Roland Dürre
Mittwoch, der 29. September 2010

Großprojekte, die ich mag.

Vor kurzem habe ich das Projekt S21 kritisiert. Eine der Rückmeldungen auf meinen Artikel war, dass ich wohl keine Großprojekte mögen würde.

Das ist falsch. Ich bin für Großprojekte. Ich bevorzuge zwar kleine Projekte und meine, dass man versuchen muss, Großprojekte sauber in viele kleine zu modularisieren.

Aber wir brauchen „Großprojekte“, um halbwegs unseren angenehmen Lebensstandard inklusive einer hohen Mobilität, die nicht unbedingt individuell und auf Autoscooter-Mentalität aufbauen muss, halten zu können.

Aber es sollten sinnvolle Projekte sein, die unsere Infrastruktur verbessern und das absehbare Ende der scheinbar beliebigen Verfügbarkeit von fossiler Energie ausgleichen. Ich nenne ein paar Beispiele:

  • Gleichstromnetz HGÜ (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung)
    HGÜ ermöglicht die Übertragung von Starkstrom mit um einen Faktor geringeren Transportverlusten. Ohne ein HGÜ als Basisnetz werden wir massive Einschränkungen hinnehmen müssen.
  • Desertec
    Ist ein – wie ich hoffe – gutes Beispiel für umweltfreundliche Produktion von Strom, den wir auch bei großer Sparsamkeit dringend brauchen werden. Das aber auch dringend ergänzt werden muss um viele möglichst extrem regionale Quellen von „echter regenerativer“ Energie (also nicht Energie aus Mais, Palmöl oder ähnlichem Unsinn).
  • Wasserstoff:
    Der zusätzliche Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur ist wohl der einzige Weg, eine nicht an Trassen gebundene Mobilität auch in Zukunft sicher zu stellen (Flugzeuge, Busse, LKWs) aber auch zum Beispiel das Betreiben von schwerem Gerät (Caterpillar, Bagger, Landmaschinen …), das wir auch dringend brauchen werden, fern von Netzen zu ermöglichen.

Ich gehe davon aus, dass wir nur mit „Strom“ (auf Elektrizität basierender Technologie) und Wasserstoff unsere uns lieb gewordenen Lebensgewohnheiten in Zukunft so halbwegs aufrecht erhalten werden können.

Solche Projekte sind dringend notwendig. Müssen langfristig geplant und rechtzeitig angegangen werden. Und werden wahnsinnig viel Geld kosten.

Deshalb sollten wir unsere knappen investiven Mittel eben nicht für Projekte wie S21 ausgeben, die langfristig gesehen die Infrastruktur „verschlimmbessern“ und einen schon heute absehbar nicht nur finanziell unsicherem Ausgang haben, sondern uns zu 100 % auf die notwendigen Themen der Zukunft konzentrieren. Denn diese Zukunft wird noch herausfordernd genug.

🙂 Und auch zum Zugfahren braucht man Strom!

Und auch bei bester Vorsorge durch eine vorausschauende Energiepolitik inklusive solcher Großprojekte, werden wir ums Sparen und um eine Veränderung unserer Lebensgewohnheiten (weniger Watt für den schnellen Espresso, 200 km auf Autobahnen, im Winter bei 24 Grad im kurzen Hemd zu Hause und im Hochsommer im Anzug mit Krawatte im 18-Grad-Büroklima …) nicht herum kommen.

Also: Konzentration auf sinnvolle Großprojekte und Veränderung unserer Lebensweise.

RMD

P.S.
Die Bilder zu desertec werden aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

3 Kommentare zu “Großprojekte, die ich mag.”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 30. September 2010)

    I know little about the Stuttgart station, but Roland may well be right. Capitalism works well, as long as people are risking their own money or careers. But when they get good at avoiding repercussions from their mistakes, its advantages disappear.
    I want to mention a big devolved project that I approve of. Indian scientists have genetically engineered potatoes (spuds) to have a higher proportion of protein. It took only one extra gene. Then they were surprised to find that crop yields were substantially increased. This is a „devolved“ project, since „production“ will be carried out by millions of farmers. Spuds are good for the future, being mostly eaten locally.
    Spuds are almost always cloned, so they have little genetic variability, and are endangered by new diseases, (e.g. the Irish potato famine). So it will be important to apply this genetic engineering to many varieties of spud, not just 3 or 4. On the plus side, experience in engineering spuds will help cope with any new infections.
    This project has similar benefits to those of C4rice, a project excessively criticised by Roland. (I cannot find C4 rice in the blog archive; what happened)? I recognise the dangers of genetic engineering, particularly regarding certain companies, but I believe it can be controlled, and without it the future looks grim.

  2. Chris Wood (Donnerstag, der 30. September 2010)

    Can anyone explain to me why hydrogen is regarded as a good fuel for future cars? Why would diesel not be better? Given enough electricity, this can be generated from water and CO2. Of course the kilometres per Euro will be much less than when the fuel comes from oil wells. But will hydrogen be any better? Diesel is much easier and safer to store and transport. Diesel motors are already well developed.

  3. kuhn hans-peter (Donnerstag, der 30. September 2010)

    Roland, Du vereinigst in Dir alle Voraussetzungen zu einem glaubhaften Lokalpolitiker.

    Wag den Sprung doch einfach mal!!!

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