Roland Dürre
Donnerstag, der 15. Januar 2009

Hurra – die Abwrackprämie ist da!

Jetzt haben wir eine Abwrackprämie für Autos älter als 9 Jahre. Ich persönlich halte das für eine Schnapsidee, auch deswegen, weil sie nicht funktionieren kann und wird. Ziel der Prämie ist es ja, den Absatz von Autos zu erhöhen.

Was wird passieren? Zuerst mal wird die Prämie Ursache für die Verschiebung von ein paar Bestellungen sein. Warum soll ich heute ein Auto kaufen, wenn ich über ein wertloses Uraltauto verfüge, das noch fährt und ich ab 1. Juli dafür 2.500 EURO beim Kauf eines Neuwagen kriege *). Dabei berücksichtige ich mal nicht, dass die Fahrer von alten Autos oft aus Prinzip keine Neuwagenkäufer oder korrekter formuliert „Neuwagenleaser“ sind, denn Neuwagenkäufer gibt es ja kaum mehr. Wenn die Statistiken stimmen, sind gerade die hochwertigen Autos in Deutschland bis zu 90 % Geschäftsautos und auch im privaten Bereich meistens geleast. Das Detail, ob die Abwrackprämie auch beim Leasing eines Neuwagen gilt, weiß ich nicht – und ist vielleicht auch noch gar nicht festgelegt. Wäre eine schöne Reklame: die ersten 10 Leasingraten bezahlt der Staat.

Autos, die mehr als 2.500 Euros wert sind, werden sicher nicht verschrottet sondern verkauft. Aber nehmen wir an, jetzt wird – verursacht durch die Prämie – ein Auto „verschrottet“, das sonst noch ein paar Jahre weitergefahren wäre. Was passiert dann? Es kommt zum Schrotthändler. Der wird Wege finden, das „Schrottauto“ doch irgendwie wieder vom Hof zu kriegen. Irgendwie bekommt er es schon in ein Schwellenland, wo man solche Autos schätzt und gerne fährt. Wenn nicht, dann warten die „Pfuscher“ schon darauf, dieses Auto auszuschlachten und so das Leben von vielen anderen Altautos zu verlängern. Zum Verkauf von mehr Neuwagen wird dies dann auch nicht führen.

🙂 „Pfuscher“ ist in diesem Zusammenhang übrigens keines Falls abwertend gemeint, sondern der im Volksmund gebräuchliche Begriff für „seriöse“ Schwarzarbeiter, die das Wochenende in bestausgestatteten Garagen durchschuften. Vielleicht kommt der Name auch daher, weil diese tüchtigen Leute dann den Pfusch beseitigen, den die teuren Vertragswerkstätten immer wieder an unseren Fahrzeugen verursachen!

Ich selbst kann mich auch noch gut erinnern, wie ich als junger Mensch beim Schindelar (Die Firma ist für mich ein Synonym für Ersatzteile aus Schrottautos – der Slogan von Schindelar heißt interessanterweiser “Vernunft rund ums Auto“!) billigst ein ansonsten unbezahlbares Getriebe für einen wunderschönen Renault R12 bekommen habe. Das hat diesem R12 das Leben gerettet hat, so dass er nach seiner Dienstzeit bei mir noch viele Jahre im Exil im Libanon seinen Dienst tun durfte)! Dass die Herstellung eines neuen Autos alles andere als umweltfreundlich ist und man deshalb Autos solange wie möglich fahren sollte, ist übrigens auch ein Argument gegen die Abwrackprämie.

Um die Kosten der Prämie brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, es wird überraschend wenige Inanspruchnehmer der Abwrackprämie geben. Die einen werden die 2.500 Euro mitnehmen (nach dem Motto “Bescheid wissen, Vorteile nutzen”), das „normale“ Mass an Missbrauch wird stattfinden, und das wird es dann sein. Die Bürokratie wird kräftig gefordert und gefördert, komplizierte Regeln werden konstruiert und neue Formulare geschaffen, besonders natürlich um den Missbrauch soweit wie möglich einzuschränken. Na ja – und das schafft dann ja auch wieder Arbeitsplätze.

Mein Eindruck ist, dass die Menschen, die schnell mal solche Maßnahmen beschließen, zwar in tollen Luxuslimousinen zur Besprechung anfahren, aber davon, wie das mit den Autos wirklich funktioniert (die Autos auf Deutschland Straßen sind wohl im Durchschnitt 7 Jahre alt) und wie das Leben der meisten Menschen in Deutschland so ist, überhaupt keine Ahnung mehr haben.

RMD

*) Dieser Schluss ist nach neuen Informationen nicht mehr richtig, die Prämie soll ja jetzt auch rückwirkend gezahlt werden. Ist sicher für die Erreichung des Ziels, den Abverkauf von Autos zu steigern, nützlich, macht natürlich die Bürokratie auch nicht einfacher und könnte auch den Unterschleif fördern.

P.S.

Dieser Artikel wird übrigens besonders häufig gelesen. Viele Menschen stellen sich die Frage, ob man auch beim Leasing eines Neuwagens die Abwrackprämie bekommt. Dann geben sie in Google „Abwrackprämie“ und „Leasing“ ein – und landen in IF-Blog. Und leider kann ich diese Frage auch noch nicht beantworten, ich weiß nicht einmal, ob die Regierung schon darüber nachgedacht hat. Wer denkt den schon ans Naheliegende? Ein Politiker oder Minister bestimmt nicht.

Auch ganz witzig: Ich hätte ja gemeint, dass das Bundesfinanzministerien für solche Subventionen zuständig ist. Gestern Abend habe ich gehört, dass das Bundeswirtsschaftsministerium dafür zuständig ist. Jetzt bin ich auf die WEB-Anwendung zur Beantragung der Prämie und den dahinter liegenden Geschäftsprozessen gespannt?

Hier ein interessanter Link zu einem Spiegel-Artikel, der dann doch die meisten Fragen beantwortet.

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