Roland Dürre
Sonntag, der 13. Februar 2011

Ich und meine Bahn(card) …

Ich fahre viel mit dem Zug. Überwiegend fahre ich in der zweiten Klasse. Die wird allerdings von der Bahn in einer Art Verdichtungsprogramm immer enger gemacht.

So lockt auf den Rennstrecken der DB zu Hauptverkehrszeiten in modernen (= besonders engen) Zügen dann doch die erste Klasse. Wenn also der Zug voll und die Fahrt länger ist und dann auch noch die Arbeit drängt, fahre ich erste Klasse. Deshalb leiste ich mir eine „Bahncard First“, die aktuell als „normale“ Hauptkarte 460,- € im Jahr kostet.

Früher mal war die Bahncard tagesgenau ein Jahr lang gültig. Nach Ablauf konnte ich mir beim ersten Fahrkartenkauf eine neue bestellen. Wenn meine Bahncard also zum 17. Mai aus lief, die nächste Zugfahrt aber erst am 20. Juni anstand, habe ich genau zum 20. Juni eine neue bestellt. So musste ich im Schnitt nur etwa alle 13 Monate eine neue Bahncard kaufen und habe – absolut regelkonform – um die 40 € gespart.

Das hat die DB auch entdeckt. Seit einigen Jahren wird die Bahncard automatisch verlängert. Jetzt müsste ich die Bahncard immer rechtzeitig zum Ablauf der Gültigkeit kündigen und mir dann eine neue bestellen. Das ist mir zu blöd und so akzeptiere ich murrend die neue Regel. Die Bahncard ist so de facto beim Wechsel auf die neue Regel verteuert worden. Ein Beispiel für immer mehr zunehmende versteckte Verteuerungen, wie sie in keine Preisstatistik oder Inflationsrate eingehen.

Aber die Bahn tut etwas für dieses Geld. Seit der Regeländerung sendet sie mir als Bahncard-Inhaber ziemlich viel Post nach Hause. Die enthielt (so lange ich sie geöffnet habe) sinnlose aber aufwendig gemachte Inhalte wie den Hinweis auf Sonderangebote (die es meistens gar nicht gab) oder völlig wertlose Vergünstigungen, die ich nie nutzen konnte. Mittlerweile wandert bei mir die Post von der Bahn ungelesen in den Abfall so wie ich das mit den Bettelbriefen zu Weihnachten und den meisten anderen Reklamebriefen mache.

Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht die jährlichen Umschläge mit neuer Bahncard und Rechnung mit entsorge. Das ist mir dieses Jahr auch wieder gelungen.

🙂 Aber dieses Jahr habe ich mich beim Lesen der Bahncard-Rechnung zuerst geärgert, dann gefreut und kam dann ins Grübeln.

Der Rechnungsbetrag betrug 236,- €! Ich hatte ja 460 € erwartet. Der erste Gedanke: Da hat die Bahn mal wieder einen Fehler gemacht. Ich kenne nämlich ein paar Menschen, die einen richtigen bürokratischen Krieg mit der Bahn führen mussten, weil die Bahncard grob fehlerhaft war oder aufgrund administrativer Fehler bei der Bahn dauernd gesperrt wurde.

Dann entdeckte ich, dass ich jetzt eine „ermäßigte Hauptkarte“ habe, weil ich 60 Jahre alt bin. Da habe ich mich zuerst gefreut, denn meine Bahncard First kostet jetzt nur noch 6 € mehr als eine „normale“ BahnCard 50 2.Klasse.

Mein 60. Geburtstag war schon mehr als ein halbes Jahr her. Hätte ich da nicht schon früher den reduzierten Tarif bekommen müssen?

Außerdem habe ich mich ein wenig diskriminiert gefühlt. Hat die Bahn Mitleid mit mir, weil ich schon 60 Jahre bin?  Oder geht sie davon aus, dass ich bedürftig geworden bin? Oder dass man mit 60 schon in Rente ist? Das Renteneintrittsalter wird doch gerade überall in Europa erhöht.

Außerdem soll es doch so etwas wie ein Gleichstellungsgesetz geben? Da bin ich doch die letzten Jahre auch schon benachteiligt worden.

Vielleicht sollte ich mit 60 altersbescheiden geworden sein und nicht mehr in der „First Class“ (wie man heute zur 1. Klasse sagt) reisen. Dann würde mir eine ermäßigte Hauptkarte BahnCard 50 2.Klasse zu 118,- € genügen.

Am liebsten hätte ich aber ein Bahncard 100, damit ich den ganzen Quatsch mit den Fahrkarten kaufen nicht mehr habe.

Die wiederum ist aber ab 60 nicht günstiger!

RMD

P.S.
Hier der Link zu den Bahncardpreisen.

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2 Kommentare zu “Ich und meine Bahn(card) …”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 13. Februar 2011)

    I use rail little. Mostly I cycle up to 20 km, and drive on longer trips. But I am also annoyed by the ticket pricing. For instance there are cheap tickets for groups of 5 people; just the number that fit in a normal car. It is also sad to see visitors trying to work the new S-Bahn ticket machines!
    I am also annoyed by the amount of advertising that lands in my letter box. I avoid buying products that have particularly stupid advertising on TV.
    When I have accepted an offer that came by telephone, I have always quickly reversed this decision. This wastes time and a few Euro. I hope to land in a database of people who behave like this. Then perhaps the calls will stop.

  2. Hans Bonfigt (Sonntag, der 13. Februar 2011)

    Ich nutze seit etwa 10 Jahren die BC 100 und kann diese speziell an Fahrradfahrer weiterempfehlen:

    Mit dem Rad fahre ich häufig „hybrid“ ins Büro, z.B. Aying -> Otterfing mit dem Rad und Otterfing -> Oberhaching mit der S-Bahn.
    Die BC 100 spart mir 80,–/Monat für die S-Bahn – Karte und die Mitnahmegebühr fürs Rad.

    Die BC 100 zahlt die Firma (dienstlich muß ich oft nach NRW), ich muß keinen ‚geldwerten Vorteil‘ versteuern.

    Im Nahverkehr (auch BOB und eigentlich alle regionalen Anbieter) sowie in den ICs kann ich ebenfalls das Rad mitnehmen, eine Option, die ich oft und gern nutze, um zum einen die „letzte Meile“ zum Hotel oder Kunden zu fahren und zum anderen bei mehrtägigen Aufenthalten ein ordentliches Rad zur Verfügung zu haben.

    Von Aying mit dem Bus in die Therme nach Bad Aibling ? Auch da gilt die BC 100.

    Die BC 100 kostet kanpp 600,– pro Monat, schon bei zwei NRW-Trips im Monat rechnet sich das.

    Aber einfach ohne übers Tarifsystem nachzudenken einzusteigen: un – be – zahl – bar.

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