Und weltweit dürfte da eine Größenordnung dazu kommen.

Vor lauter Schulden bleibt für die strukturelle Veränderung, die „eigentlich“ Priorität haben müsste, nichts übrig. Und die Verantwortlichen träumen wieder vom Wachstum, das alle Probleme löst. Eigentlich zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Geld ist wie Zeit auch virtuell. Nicht mal essen kann man es. So ist es wahrscheinlich völlig egal, ob Deutschland 2 oder 5 Billionen Schulden hat.

Und dann wundere ich mich, warum wir Angst vor einem Zusammenbruch des Weltbankensystems haben. Dann müsste man doch nur eine neue Währung einführen, so wie die Deutsche Mark nach dem Krieg. Und alle müssten dran glauben, und alles wäre wieder gut. Ist doch eh nur alles Glaubenssache – höre ich immer.

Ich wundere mich aber auch über die „realen“ Ängste, wie vor der Schweine- oder Vogelgrippe. Oder vor einem Verlust unserer Altersversorgung oder unserer „medizinischen“ und „sozialen Standards“. Oder dass es mit dem Autofahren mal Schluss sein könnte, für viele meiner Mitmenschen ein grauenhafter bis nicht vorstellbarer Gedanke.

Und ganz neu bewundere ich die Angst vor Selbstmord-Terroristen, die eine Sprengstoffkapsel schlucken und sich dann mit ihrem Mobiltelefon auf der Wiesn in die Luft sprengen. Aber die ist ja glücklicherweise vorbei, so kann zumindest da nichts mehr passieren.

Dabei sind wir doch selber Selbstmordterroristen im Kollektiv.

Nein, eigentlich habe ich keine Angst. Ich glaube einfach an die Evolution. Die wird es schon richten. Und bin (eigentlich nicht) gespannt, wie die Evolution mit dem vielen Geld umgehen wird, ganz gleich, ob das Vorzeichen ein „Plus“ oder ein „Minus“ ist. Wie wird man das in 2.000 Jahren oder nur 200 Jahren bewerten?

RMD

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