Roland Dürre
Sonntag, der 25. Oktober 2009

„Gut und Böse?“ oder „Es ist alles so simpel!“

Unsere politische Elite predigt:

Die Weltwirtschaftskrise ist an allem schuld.

Das Wachstum löst alle Probleme.

Die Arbeitsplätze sind das höchste aller Güter.

Der technologische Fortschritt wird uns retten.

Auf solch dünner und offensichtlich falscher (oder gelogener) Denke lässt sich kein valider und zukunftssicherer Gesellschaftsentwurf aufbauen.

Eliten der Zukunft müssen über „drei V’s“ verfügen:


Die Vernunft, die uns hilft, die vermeintlichen Gewissheiten zu hinterfragen und frei von gezielter Fremdsteuerung unsere bewussten und unbewussten Interessen zu finden.

Der Verantwortung, die wir für uns, unsere Mitmenschen und unsere nachfolgenden Generationen übernehmen müssen.

Die Fähigkeit zum Verzicht, die zum Überleben notwendig sein wird und unser personales Glück nicht mindert.

Vernunft, Verantwortung und Verzicht als schlichte Basis für die Weiterentwicklung einer aufgeklärten Gesellschaft würde auch das Vertrauen in die Demokratie mehren.

Ich fürchte aber, dass wir uns erst ändern werden können, wenn uns die „drei K’s“ einholen:

Katastrophen, die die Welt unbewohnbar machen.

Krisen, die uns erschüttern.

Krankheiten, deren Ursache in unserem Verhalten liegt.

Zumindest hat es mir so einer meiner Lehrer, Baldur Kirchner, erklärt: Menschen können sich nur ändern, wenn sie von einer Krise, Katastrophe oder Krankheit massiv getroffen werden.

RMD

4 Kommentare zu “„Gut und Böse?“ oder „Es ist alles so simpel!“”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 25. Oktober 2009)

    Roland, you seem to like „wise“ sayings, even when they are wrong. You have recently again brought your one from Bertram Russell, and your definition of freedom, although I earlier pointed out that they are both wrong.
    „Menschen können sich nur ändern, wenn sie von einer Krise, Katastrophe oder Krankheit massiv getroffen werden“ is also wrong. Applied to individuals, this is obvious. A pensioner is not the same as a boy, and a baby is different again. Perhaps Kirchner really meant „mankind“. This would be a little less stupid, but still wrong. We see that USA became able to choose a black president. This resulted not from some disaster, but rather from blacks proving themselves particularly in areas like music and sport. Another example is the widespread acceptance of homosexuality in advanced countries.
    These wise guys take an idea and stretch it till it is ridiculous. Their wisdom is demonstrated by their ability to get paid for doing this.
    I am sorry to see you bringing your strange technology phobia again. I have not heard the political elite preaching this. But I see science and technology as the main hope for a happy world in 100 years. (For us there is no hope, we shall then be dead). I hope the technology will be peaceful, and will enable the world’s population to eat enough. The alternative is military technology to wipe out the miserable.
    Science is important in other respects. It reduces ignorance, such as the old idea that a dark skin indicates less brain power. Science and technology have also given us a rather clear idea of the danger to world climate, and the cause of the change.

  2. rd (Sonntag, der 25. Oktober 2009)

    Deutsch:
    Die These “Menschen können sich nur ändern, wenn sie von einer Krise, Katastrophe oder Krankheit massiv getroffen werden” ist in Deinem Sprachstil vielleicht falsch. Wahrscheinlich ist Altern eine Art von Krankheit, dann würde sie sogar in Deinem Sinn sprechen.

    Baldur Kirchner und ich sprechen von tief geprägten Verhaltensweisen oder Gewissheiten („Wahrheiten“), die durch Sozialisierung tief in einem Menschen verankert sind. Hier ist Veränderung wohl leicht einsichtig nur unter besonderen Umständen möglich, z.B. eben die „K’s“.

    Die vermeintliche Fortschrittsfeindlichkeit wird uns Deutschen seit Kohl und Strauß vorgehalten.

    Eine aufgeklärte und ethisch verantwortete Wissenschaft halte ich enorm bedeutend. Leider erlebe ich die Technologie seitdem ich lebe als Knecht von unreflektiertem Macht- und Profitstreben. Das finde ich nicht so gut.

    English:
    The theory “people will only change when massively hit by a crisis, catastrophe or malady” is probably incorrect when perceived with your linguistic background. Ageing is probably a kind of malady, which would actually make sense even using your understanding of the word.
    Baldur Kirchner and I mean deeply rooted behaviour or certainties (“truths”) that have become part of a person due to the socializing process. It should be easy to see that a changing attitude will only be developed under very special circumstances, for instance the three “c”-s.
    We Germans have been called enemies of progress since Kohl and Strauß. I believe an enlightened and ethically responsible science is extremely important. Unfortunately, my whole life has shown me that technology is just a servant of unreflected striving for power and profit. That is something I do not find particularly attractive.

  3. Chris Wood (Montag, der 26. Oktober 2009)

    Roland, you quoted Kirchner with „only“, not with „for example“. Even with „for example“, he was wrong (and you too). I notice that a strong unwillingness to admit they are wrong is a very common characteristic of successful people! Do you really believe that babies grow into childhood as a result of illness?

  4. rd (Montag, der 26. Oktober 2009)

    Hi Chris!

    Im übertragenen Sinne kann man auch das „erwachsen werden“ als Krankheit bezeichnen. Zumindest die Weisheit des Kindes geht spätestens in der Pubertät verloren. Angeblich gibt es Fälle, wo sie im Alter wieder kommt.

    Vom Baby zum Kleinkind ist allerdings wirklich schwierig 🙂

    Ist aber das ganze Leben nicht nur eine Krankheit, die mit dem Tod endet 🙂 ?

    Und kann sich dann nur der ändern, der lebt?

    Ich glaube aber wirklich, dass die „geprägte Eigenschaften“ beim Menschen n u r durch die drei „K’s“ verändert werden können. Tiefenpsychologisch dürfte das auch klar sein. So ganz frei, uns beliebig zu ändern, sind wir nicht.

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