Roland Dürre
Dienstag, der 24. August 2010

Ich bin ein Mensch – was bin ich? ♫

🙂 Auch auf solche Gedanken kommt man im Urlaub: Ich erzähle mal von meinen Vorfahren. Vielleicht muss ich ja irgendwann mal irgendwelchen Aliens erklären, wie es zu uns gekommen ist:

Ich bin ein Mensch und stamme vom Affen ab. Meine Vorfahren sind vor langer Zeit auf allen Vieren gelaufen. Durch ein planetares Unglück (heute würde man sagen durch eine Umweltkatastrophe), ging ihr Dschungel kaputt. Dort fanden sie immer leckere Nahrung im Übermaß. Damit war Schluss. Jetzt mussten sie die vielen Proteine, die sie brauchten, wo anders suchen. Das war nicht einfach.

So sind sie gezwungen worden, sich aufzurichten. Ich bin mir nicht sicher, ob das in der Savanne passiert ist, weil sie nach Aas suchen oder ob sie ihre Nahrung aus dem flachen Wasser holen mussten und deshalb lernten, ihren Kopf so hoch zu tragen. Da streiten unsere Gelehrten heute noch, aber damit fing das Mensch sein wohl an …

Nachdem meine Vorfahren gelernt hatten, aufrecht zu gehen, wussten sie nicht, was sie mit ihren Händen machen sollten. Langeweile bringt ja oft auf dumme Gedanken. So spielten sie mit ihren Händen so herum und lernten Werkzeuge und Waffen zu bauen. Wie die Werkzeuge filigraner wurden, wurden die Hände feingliedriger und geschickter. Ging alles ganz von selbst und ohne konkrete Absicht.

Meine Vorfahren zündelten gerne. Sie erfanden einen Weg, Feuer zu entfachen. Zuerst hatten sie Angst, etwas schlimmes angestellt zu haben. Dann merkten sie aber, dass das Feuer zu vielem nutze war, auch zum Wärmen und zum Aufbereiten der vielen Proteine, die sie brauchten.

Ein paar andere meiner Vorfahren erfanden zu einer anderen Zeit das Runde. So konnten sie Dinge leichter auf runden Hölzern bewegen. Das war ein Fortschritt. Sie ahnten natürlich nicht, das sich später aus ihrer Erfindung das Rad entwickeln werden sollte,

Schnell lernten meine Vorfahren auch, dass man im Team erfolgreicher jagen konnte als alleine. Aufgrund ihrer einzigartigen Kehlkopfklappe konnten sie Töne modulieren. Das war sensationell. Schnell kapierten sie, dass sie sich damit bei der Jagd im Team mit unterschiedlichen Tönen verständigen konnten. Das war wieder ein großer Vorteil im Kampf um die Proteine. So verfeinerten sie ihre Jagdkommandos, und daraus entwickelte sich die Sprache.

Der Sprache mächtig, erfanden sie Geschichten, die sie ihren Kindern erzählten. Die Weitergabe der Geschichten war mühsam. Die Geschichten veränderten sich über die Generationen. Meine Vorfahren waren da schon ganz schön intelligent und versuchten, ihre Geschichten in Stein zu hauen. So entstand die erste Art von Schrift.

Je mehr sich Sprache und Schrift entwickelten desto mehr gab es Worte und Begriffe. Die Gedanken wurden komplizierter, das Bewusstsein entwickelte sich.

Meine Vorfahren waren Herdentiere. Jetzt konnten sie explizit soziale Regeln festlegen. Es gab eine Vorstellung von Werten. Vieles blieb für meine Vorfahren aber sehr rätselhaft. Sie versuchten die Rätsel zu lösen und der Welt und ihrer Existenz einen Sinn zu geben.

So erfanden meine Vorfahren Gott. Und fanden ihn in der Sonne und vielerorts in der Natur. Sie entwickelten Religionen. Zuerst ganz einfache und natürliche. Aber damals schon neigten meine Vorfahren dazu, alles recht kompliziert zu machen.

Damals wurde auch das schöne Märchen von Adam und Eva erfunden. Und viele sehr unterschiedliche Geschichten, die über Tausende von Jahren weitergegeben wurden. Aber bis heute konnten wir die Sinnfrage  nicht beantworten.

In den letzten 1000 Jahren hat sich das Entwicklungstempo beschleunigt. Das Bewusstsein für die Zeit entstand, man erfand die Uhr. Man entwickelte die Mathematik weiter und entdeckte die sogenannten Naturwissenschaften. Der Buchdruck wurde erfunden, jetzt konnte man Wissen viel besser verbreiten.

