Roland Dürre
Sonntag, der 7. April 2013

Hustensaft und „no waste“ …

Am Ende (?) dieses Winters hat es mich dann auch erwischt. Die Nase begann zu laufen, der Hals tat weh, der Husten kam. Ich wurde zwar nicht außer Betrieb gesetzt, war aber trotzdem ganz schön eingeschränkt. Es war eine unangenehme Phase, die noch nicht ganz vorbei ist.

Natürlich versuchte ich meine Beschwerden zu lindern. So gab es insgesamt zwei Schachteln Halsbonbons und ein Fläschchen „Spitzwegerich“.

In einer Menge von 150 ml war der Hustensaft in einem Glasfläschchen abgefüllt. Das Glasfläschen hat einen mächtigen Drehverschluss aus Plastik und ist in einem Karton verpackt. Dabei waren noch eine ausführliche Produktbeschreibung und ein Messbecher! Der hatte vier Markierungen: 5, 10, 15 und 20 ml (milliliter).

Was für ein lächerlicher Aufwand für ein bisschen „Spitzwegerich“ mit Zucker und ein wenig Alkohol!

Zuerst versuchte ich der Gebrauchsanweisung folgend die mir zugedachte Menge im Plastikmessbecher ab zu messen und zu mir zu nehmen. Das war nicht einfach. Mit dem Messbecher konnte ich zwar richtig dosieren, nur war das sinnlos, da ich unmöglich die gesamte Menge des klebrigen Zeugs in den Mund kriegen konnte.

Sogar meine ansonsten äußerst geschickte Zunge war überfordert. Anschließend musste ich den Messbecher gründlich spülen, was alles andere als einfach war. Und ihn dann wieder auf die Flasche setzen, damit er nicht verloren geht. Eine höchst klebrige Geschichte.

In meiner Kindheit war das anders. Da gab es keinen solchen Plastikmüll. Die Dosierung wurde „in Teelöffel“ angegeben. Einen Teelöffel gibt es in jedem Haushalt.

Löffel sind hoch entwickelte und ausgereifte Werkzeuge, bei denen Mund und Zunge den Inhalt einfach und komplett aufnehmen können. Ein Werkzeug, das sich leicht reinigen läßt. Habe mich dann bei den folgenden Anwendungen meiner Medizin auch für diese traditionelle Methode entschieden.

Warum wird so ein Quatsch wie dieser Messbecher überhaupt hergestellt? Dass der Messbecher eine präzisere Dosierung zulässt, ist nicht vorstellbar, weil man das Zeug eben nur zum Teil raus kriegt.

Nein, da wollen ein paar betrügerische Produktdesigner dem Kunden einen vermeintlichen Vorteil weismachen. Wie praktisch und innovativ „durchdesignt“ dieses Produkt doch wäre. Der Messbecher als Fanal des großen Fakes, mit dem der dumme Verbraucher auf allen Ebenen beschissen wird.

Und dann stelle ich mir vor, wie viele Millionenen sinnloser Plastik-Mess-Becher für Hustensaft und ähnliche Medikamente auf diese Art und Weise auf unseren Planeten losgelassen werden.

Ich bringe dieses Beispiel ganz bewusst, weil der Plastikbecher beim Hustensaft an einem ganz kleinen Beispiel zeigt, wie unsinnig und unbedacht wir  mit unseren Ressourcen umgehen. Mengenmäßig ist der nur 3 Gramm schwere Messbecher (ich habe es gemessen) ja zu vernachlässigen und so völlig „unrelevant“.

Wenn ich aber an die Unmenge von viel größeren Plastikbechern als Verpackungsmaterial für Produkte aller Art denke, wird es mir schwindelig. Der Wahnsinn beginnt im kleinen und erschlägt uns im großen. Der Hustensaftbecher ist so ein gutes Symbol sinnloser Verschwendung, die im kleinen im Blick auf die große Verwüstung rechtfertigen. Und wir sind die dämlichen Schlachttiere, die jeden Scheiß mitmachen. Ob es die Buttermilch aus dem Plastikbecher oder unser Coffee2Go ist, den wir mit uns herumtragen.

Auch wenn es ab und zu auch mir selber als zwanghaft und kleingeistig vorkommt, versuche ich mittlerweile soweit wie irgendwie möglich, keine Produkte mehr zu kaufen, die aufwändig verpackt sind. Keine Nahrungsmittel  im Plastikbecher oder Tetrapak, keine Kosmetika im Plastikfläschchen oder in der Sprühdose, kein Dosen- und Tiefkühlfutter mehr. All das kommt mir nicht mehr in den persönlichen Gebrauch.

Und siehe da, es funktioniert sehr gut! Und bedeutet für mich keinerlei Einschränkung sondern erhöht die Freude am Leben. Genauso wie es mir seitdem ich nicht mehr Auto fahre (noch) besser geht als vorher. Nur dass die allgemeine Gedankenlosigkeit vieler Zeitgenossen jetzt (noch) ein wenig mehr weh tut. Weil ich ja weiß, wie ich  selber darauf reingefallen bin.

Warum machen wir nicht Schluss mit diesem Schwachsinn und wehren uns endlich gemeinsam gegen den industriellen Wahnsinn?

RMD

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1 Kommentar zu “Hustensaft und „no waste“ …”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 9. April 2013)

    I have occasionally used a nasal spray for the night, to avoid waking with a dry throat. There used to be little flexible plastic bottles, with a tiny hole in the top. If one shakes the bottle, a drop of fluid sticks to the hole. Then when the bottle is squeezed a bit, this drop becomes a spray.
    It was easy to add a little water to the fluid, which was too concentrated for me. Then I found that just water did the job unless I had a real cold.

    These were replaced by tiny glass bottles either with a complex plastic spraying mechanism, or with a rubber/glass syringe with which one could drip the fluid into the nose, (always too much, and the syringe did not pick up the last fluid in the little bottle).
    With these bottles one could still dilute the fluid, but not so easily.
    But then the design changed so that the spray mechanism could not be removed to add water.
    Now I just wake up with a dry throat.

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