Kommunikation und Mobilität kam dazu. Die Dampfmaschine und der Dieselmotor wurden erfunden. Die Schiffe wurden schneller und die Flieger noch viel schneller. Fürchterliche Waffen wurden geschaffen, große Kriege geführt. Und mein Stamm war immer voll dabei. Die Atombombe wurde allerdings bisher nur zweimal gezündet, und zwar nicht von uns. Dafür bauten wir dann die Kernkraftwerke.

Unsere Devise war schneller, weiter, höher. Ein paar von uns setzten ihren Fuß sogar auf den Mond. Innerhalb eines Tages konnten wir überall auf der Welt sein. Wir machten uns die Welt untertan und beherrschten alles. War eine tolle Geschichte.

Wir bekamen Maschinen, die denken konnten. Die Daten wurden über Telex und später über Glasfaser übertragen. Im Internet war alles möglich. Das ganze Wissen der Welt konnten wir erreichen. Da ging es dann nochmal so richtig los.

Wir hatten verschiedene Systeme und Ordnungen. Am Schluss war der Spätkapitalismus der Gewinner, er besiegte sogar den Kommunismus. Gier wurde zu unserer ausschließlichen Triebfeder und Geiz wurde geil.

Jetzt scheint es bei uns eng zu werden. Denn wir plünderten die Schätze unserer Erde und haben sie ziemlich ruiniert. Unser Planet erwärmt sich. Das Leben auf der Erde stirbt an homo sapiens. Einer davon bin ich. Aber die Krankheit, die ich mit verursache, wird wieder verschwinden. Die Erde wird sich von ihr schon wieder erholen. Bis sie dann irgend wann mal im unendlichen Kosmos verschwindet.

RMD

P.S.
Das ganz soll alles andere als ein wissenschaftlicher Aufsatz sein. Eher so ein Märchen, das man seinen Kindern erzählen kann.

P.S.1
Irgendwie gefällt mir der Stoff. Werde ihn auch unter duerre.de in meinen Stichworten verwenden.

In the years 2525 …

4 Kommentare zu “Ich bin ein Mensch – was bin ich? ♫”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 24. August 2010)

    1. Roland, I hope you do not do it just to annoy me. If so, I fall for it again!
    There is little reason to believe that man’s upright stance comes from the move from jungle to savannah, or from standing in water. Gibbons (see http://www.gibbon-slacklines.com/) and orang-utans usually walk more upright than chimps and gorillas, and use this stance in the trees. The common ancestor of man, chimp and gorilla probably walked upright. I have pointed this out two or three times in this blog. You read it, but ignore me.

    Now you will again write that I do not understand you, and I must again point out that I comment on what is written, not on what you mean!

    2. It is highly unlikely that the first writing was done on stone. That was just the most durable medium. In some 30,000 year old cave paintings, there are mysterious signs, which may well be early writing (in paint).

    3. Hundreds of atom bombs (not just two) have been set off. Not only the two in Japan have caused deaths.

    4. If we destroy civilisation, it will take millions of years to get back to the present level of knowledge. If we destroy all land mammals and birds, it will take hundreds of millions of years.

    5. Roland, our children are a bit old for fairy tales, but I hope our grandchildren can learn from them. Enjoy your holiday!

  2. rd (Mittwoch, der 25. August 2010)

    Lieber Chris, das mit der Savanne lernt man in der Schule, dass mit dem Wasser heute an der Universität 🙂

    Ich kann es nicht ändern …

    Jetzt stellt sich die spannende Frage: Wer hat Recht: die Schule, die Universität oder Chris Wood?

    Ich persönlich vermute ja: Keiner von den dreien …

    Roland

  3. Chris Wood (Donnerstag, der 26. August 2010)

    Your children bring back some funny ideas from university! School teachers are often 30 years out of date. For recent views, see: http://www.bbc.co.uk/sn/prehistoric_life/human/human_evolution/mother_of_man1.shtml
    (But now Lucy is regarded as not very nearly an ancestor of Homo sapiens. Read to the end).

    The savannah is presumably where man learnt to run well. But we were writing about upright walking.

  4. rd (Donnerstag, der 26. August 2010)

    Nein Chris, „mit den Proteinen aus dem Wasser holen und dabei den aufrechten Gang gelernt haben“, ist state of the art! Zumindest unter den Anthropologen, die sich mit der Menschheitsgeschichte beschäftigen … Gehe doch einfach in die Vorlesung an die LMU …

    Aber wie gesagt, ich glaube an keiner der Theorien. Sind alles aber nette intellektuelle Bemühungen.
    🙂 Wofür die Menschheit doch Zeit hat.
    Und das ist auch alles völlig unwichtig.

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